Blick in einen Klassenraum Foto: dpa/Caroline Seidel
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Schulen in Berlin Wo Berlins Schüler in Zukunft lernen sollen

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Nie wieder lange Flure, sondern mehr Raum für Pädagogik: Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres will moderne Lernorte mit viel Platz auch zur Begegnung schaffen.

Man kennt das: Ellenlange Flure mit verstaubten Grünpflanzen und ein paar Sportpokalen im ramponierten Schaukasten. Da muss man durch – um in einen beliebigen Klassenraum zu gelangen. Kein Ort zum Verweilen – genauso wenig wie die Mensa, die so klein ist, dass man gleich wieder weg will. Die Schule der Zukunft sieht anders aus.

Wie sie aussehen könnte, steht seit Mittwoch fest: Da präsentierte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) das neue Musterraumprogramm, das die Richtschnur seien soll für die aktuell zu bauenden 50 Schulen. Noch in diesem Jahr sollen die Wettbewerbe starten, ab 2021 könnten die ersten modernen Lernorte ans Netz gehen. Auch bei „Großsanierungsfällen“ – den maroden Schulen, bei denen kein Stein auf dem anderen bleibt – sollen die neuen Leitlinien greifen, erwartet die Senatorin.

Im Mittelpunkt des neuen Konzepts steht das Ziel, mehr Platz zu schaffen – für die Pädagogik, aber auch für die Begegnung. An die Stelle der besagten langen Flure tritt daher das „Forum“ – ein großer Raum, zu dem sich alle Klassenzimmer öffnen. Dort kann „in Kleingruppen arbeiten, aber auch rumlümmeln, oder der Klassenrat kann hier tagen“, umschreibt Scheeres die Bandbreite der Möglichkeiten. Jede Schule kann dann entscheiden, ob sie hier Sitzkissen platziert oder ein paar Sessel oder einen langen Tisch mit vielen Stühlen. Die Toiletten sollen direkt angegliedert werden, sodass die Schüler auch hier kurze Wege hätten.

Die Schulen werden größer

Der Fortschritt schlägt sich auch in Quadratmeterzahlen nieder: Pro Grundschüler wächst die pädagogische Nutzfläche von 5,8 Quadratmeter auf 7,4. Bei den Sekundarschülern geht es von knapp sieben auf knapp neun Quadratmeter. Anders ausgedrückt: Insgesamt wird eine Grundschule künftig fast zehn Prozent größer sein, eine Sekundarschule sogar 13 Prozent, rechnet Scheeres’ neuer Referatsleiter für den Schulbau, Harald Meergans, vor. Die pädagogische Nutzfläche wächst demnach sogar um ein Viertel, während künftig auf riesige Bücherlagerflächen verzichtet wird. Die Bücher sollen dann vor allem in der Bibliothek zu finden sein, die auch einen digitalen Bereich enthalten soll. Als entscheidender Beitrag zur Digitalisierung werden alle Unterrichtsräume „strukturiert vernetzt“ – mit Anschlüssen für die Lehrer und für Schülerarbeitsplätze.

Auch die Pädagogen profitieren vom neuen Musterraumprogramm. Die Zeiten, in denen sie sich in winzigen Lehrerzimmern herumdrücken mussten, sollen – jedenfalls in den neuen Schulen – vorbei sein. Sie erhalten individuelle Arbeitsplätze. Es soll auch feste Räume für die anderen pädagogischen Mitarbeiter wie etwa die Kräfte für die Berufs- und Studienorientierung geben, die bislang in den Schulen hin- und hergeschickt werden.

Die vergrößerten Mensen bringen den Vorteil, dass nicht mehr in fünf Schichten gegessen werden muss, sondern nur noch in drei Schichten. Dadurch haben alle Schüler und Lehrer mehr Zeit zum Essen, betonte Roger Gapp, der in der Bildungsverwaltung für das neuen Raumprogramm zuständig ist. Zudem sollen die Küchen um „Gemüseputzstrecken“ vergrößert werden damit der Frischeanteil am Mittagessen erhöht werden kann. Der Mehrzweckraum – die frühere Aula, wird sich neben der Mensa befinden, sodass beide Räume zusammengenommen genug Platz bieten – etwa bei großen Veranstaltungen.

Drei neue Lernwerkstätten

Komplettiert wird die neue Grundschule durch drei neue Lernwerkstätten. Dazu gehört eine Werkstatt für alle Naturwissenschaften, eine für den Bereich „Kochen und gesunde Ernährung“ sowie für den Bereich „Kreativität“. Zu jedem Kunstraum soll künftig auch ein Brennofen gehören, damit die Schüler sich auch mit Keramik beschäftigen können.

Landeselternsprecher Norbert Heise, der seit Jahren regen Anteil an den Diskussionen um die neue Raumstruktur genommen und auch in der Facharbeitsgruppe mitgewirkt hatte, lobte das Musterprogramm ausdrücklich. Jetzt warte man gespannt auf den Architektenwettbewerb. „Wir verbinden damit den Wunsch, dass es Ergebnisse geben wird, in denen sich die Pädagogik der Zukunft wiederfindet“, sagte Heise. Die Entwurfe sollten „durchdacht, schnell umsetzbar und wirtschaftlich“ sein.

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