Die eigene Solaranlage - so geht's

Solaranlage auf dem Dach Ein Familienvater rüstet auf: Ich bin die Energiewende

DIE VORAUSSETZUNGEN

Am Anfang steht der Aufstieg aufs Dach – oder der Blick aus der Luke. Grundsätzlich gilt: Pult- oder Satteldächer eignen sich besonders gut für die Installation. Flachdächer kommen teurer, weil die „Unterkonstruktion“ der Solarpaneele aufwendiger ist, ebenso wie die Fixierung oder Beschwerung derselben. Das Dach sollte gut in Schuss sein. Wenn Antennen, Sat-Schüsseln oder Kamine Schatten werfen auf die Paneele, gleichen Leistungsoptimierer das aus, kosten aber extra. Dachluken oder -öffnungen verringern die nutzbare Fläche. Grob gesagt braucht man zehn Quadratmeter Dachfläche pro Kilowatt-Peak und ab fünf KWp, also 50 Quadratmetern, ist die Wirtschaftlichkeit der Anlage optimal. Wer weniger Platz hat, muss deutlich mehr investieren.

DIE ANBIETER

Wer im Netz nach Solarstrom sucht, findet vor allem viele Portale für Solaranlagen. Diese sammeln Anschriften und Kontaktdaten potenzieller Kunden und verkaufen diese an Handwerker und Betriebe. Dann folgen Hausbesuche und schriftliche Angebote. Das Rüstzeug für den Vergleich liefern Ratgeber der Stiftung Warentest. Ein lesenswertes Update über den Markt, die Kosten von PV-Anlagen und deren Rendite haben die Warentester gerade erst Mitte September vorgelegt. Online liefern sie dazu noch einen praktischen Renditerechner im Excel-Format. Die Warentester raten zu erfahrenen Anbietern mit möglichst vielen Referenzanlagen. Im Idealfall holt man sich Erfahrungen aus erster Hand von einem Kunden des Anbieters.

WAS DAS ALLES KOSTET

Fotovoltaikmodule, ein Montagegestell, Solarkabel, ein Netz-Wechselrichter, der den solaren Gleichstrom in Wechselstrom verwandelt, sowie ein Energy Meter zur Erfassung der Messwerte. Dazu zwei Handvoll Adapter, Anschlüsse, Fixierungen, ein Monteur, ein Elektriker – fertig ist die Solaranlage.

5378 Euro (zuzüglich Mehrwertsteuer) kostete das in unserem Beispiel und bringt eine Leistung von 2,68 Kilowatt (kW).Laut Solaranlagen-Portal kosten Anlagendurchschnittlich 1400 EUR pro kWp, demnach hätten wir nur3752 Euro bezahlen müssen. Aber wir haben wenig Platz, brauchendeshalb bessere, teurere Module und Leistungsoptimierer; außerdem ist die Unterkonstruktion beim Flachdachteurer. Für billige Anlagen(1300 Euro je kWp) errechnet die Stiftung Warentest eine Rendite von 5,6 Prozent (beiBetriebskosten von 1,5 Prozentder Anlage jährlich). Trotzunseres höheren Kaufpreises wären nach der Warentest-Rechnung noch drei Prozent Rendite drin. Unser Lieferant sagt uns eine „wirtschaftliche Amortisationszeit“ von 11,1 Jahre voraus und nach 20 Jahren sollen wir 9444 Eurodurch unsere Stromerzeugung in der Kasse haben.

DIE RENDITE

Speicher oder nicht – das ist die Frage. In unserem Beispielfall kostet der „Akku“ für den Solarstrom noch mal ungefähr so viel wie die ganze Anlage. Holger Freyer, der Chef der Solarwerkstatt, sagt, nach knapp zwölf Jahren sei die Investition bei Anlagen mit Speicher durch Stromeinsparungen wieder drin, ohne Speicher schon nach neun Jahren. Laut Rechnung der Warentester liet die Rendite von Anlagen mit Speicher etwa ein Drittel unter jener von Anlagen ohne Akku. Autark, also überhaupt nicht mehr auf einen Stromversorger angewiesen, ist man aber auch mit Speicher nur theoretisch, weil Verbrauchsspitzen zu Nachtzeiten auch ein riesiges und teures Speichersystem verlangen würden.

DIE STEUERN

Wie hoch die Rendite genau ist, hängt letztlich auch vom Steuersatz ab. Im Solarrechner der Stiftung Warentest ist in der Excel-Tabelle ein Steuersatz von 35 Prozent voreingestellt. Zuvor muss der neu eingestiegene Solarunternehmer den Papierkrieg mit dem Finanzamt gewinnen. Die „unternehmerische Tätigkeit“ muss dem zuständigen Finanzamt per Fragebogen mit gut einem Dutzend Seiten dargelegt werden, dann wird die Steuernummer für den persönlichen „Solarbetrieb“ ins Haus geschickt. Knifflig sind vor allem die Fragen zur Erhebung der Umsatzsteuer und zu deren Verrechnung – zumal ja auch die Einnahmen aus dem Verkauf des überschüssigen Stroms an Stromnetz Berlin verrechnet werden müssen. Auf einen Bierdeckel passte diese Steuererklärung jedenfalls nicht.

FINANZIERUNG UND FÖRDERUNG

Wer eine Geldanlage sucht oder aus Idealismus die Sonne anzapft und dabei was fürs Klima tut, wird vom Staat zwar offiziell unterstützt: „Ihre Förderung besteht aus zwei Teilen: einem zinsgünstigen Kredit der KfW und einem Tilgungszuschuss aus Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft“, schreibt die Förderbank des Bundes und zählt ausdrücklich „Privatpersonen“ zum Kreis der Begünstigten. Wer aber wirklich Mittel einfordern will, bekommt: keinen Cent. Mikrokredite wie im Beispielsfall sind in diesem System nicht vorgesehen. Das liegt daran, dass die KfW selbst keine Anträge auf billige Kredite mit Geldgeschenken (Tilgungszuschuss) des Bundes annimmt. Das erledigen Geschäftsbanken für sie. Aber die verdienen daran nicht oder so wenig, dass sie nur große Projekte bearbeiten. „Es gibt weder eine Verpflichtung der Banken, Förderkredite anzubieten, noch ein Recht des Kreditnehmers auf Vergabe eines Kredits“, heißt es bei der KfW dazu. Und kaum steigen die Versorger (Stadtwerke; Vattenfall) in das Geschäft ein, da will die Bundesregierung in einer Änderung des Energierechts die Förderung drastisch kürzen: von 11,09 auf 8,33 Cent je kWh bei Anlagen mit einer Leistung über 40 kWp. Vielen Mieterstromprojekten drohe damit das Aus, sagt Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop.

DIE ALTERNATIVE

Solarstrom von Dächern kommunaler Mietshäuser kann jeder beziehen. Gasag, Vattenfall und die Stadtwerke Berlin bieten Fotovoltaik für Berliner Haushalte an. Allein die Stadtwerke haben in den vergangenen zweieinhalb Jahren 124 Solaranlagen in Berlin montiert. Wer ein eigenes Haus hat, aber keine Lust, selbst tätig zu werden, kann auch seine Dachfläche für Solaranlagen verpachten. Bei einer Pacht über 20 Jahre bringt das einmalig zwischen 50 und 80 Euro pro Quadratmeter.

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