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Sich das Gemeinwohl schmecken lassen. Die Quartiermeister-Crew ist erfolgreich unterwegs - nicht nur auf der Spree. Foto: Quartiermeister
© Quartiermeister

Quartiermeister-Brauerei Zum Wohle aller

Der gemeinnützige Bierbrauer aus Berlin-Kreuzberg gründet eine Stiftung - um das Gemeinwohl-Engagement zu sichern

Die ehemalige Hausbesetzerin Ariane ist der Kopf auf dem Etikett des Bio-Rotbiers, und Talu, der sich für soziale Nachbarschaftsprojekte einsetzt, findet sich auf dem Etikett für das Radler. So bewirbt die Kreuzberger Brauerei Quartiermeister seine diversen Sorten. Hinzugekommen ist bei der ganz besonderen Brauerei nun auch Susi Sendling. Die Münchener Drag Queen ziert das Etikett des Bio-Weizens (ein Interview gibt es auf quartiermeister.org). Seit Jahren setzt sie sich ehrenamtlich im Sub e.V. – einem schwulen Kommunikationszentrum in München – für mehr öffentliche Wahrnehmung der queeren Szene ein.

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All diese Menschen, so das Unternehmen mit Sitz in der Kreuzberger Oranienstraße, stehen für eine bunte, offene und diverse Gesellschaft – also das, wofür sich die Quartiermeister*innen einsetzen. Deswegen werden die Biersorten schon seit 2017 gegendert. Und auch mit dem Gewinn des stetig wachsenden Unternehmens, dessen Biere bei Rewe, Edeka, Bio Company, Denn’s und vielen anderen Läden zu finden ist, wird anders umgegangen. Seit Jahren fördert die Brauerei soziale und kulturelle Projekte. Über 190 Projekte in der Region wurden schon mit mehr als 200.000 Euro unterstützt.
Nun geht das gemeinwohlbilanzierte Unternehmen, das als ehrenamtliches Projekt anfing, noch einen Schritt weiter. „Mission zum Wohle aller für immer gesichert und auf ewig unveräußerbar“, lautet das Motto der Bierbrauer. Sie haben ihre eigene Stiftung gegründet. Die Quartiermeister Stiftung ist fortan Inhaberin der Marke Quartiermeister und koppelt durch ihren gemeinnützigen Satzungszweck die Nutzung der Marke an ein festgeschriebenes, gemeinwohlorientiertes Engagement. „Unabhängig davon, welche Personen im Unternehmen entscheiden, wird der Sinn und Zweck des Unternehmens – nämlich die Unterstützung sozialer Projekte durch unser wirtschaftliches Handeln – dauerhaft sichergestellt. Der Schritt, die Markenrechte an unsere gemeinnützige Unternehmensgesellschaft zu übertragen, hilft uns dabei, unsere Mission vertraglich zu schützen, auch wenn wir einmal nicht mehr selbst Geschäftsführer sind“, so David Griedelbach, Mitgründer und Geschäftsführer der Quartiermeister GmbH.
Um Transport- und Lieferwege möglichst kurz zu halten und regionale Rohstoffe zu verwenden, wird das Bier für Ostdeutschland in der familiengeführten Stadtbrauerei Wittichenau in der Oberlausitz und für den Süden durch die Genossenschaftsbrauerei Gut Forsting bei München produziert. Bei der Herstellung achtet Quartiermeister auf ökologisch produzierte Rohstoffe und umweltfreundliche Produktionsbedingungen sowie Ökostrom. Über alle Projekte erfährt man mehr auf der Webseite der Quartiermeister*innen. Transparenz auf allen Ebenen ist ihnen wichtig – auch was die eigenen Geschäfte angeht. Alle drei Monate werden die Einnahmen, Ausgaben und Gehälter veröffentlicht. Außerdem unterzieht sich das Unternehmen als einziger Betrieb der Branche einer Gemeinwohlökonomie-Zertifizierung. Dabei werden alle Faktoren von ökologischer Nachhaltigkeit, sozialer Gerechtigkeit, innerbetrieblicher Demokratie, Arbeitsplatzqualität und Gleichstellung sowie einer gerechten Einkommensverteilung überprüft.
„Wir postulieren eine Wirtschaftsordnung jenseits von Profitmaximierung, Ausbeutung und Wachstumszwang“, heißt es auf der Webseite über die Vision der Bierbrauer*innen. Mit dem Modell des Verantwortungseigentums wird eine besondere Eigentumsstruktur immer populärer, die Sozialunternehmen wie Quartiermeister nutzen, um ihre soziale Ausrichtung auf Dauer sicher zu stellen. Ob es demnächst dafür eine eigene Rechtsform mit gebundenem Vermögen geben wird, darüber will die Ampel-Regierung laut Koalitionsvertrag in dieser Legislaturperiode entscheiden. „Es ist an der Zeit, dass ein breites gesellschaftliches Umdenken stattfindet: Unternehmen müssen Verantwortung übernehmen und zu glaubwürdigen Akteuren bei der Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen werden“, sagt Sebastian Jacob, Gründer und Ideengeber von Quartiermeister und Geschäftsführer der Quartiermeister Stiftung.

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