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Preise in Euro, nicht Mark: Bei den aktuellen Benzinpreisen machen Autofahrer große Augen. Foto: REUTERS/Wolfgang Rattay
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Preissprung durch Ukraine-Krieg Brandenburgs Wirtschaft leidet unter hohen Energiekosten

Benzin und Gas werden immer teurer. Spediteure trifft es hart, für die Ernährungsbranche kommen steigende Weizenpreise hinzu. Politiker fordern Entlastungen.

In den sozialen Netzwerken nehmen die Bilder gerade Überhand: Autofahrer fotografieren die Preise von Zapfsäulen. Vor allem die auf weit über zwei Euro pro Liter gestiegenen Dieselpreise lösen Empörung aus.

Auch die Wirtschaft in der Region ist von den kriegsbedingten Preiserhöhungen für Benzin und Gas getroffen. „Von der derzeitigen Situation besonders betroffen sind Unternehmen, die sehr energieintensiv produzieren“, sagt der Abteilungsleiter für Energiepolitik der Unternehmerverbände Berlin-Brandenburg, Burkhard Rhein. Das betreffe etwa Maschinenbau, chemische Industrie oder Kunststoffverarbeitung.

„Wer sich eine Fritz-Box kauft, kauft ein Gehäuse, das aus Spritzguss hergestellt wurde“, sagt Rhein. „Dafür wurde ein Kunststoffgranulat bei 200 bis 400 Grad geschmolzen und in Form gepresst.“ Solche Produktionsprozesse benötigten große Mengen an Energie. „Ein anderes Beispiel sind Backwarenhersteller, die Dauerbackwaren oder Kekse produzieren. Ihnen machen die steigenden Weizenpreise ebenso zu schaffen wie die steigenden Energiekosten.“

Zumal viele Unternehmen die Kosten nicht an ihre Kunden weitergeben können. „Wer in der Bauwirtschaft tätig ist, hat dazu vielleicht eine Chance“, sagt Rhein. Das hänge auch mit der steigenden Nachfrage nach Bauleistungen zusammen. „Wer in der Ernährungsindustrie tätig ist, wo ein sehr stark konzentrierter Handel aus drei oder vier Konzernen den Markt abdeckt, hat dagegen schlechte Karten.“. Ein mittelständisches Unternehmen befinde sich in einer sehr schlechten Verhandlungsposition, wenn es seine Preise gegenüber Aldi, Lidl, Rewe oder Edeka durchsetzen wolle. „Der Staat sollte die Unternehmen hier entlasten“, fordert Rhein.

„Die Kosten erhöhen sich, die Preise bleiben aber gleich“

Noch schlimmer ist die Situation im Transportgewerbe, sagt Gerd Bretschneider, Geschäftsführer der Fuhrgewerbe-Innung. Seinem Verband gehören in Brandenburg und Berlin knapp 400 Betriebe des Güterkraftverkehrs und rund 100 Personenverkehrsunternehmen an.

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„Die Kosten erhöhen sich, die Preise bleiben aber gleich“, sagt Bretschneider. „Wer als Spedition einen festen Vertrag mit einem Auftraggeber hat, hat es schwer, steigende Preise durchzusetzen.“ Doch im Fernverkehr betrage der Anteil der Kraftstoffkosten an den Gesamtkosten zwischen 25 und 35 Prozent. Wenn der Preis des Diesels um 30 bis 50 Prozent steigt, entsteht ein erheblicher Kosteneffekt.

CDU: „Wir brauchen eine Senkung der Mineralölsteuer“

In der Brandenburger Landespolitik mehren sich Forderungen nach Steuersenkungen. „Wir brauchen eine Senkung der Mineralölsteuer“, sagt der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses des Brandenburger Landtags, der Abgeordnete Frank Bommert (CDU). Der Inhaber einer Metallbaufirma im Kreis Oberhavel gehört auch dem Vorstand der Handwerkskammer Potsdam an. „Wir sind im Moment stark mit Werkstattarbeit beschäftigt“, sagt Bommert. „Aber sobald wir wieder auf die Baustelle fahren, werden wir die höheren Spritkosten jeden Tag spüren.“

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Dazu kennt Bommert Spediteure, die mit Festverträgen unterwegs sind. „Die kommen da nicht raus“, sagt Bommert. „Kein Mensch rechnet bei einem Vertragsabschluss damit, dass sich während der Vertragslaufzeit die Kraftstoffpreise derart erhöhen.“

Auch der SPD-Landtagsabgeordnete Helmut Barthel sprach sich dafür aus, kurzfristig die Steuern auf Kraftstoffe und Erdgas zu senken. „Von der Bundesregierung muss deswegen schnell ein Beschluss zur Notlage gefasst werden“, sagte Barthel. Ansonsten sei man schnell im Bereich verbotenen Beihilfen.

Linke will Mehrwertsteuer senken - wegen der Pendler

Eine Senkung der Mehrwertsteuer fordert dagegen der Landtagsabgeordnete der Linken, Andreas Büttner. Der Politiker aus Templin denkt weniger an Unternehmen, sondern vor allem an Pendler. „19 Prozent sind bei diesen Preisen längst nicht mehr zu rechtfertigen, zumal der Staatshaushalt seit Monaten von höheren Einnahmen profitiert“, sagte Büttner. Nötig seien aber auch Soforthilfen für kleine und mittelgroße Betriebe, die unter den Energiepreisen besonders zu leiden hätten.

Ein Maßnahmenpaket forderte am Freitag auch der Brandenburger Handwerkskammertag. „Pandemiebeschränkungen, Materialpreissteigerungen, hohe Energiekosten und drastisch gestiegene Kraftstoffpreise belasten die gesamte Wirtschaft in Deutschland“, sagte dessen Präsident Robert Wüst. „Viele Unternehmen bleiben auf einem Großteil der Teuerungen sitzen.“

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