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Neue Vorwürfe gegen Berliner Ballettschule Schülerin soll zu Einnahme von Abführmitteln genötigt worden sein

Immer wieder gibt es gegen die Staatliche Ballettschule Vorwürfe. Ein Schüler berichtet nun, Lehrer hätten zur Einnahme von Abführmitteln genötigt.

Die Rolle des Anklägers übernahm Miguel Góngora. Der Landesschülersprecher formulierte die Vorwürfe, die ihm Schülervertreter der Staatlichen Ballett- und Artistikschule in Namen diverser Schülerinnen und Schüler mitgeteilt hätten. Es ging um sexuelle Belästigung, sexistische Sprüche, Mobbing, massiven Druck und diskriminierende Sprache. Alle Beschuldigten sind aktuelle oder ehemalige Lehrer.

Die Schüler, sagte der 17-jährige Góngora am Dienstag bei einem Pressegespräch, trauten sich nicht selber an die Öffentlichkeit, weil sie ansonsten Nachteile befürchteten. Deshalb spreche er für sie. Vorwürfe gegen die Schule gibt es schon länger, auch die Themenbereiche, die Góngora ansprach, waren durchaus bekannt. Aber einige Details waren neu.

So soll ein Lehrer ein sexuelles Verhältnis mit einer damals minderjährigen Schülerin gehabt haben. Als Beleg zitierte Góngora die Aussage einer Bekannten des Lehrers, die von dem Verhältnis gewusst habe. Auch sollen Lehrer Schülerinnen nicht bloß gefragt haben, ob sie die Pille nähmen, sondern ihnen auch den Gebrauch untersagt haben. Begründung: Durch die Einnahme würden sie ein breites Becken bekommen.

Ein Lehrer habe Schülerinnen und Schüler sexuell belästigt, in dem er ihnen unter anderem „im Vorbeigehen“ an den Po gegriffen habe. Auf jeden Fall habe die Körperberührung nicht bei der Korrektur einer Körperhaltung oder bei einer Hilfestellung stattgefunden.
Góngora erzählte auch ein Beispiel, das er selber von einer ehemaligen Ballettschülerin gehört habe. Sie habe sich auf Druck von einem Lehrer operativ die Ohren verkleinern lassen. Der Lehrer habe ihr bedeutet, dass sie mit ihren großen Ohren „nicht auf die Bühne gehöre“.

Schülerin soll zur Einnahme von Abführmitteln gedrängt worden sein

Schülerinnen und Schüler fühlten sich auch gedemütigt, wenn sie sich vor Lehrerinnen oder Lehrern bis auf die Unterwäsche ausziehen müssten, bevor sie gewogen würden. Der Druck, das vermeintlich richtige Körpergewicht zu halten, führe zu Magersucht und Essstörungen. Eine Schülerin sei am Vortag einer Aufführung zur Einnahme eines Abführmittels genötigt worden. Dies hätten, sagte Góngora, vier Schüler bestätigt.

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Philipa Foteva, die von 2013 bis 2017 an der Schule Unterricht gehabt hatte, saß zwar bei dem Gespräch dabei, konnte aber die Vorwürfe aus eigener Erfahrung nicht bestätigen. Sie konnte sich auch an keine Beleidigungen gegenüber Schülerinnen und Schülern erinnern.

Die 17-Jährige beklagte aber, dass die Schule früh Kinder aufnehme, die erkennbar nicht für eine spätere Laufbahn geeignet seien. Von der Leitung der Ballettschule war bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe keine Stellungnahme zu erhalten.

Schulleiter und Landesjugendballettleiter wurden freigestellt

Aufgrund der massiven Vorwürfe sind bereits vor Wochen der Schulleiter Ralf Stabel und Gregor Seyffert, Leiter des Landesjugendballetts, freigestellt worden. Eine Expertenkommission und eine Clearingstelle untersuchen die Vorwürfe beziehungsweise sollen ein neues Konzept für die Schule ausarbeiten.

Ein Sprecher der Bildungsverwaltung sagte: „Wir nehmen die Vorwürfe sehr ernst und haben bereits vor Monaten die Kommission und die unabhängige Clearing-Stelle eingerichtet, um die komplexen Vorgänge vorbehaltlos aufzuklären. Dort wird sehr intensiv gearbeitet. Die Aufklärung erfolgt nach dem Prinzip ‚Sorgfalt geht vor Schnelligkeit’, erste Zwischenberichte sollen nach Ostern vorliegen. Zudem gilt: Wer von strafrechtlich relevanten Vorgängen Kenntnis hat, muss diese anzeigen.“

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