Die Kinderonkologie der Charité nimmt bis nächste Woche keine Patienten mehr auf. Wolfgang Kumm / dpa
© Wolfgang Kumm / dpa

Personalmangel in Berliner Kliniken "Wir bräuchten 100 neue Pflegekräfte"

Die Kinderonkologie der Charité bleibt vorerst geschlossen, neue Patienten kommen nach Cottbus. Überall in Berlin werden Pflegekräfte und Ärzte gesucht.

In Berlins Kliniken herrscht Personalnot – und das betrifft Pflegekräfte wie auch Mediziner. „Wir bräuchten für unsere Stationen 100 neue Pflegekräfte – doch der Arbeitsmarkt ist leer“, sagte der Ärztliche Direktor der Charité, Ulrich Frei, dem Tagesspiegel. Zu Wochenbeginn hatte die Universitätsklinik ihr Kinderkrebszentrum auf dem Weddinger Virchow-Campus für neue Patienten geschlossen: In der Kinderonkologie sind zehn von 50 Stellen unbesetzt. Vor Weihnachten werde der Stopp aufgehoben.

Bis zu 9000 Euro Prämie für spezialisierte Pflegekräfte

Auch andere Krankenhäuser suchen Personal. Die ebenfalls landeseigenen Vivantes-Kliniken lobten Prämien aus: 3000 Euro Prämie für Berufsanfänger, 9000 Euro sind für diejenigen möglich, die eine Fachweiterbildung für Intensivstationen absolviert haben. Je nach Klinik erhalten Pflegekräfte circa 2800 Euro Vollzeitbrutto Einstiegsgehalt.

Bundesminister für Gesundheit, Jens Spahn (CDU), weitet die Personalvorgaben für Kliniken aus. Kay Nietfeld/dpa Vergrößern
Bundesminister für Gesundheit, Jens Spahn (CDU), weitet die Personalvorgaben für Kliniken aus. © Kay Nietfeld/dpa

Auch Ärzte diskutieren über Personalmangel. Der Marburger Bund will dazu am Montag eine Umfrage veröffentlichen. Vorab wurde bekannt, dass Klinikärzte in der Region demnach im Schnitt 50 Stunden pro Woche arbeiten. Personalmangel und lange Dienste allein führten zu einer „Verunsicherung“, hieß es. Ebenfalls Montag wird sich Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) zur Lage äußern. Kalayci möchte sich im Bundesrat für ein Verbot von Leiharbeit in der Pflege einsetzen, um die hohe Fluktuation in der Branche einzudämmen.

Aufnahmestopp in den Stationen ist üblich

Charité-Direktor Frei sagte, nach wie vor würden Kinder untersucht, wenn es den akuten Verdacht auf einen bösartigen Tumor gebe – die Behandlung fände aber woanders statt. Kinder aus Berlins Norden werden im Kinderkrebszentrum Buch versorgt, aus dem Süden im Cottbusser Carl-Thiem-Klinikum. Die Gespräche dazu hätten schon im November stattgefunden, sagte die Direktorin Christina Rogalski dem Tagesspiegel.

Dass Stationen vorübergehend keine Patienten aufnehmen, ist üblich – so soll verhindert werden, dass Personalnot zu Behandlungsfehlern führt. Inzwischen gelten auf vielen Stationen strengere Personalvorgaben, weshalb es öfter zu Aufnahmestopps kommen dürfte.

Die Berliner Krankenhausgesellschaft hatte kürzlich zum Protest gerufen - die Kliniken bräuchten mehr Geld für Modernisierungen. Hannes Heine Vergrößern
Die Berliner Krankenhausgesellschaft hatte kürzlich zum Protest gerufen - die Kliniken bräuchten mehr Geld für Modernisierungen. © Hannes Heine

Die Charité war die erste Klinik, die sich verpflichtet hatte, solche Personalschlüssel einzuhalten. So soll eine Intensiv-Pflegekraft pro Schicht für maximal zwei Patienten da sein. Inzwischen gibt es Bundesvorgaben, die Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für 2020 auf Herzchirurgie- und Neurologie-Abteilungen ausweitet.

Private Spenden sollen den Krebsstationen helfen

Bundesweit gibt es circa 50 Kinderonkologien, teilte die Deutsche Kinderkrebsstiftung mit. Geschäftsführer Jens Kort sprach im Frühjahr mit Spahn über eine „chronische Unterfinanzierung“ der Stationen. Die 25 000 Mitglieder der Stiftung würden pro Jahr hochgerechnet 16 Millionen Euro spenden, um die Kliniken besser auszustatten. Der Verein „Kinderleben“ hatte angekündigt, die Charité- Kinderkrebsstation zu fördern, wie er es auch schon in den vergangenen Jahren tat.

Der Senat möchte Berlin zu einer führenden Medizinmetropole ausbauen. Bürgermeister Michael Müller (SPD) will, dass Charité und Vivantes gemeinsam eine Ausbildungsakademie errichten. Verhandlungen zum Areal laufen. Berlins Kliniken hatten zuletzt Pflegekräfte aus Albanien, Mexiko und Vietnam angeworben.

Zur Startseite