Vera Junker war Oberstaatsanwältin im Prozess um die Bankenaffäre. Das Foto ist aus dem Jahr 2009. Foto: Axel Schmidt/ddp
© Axel Schmidt/ddp

Update Staatsanwältin wechselt in die Berliner Politik Vera Junker wird Staatssekretärin für Finanzen

Die profilierte Juristin folgt Margaretha Sudhof, die ins Bundesjustizministerium wechselte. Junker war Oberstaatsanwältin im Bankenskandal.

Seit zwei Monaten sucht Finanzsenator Mathias Kollatz (SPD) eine Nachfolgerin für den vakanten Posten der Staatssekretärin in seiner Verwaltung. Nun ist klar: Er hat eine ziemlich prominente Berliner Juristin für den Job gewinnen können. Am Dienstagvormittag wurde im Senat beschlossen, dass Vera Junker als Staatsekretärin in die Finanzverwaltung wechselt. Die 57-Jährige ist seit 2006 Leitende Oberstaatsanwältin in Berlin und den Berlinern vor allem als Anklägerin im Bankenskandal in Erinnerung.

Junker hat in Münster Jura studiert und ist 1991 nach Berlin gewechselt. Seit 1977 ist sie SPD-Mitglied und seit Jahren im Bezirk Reinickendorf aktiv. Wie Senator Kollatz gehört Junker zum linken SPD-Flügel. Junker gilt als energische, kompromisslose Juristin, die mit großem Engagement zu Werke geht.

Sie wird die Lücke füllen, die Margaretha Sudhof hinterließ - die wechselte im Sommer als Staatssekretärin ins Bundesjustizministerium. Sudhof hatte den Job noch unter dem damaligen Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) bekommen, der sie 2012 aus dem Bundesinnenministerium in die Berliner Verwaltung geholt hatte.

Nun ist sie in die Bundespolitik zurückgekehrt - und Kollatz war lange auf der Suche nach einer geeigneten Nachfolgerin. Zuletzt war darüber spekuliert worden, ob der frühere Landesvorsitzende Jan Stöß den Posten bekommen könnte. Der kehrt nun nach zwei Jahren am Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe zwar nach Berlin zurück, wird aber lediglich Abteilungsleiter in der Finanzverwaltung. Dem Vernehmen nach wollte Kollatz gerne wieder eine Frau als Nachfolgerin für Sudhof haben. Die hat er nun gefunden.

Die Senatsverwaltung für Finanzen hat die Personalie, die der Tagesspiegel am Vormittag bekannt gemacht hatte, inzwischen bestätigt. Als Staatssekretärin in der Senatsverwaltung für Finanzen werde Vera Junker für die Bereiche Vermögen und Beteiligungen, die Angelegenheiten der Steuerverwaltung sowie für Verwaltungsmanagement und Dienstleistungen zuständig sein, hieß es am Mittag in einer Pressemitteilung.

In der Justiz genoss Junker hohen Respekt, galt aber durchaus als schwierig. Sie war als Staatsanwältin immer in den Bereichen Steuerstrafrecht und Wirtschaftskriminalität aktiv - von ihr stammte auch die Anklage gegen Klaus Landowsky, der im Zuge des Bankenskandals 2001 als CDU-Fraktionschef zurückgetreten war.

Sie war im Vorstand der Vereinigung Berliner Staatsanwälte, bis sie 2011 Leitende Oberstaatsanwältin bei der Generalstaatsanwaltschaft wurde. Junker gilt als ausgewiesene Fachfrau, die allerdings mit Überkorrektheit den Staatsanwälten das Leben schwer machen konnte. Die Generalstaatsanwaltschaft hat die Rechtsaufsicht über die Staatsanwaltschaft. "Wir versuchen uns hier auf das Wesentliche zu konzentrieren, und manchmal musste man dann sinnlose Ermittlungen wegen Bagatelldelikten wieder aufnehmen", sagt ein Staatsanwalt. Junker gelte als akkurat bis zur Verbissenheit, was aber im Haushaltsrecht durchaus eine Qualität sein könne.

Junker selbst fürchtet sich nicht. "Bisher habe ich mich in neue Fachgebiete immer recht schnell eingearbeitet", sagte sie dem Tagesspiegel am Dienstag. Sie sei zuversichtlich, dass man ihr gut zuarbeiten werde, und habe diesen Eindruck schon an ihrem ersten Tag gewonnen. Junker hatte den neuen Posten mittags gleich angetreten. Für das Haushaltsrecht wird sie nicht zuständig sein, dafür aber für die komplexen Gebiete Beteiligungsmanagement, Liegenschaften, Vermögen, Steuern und den BER. "Beim Beteiligungsmanagement muss ich sicherlich viel lernen", sagt Junker, das sei ihr bewusst. Da sei durchaus Kontrolle auszuüben. "Wo das Land Berlin Gesellschafter ist, muss ein Maß an Kontrolle herrschen, etwa zur Frage, ob vertretbare Risiken eingegangen wurden."

Zur Startseite