Schild des LKA Berlin. (Symbolfoto) Foto: Ole Spata dpa/lbn
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Sind Gegner der Corona-Maßnahmen die Täter? Selbstgebauter Sprengsatz explodierte in Berlin-Mitte - LKA ermittelt

Unbekannte zündeten am Sonntag einen Sprengsatz in Mitte. Die Polizei fand ein Bekennerschreiben, in dem unter anderem Neuwahlen gefordert werden.

Sonntagmorgen in Berlin-Mitte. Ab mittags wollen Coronaskeptiker gegen die staatlichen Schutzregeln demonstrieren, in der Nacht sind in Tempelhof-Schöneberg Brandsätze auf ein Gebäude des Robert-Koch-Instituts geworfen worden. Und in der Invalidenstraße, Ecke Chausseestraße hört ein Passant um 9.30 Uhr einen dumpfen Knall: Vor einem Hauseingang explodiert ein Sprengsatz, erzeugt eine Stichflamme, die aber wieder erlischt.

Jetzt ist ein für Rechtsextremismus zuständiges Kommissariat des Landeskriminalamtes (LKA) mit dem Fall betraut. Ermittelt wird, ob Gegner der Anti-Corona-Maßnahmen den selbstgebauten Sprengsatz gelegt haben könnten. Zumindest deutet einiges darauf hin.

Die Gegner der Corona-Regeln radikalisierten sich Hand in Hand mit rechten Verschwörungsideologen immer stärker. Und, so warnen Sicherheitskreise, sie schrecken offenbar auch vor schweren Gewaltakten und Anschlägen nicht mehr zurück.
„Es wurde ein Selbstbezichtigungsschreiben am Tatort gefunden“, sagte ein Sprecher der Berliner Polizei.

Bekennerschreiben mit Drohungen

Ein Zusammenhang mit anderen Fällen wie dem Anschlag auf das RKI würden geprüft. In dem Bekennerschreiben wird mit weiteren Aktionen gedroht, wie der „Spiegel“ berichtet. Die Verfasser fordern demnach die sofortige Einstellung aller Corona-Beschränkungen, den Rücktritt der Bundesregierung und Neuwahlen.

Verletzt wurde niemand, als der Sprengsatz gezündet wurde. Ob er Sprengsatz nur unprofessionell gebaut wurde oder es sich um eine Fehlzündung gehandelt hat, blieb unklar. Laut „Spiegel“ war er mit einem Brandbeschleuniger präpariert und enthielt einen Computer-Akku und mehrere Spraydosen.

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June Tomiak, Verfassungsschutz-Sprecherin der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus, mahnt: „Sprengsätze, Brände, Morddrohungen: Die Zeit der Verharmlosung muss jetzt endlich vorbei sein.“ Die Gegner der Corona-Maßnahmen seien gefährlich.

3000 Menschen bei teils gewaltsamen Protesten gegen Corona-Maßnahmen

Bei dem Corona-Protest am Sonntag versammelten sich in der Spitze bis zu 3000 Menschen in Mitte und Friedrichshain. Darunter auch einzelne Rechtsextremisten, die an der „Stürmung“ der Reichstagstreppen am 29. August beteiligt waren.

Demonstranten durchbrachen zum Teil Polizeiketten und widersetzen sich wiederholt den Demonstrationsauflagen, Abstandsregeln wurden nicht eingehalten, Schutzmasken trug niemand. Vereinzelt gingen die Demonstranten auch gewaltsam gegen Einsatzkräfte der Polizei vor.

So wurde einem Beamten von einem Demonstranten in die Hand gebissen. Die Pressestelle der Berliner Polizei sprach am Montag in einer Mitteilung von 18 verletzten Polizisten.

Auch beim Anschlag auf die Außenstelle des RKI schließt der Staatsschutz des Landeskriminalamtes einen politischen Hintergrund nicht aus. Das RKI und sein Leiter Lothar Wiehler gehören zu grundsätzlichen Feindbildern von Verschwörungstheoretikern und Leugnern der Corona-Pandemie. Durch die Brandsätze wurde die Fassade beschädigt und ein Fenster ging zu Bruch.

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