Besonders an Baustellen kann es oft gefährlich werden. Foto: Jörn Hasselmann
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Projekt #Gefahrenmelder Wie der Wahnsinn auf Berlins Straßen gestoppt werden kann

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Rücksichtslose Falschparker, groteske Baustellen: Tagesspiegel-Leser berichten von vielen Gefahrenstellen im Berliner Verkehr. Die größten Gefahren – und wie die Verkehrsverwaltung reagiert.

Es scheint, als wäre nach den tödlichen Unfällen zweier Kinder und dem Video eines haarscharf an zwei Radfahrern vorbeiziehenden Lastwagens ein Nerv getroffen worden: Massenhaft melden Berliner lebensgefährliche Stellen im Berliner Straßenverkehr, nachdem der Tagesspiegel und der Newsletter Checkpoint dazu aufgerufen haben.

In vielen Fällen geht es um rücksichtslose Falschparker, die Radwege und Fußgängerfurten blockieren und an Kreuzungen allen anderen die Sicht nehmen. Doch ähnlich häufig werden Infrastrukturmängel gemeldet, die die Beteiligten unnötig in Gefahr bringen: scharf abknickende, abrupt endende Radwege, irritierende Verkehrsführungen, schlampig beschilderte Baustellen.

Wie viele der mehr als 143.000 von der Berliner Polizei 2017 erfassten Verkehrsunfälle durch solche Mängel begünstigt wurden, ist statistisch nicht erfasst. Bekannt ist jedoch, dass stadtweit rund 1500 „Unfallhäufungsstellen“ existieren, von denen etwa ein Drittel seit vielen Jahren auf der Liste stehen.

Das Mobilitätsgesetz will alles besser machen

Beseitigt wurde bisher kaum ein Dutzend davon pro Jahr. Das soll sich dank dem Mobilitätsgesetz bald ändern, denn das sieht vor, in diesem Jahr zehn, im nächsten 20 und vom übernächsten Jahr an jeweils 30 gefährliche Kreuzungen zu entschärfen. Und schon jetzt wird laut Verkehrsverwaltung die ebenfalls neue Regelung praktiziert, dass nach tödlichen Unfällen „unverzüglich geprüft werden soll“, ob sich der jeweilige Knoten entschärfen lässt. Dasselbe gelte nach Unfällen mit Schwerverletzten an bereits bekannten Brennpunkten.

Besonders mangelhaft ist die Infrastruktur für Radfahrer, die teils marode und teils von vornherein entgegen technischen Regelwerken errichtet worden ist. Für Verbesserungen und Neubauten für den Radverkehr stehen laut Verkehrsverwaltung im aktuellen Doppelhaushalt 103 Millionen Euro zur Verfügung. Häufigste Unfallursache überhaupt sind Abbiegefehler, die schlimmstenfalls so enden wie am vergangenen Mittwoch, als ein rechts abbiegender Lkw einen Achtjährigen überrollte, der zur gleichen Zeit ebenfalls bei Grün geradeaus fuhr.

Die Ampelphasen generell zu trennen, erwägt die Verwaltung auch nach diesem Unfall nicht: Sehr häufig dürften Radfahrer die Fahrbahn benutzen, sodass für sie das Kfz-Signal gelte. In Einzelfällen könnten die Ampelphasen separiert, in anderen die Radfahrer links neben die Rechtsabbieger sortiert werden. „Beim Ausbau der Radinfrastruktur werden all diese Fragen eine große Rolle spielen“, heißt es in der Verwaltung. Und: „Bei der Einrichtung von Baustellen wird künftig verstärkt auf den Radverkehr geachtet.“ Die vielen eingegangenen Hinweise zu diesem Thema zeigen, wie viel Luft nach oben bei diesem Thema ist.

Senden Sie Ihre Fotos mit Ortsangabe an checkpoint@tagesspiegel.de oder twittern Sie sie; Hashtag #Gefahrenmelder.

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