Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland

Berlin ist das einzige Bundesland, das Schulleiter nicht verbeamtet

Lehrermangel Mehr als 60 Schulleiter-Stellen in Berlin unbesetzt

Auch an den Gymnasien ist der Mangel an Schulleitern absehbar. Immer häufiger wechseln Schulleiter zum Beispiel in die Referendarsausbildung. „Früher war ein solcher Wechsel die Ausnahme“, sagt Ralf Treptow vom Verband der Oberstudiendirektoren. Eine Ursache für den häufigeren Wechsel sieht er in den gestiegenen und immer komplexeren Leitungsaufgaben. Eine 60- bis 70-Stunden-Woche sei üblich für Schulleiter, sagt Treptow. In den kommenden Jahren müssen angesichts der großen Pensionierungswelle sehr viele Referendare ausgebildet werden. Das dürfte den Trend verstärken, schätzt Treptow.

Leitungsjob wenig attraktiv

Für angestellte Lehrer, die nicht mehr verbeamtet sind, verliert der Leitungsjob am Gymnasium auch deshalb an Attraktivität, weil es keine dem Beamtensold A 16 entsprechende Tarifgruppe gibt. Berlin sei das einzige Bundesland, das die Schulleiter nicht verbeamtet, so Treptow. In Sachsen werden wie in Berlin Lehrer nicht mehr verbeamtet. Selbst dort haben die Schulleiter Beamtenstatus. Einer der ersten angestellten Berliner Schulleiter, Andreas Steiner vom Friedrichshainer Andreas-Gymnasium, hat deswegen gegen die Schulverwaltung prozessiert – und in zwei Instanzen gewonnen. Er muss mehr Geld bekommen, wie viel ist noch nicht klar. Abschließend wird das Bundesarbeitsgericht entscheiden.

„Keine Schule ist führungslos“, sagt die Sprecherin der Schulverwaltung. Überall würden zumindest kommissarische Leiter eingesetzt. Auch sei Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) den Rektoren und Konrektoren entgegen gekommen und habe die Unterrichtsverpflichtung reduziert. Das reiche aber nicht aus, sagt Inge Hirschmann, zu viele neue Aufgaben seien in den vergangenen zehn Jahren hinzugekommen. Sie wünscht sich mehr Unterstützung, zum Beispiel durch einen Verwaltungsleiter, der ihr die Buchhaltung abnehmen und juristische Kenntnisse mitbringen würde.

Hamburg als Vorbild für mehr Flexibilität

Im Koalitionsvertrag hatten SPD und CDU angekündigt, Schulleitungen von administrativen Aufgaben zu entlasten. Demnächst sollen 24 Verwaltungsleiter in Schulen eingesetzt werden, zwei pro Bezirk. Ob auch Inge Hirschmann Hilfe zuteil wird, ist noch nicht klar. Zurzeit wird in der Senatsverwaltung über die Verteilung der 24 neuen Verwaltungsleiter gerungen.

„Viele Schulleiter wünschen sich flexiblere Arbeitszeitmodelle, um die Leitungsaufgaben mit dem Unterrichten neu zu verbinden“, sagt Stefan Brauckmann vom DIPF. Ein Beispiel hierfür sei das Modell in Hamburg. Dort entscheiden Schulleiter selbst über den Umfang des Unterrichts, den sie halten.

Zur Startseite