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Runter damit! Berlin will schnell zurück zum Präsenzunterricht. Foto: imago images/Rolf Kremming
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Schnelle Rückkehr in die Klassen Die Schulöffnungen in Berlin sind abenteuerlich

Während auch Kinder privat nur noch eine Person treffen dürfen, können die Jugendlichen in der Kantinen zusammensitzen – ein fatales Signal. Ein Kommentar.

Abenteuerlich ist in Berlin so einiges – zumindest mal gewesen in präpandemischen Partyzeiten. Derzeit allerdings hat hier kaum jemand Lust auf Abenteuer, das galt kürzlich auch noch für den Regierenden Bürgermeister.

„So ein Abenteuer will ja im Moment auch kein Ministerpräsident eingehen, dass alle Erfolge, die wir uns nun mühsam erarbeitet haben in den letzten Wochen wieder in Frage gestellt werden durch ein zu frühes Öffnen der Schulen“, sagte Michael Müller am Dienstagabend im ZDF.

Er wiederholte das sinngemäß am Mittwochfrüh in der ARD – und schickte wenige Stunden später mit seiner SPD-Kollegin Sandra Scheeres 100.000 Schülerinnen und Schüler ab Montag, 11. Januar, wieder in den Präsenzunterricht.

Am 18. Januar sollen die Grundschulen in halben Klassen folgen, und so fort... Leckerer Zusatz: „Es kann ein Mittagessen angeboten werden.“

Während auch Kinder ab Sonntag privat nur noch eine Person treffen dürfen (Ausnahme: Alleinerziehende), werden sich die Jugendlichen ab Montag in den Schulkantinen und davor munter mischen – und das, obwohl Kultursenator Klaus Lederer (Linke) zugleich erläuterte, man könne die Weihnachtsfolgen erst ab dem 16. Januar beurteilen.

Berlin öffnet bundesweit am schnellsten und am weitgehendsten

Damit steht Berlin bundesweit recht einsam da, mit manchen Ausnahmen wie Niedersachsen und Bremen, wo Schulsenatorin Claudia Bogedan (SPD) zwar die Präsenzpflicht aussetzt, Eltern aber rät, ihre Kinder zur Grundschule zu schicken, Zitat: „Ich übernehme die Verantwortung gerne.“

Für die Gesundheit von Kindern und Angehörigen? Für die wirtschaftlichen Folgen eines Longtime-Light-Lockdowns?

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Dass eine Schulsenatorin in dieser Situation wenig richtig machen kann, ist völlig klar: Kaum eine Abwägung ist so vielschichtig wie die zwischen den sozialen Interessen der Kinder und der Verbreitung des Virus.

Immerhin wurden nach zehn Monaten die ersten Luftfilter geliefert

Doch wenn der Eindruck entsteht, dass der Präsenzunterricht vor allem sein muss, weil es auch nach den dritten Pandemieferien nicht gelungen ist, eine brauchbare Lernplattform bereitzustellen und Lehrkräfte in vielen Schulen noch immer nicht gleichzeitig online gehen können, dann ist diese schnelle Öffnung ein fatales Signal.

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Stattdessen werden nun hilflos iPads verteilt, auf denen die gelangweilten Schüler daddeln können, während sie warten, dass der Lernraum wieder lädt. Immerhin wurden nun nach zehn Monaten endlich die ersten Luftfilter geliefert.

Abenteurer Müller wundert sich derweil, dass auf den Straßen viel mehr los ist als im März-Lockdown – nach Entscheidungen wie diesen, ist er da vermutlich der einzige.

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