Vorbildlich: Auf drei Autoparkplätze passen eine Masse Fahrräder, wie hier am Rathaus Schöneberg Foto: Jörn Hasselmann
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Mehrere Bezirke haben keinen Überblick Berliner Senat will Fahrradbügel zählen

Der Senat will eine Firma beauftragen, an 20 Bahnhöfen das Fahrradparken zu analysieren. Dass Ständer in Berlin fehlen, weiß aber jeder.

Gut 330 Stationen hat das Berliner S- und U-Bahn-Netz. Für genau 20 davon möchte der Senat jetzt wissen, wie viele Fahrradständer dort gebaut werden können. Die senatseigene „Infravelo“-Gesellschaft sucht per Ausschreibung ein Planungsbüro, das dies ermitteln soll. Genannt werden 20 größere Stationen, zum Beispiel Hauptbahnhof, Eberswalder Straße, Nikolassee, Lichtenberg, Altstadt Spandau und Mehringdamm. Vorhandene Ständer sollen gezählt und deren Nutzer befragt werden. Und es soll berechnet werden, wie viele weitere Ständer in einem 100-Meter-Radius um die Station entstehen könnten. Dann soll, auch durch Umfragen unter Radfahrern, errechnet werden, wie der Bedarf im Jahr 2030 aussehen könnte. Der Auftrag soll bis Ende Februar bewältigt sein.

Schneller und vor allem billiger wäre es, wenn sich Berlin an der vom Bundesumweltministerium geförderten Initiative bike+ride der Deutschen Bahn beteiligen würde. Der Bund übernimmt 40 Prozent der Kosten, 100 000

neue Fahrradstellplätze sollen bis Ende 2022 bundesweit gebaut werden. Die Nachrichtenagentur dpa hatte in dieser Woche berichtet, dass die vier Länder Bayern, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Hessen Anträge gestellt haben. Der Sprecher von Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) war am Sonnabend nicht zu erreichen, um zu erfahren, ob Berlin sich an diesem Programm noch beteiligen werde. Im Mobilitätsgesetz ist festgeschrieben, dass Berlin Fördertöpfe des Bundes anzapfen soll.

Dass Stellplätze fehlen, und zwar massenhaft, dazu bedarf es keiner Untersuchung. Berlin weiß aber weder, wie viele Ständer es gibt, noch wie viele benötigt werden. Dies ergab die Antwort der Verkehrsverwaltung auf

eine noch nicht veröffentlichte Anfrage des SPD-Abgeordneten Sven Kohlmeier, über die der „Checkpoint“ in dieser Woche berichtet hatte. Mehrere Bezirke führen keine Statistik, Steglitz-Zehlendorf verstieg sich zu dieser Aussage: „Dem Bezirksamt ist nicht bekannt, wie es möglich sein soll, einen Bedarf an Abstellanlagen zu ermitteln.“ Der Bezirk Spandau verblüffte mit der Angabe, dass im ersten Halbjahr 2019 genau 16 Bügel aufgestellt wurden: Spandau hat 242 000 Einwohner. Neukölln (330 000 Einwohner) will in diesem Jahr 900 Bügel aufstellen.

Das Mobilitätsgesetz fordert 100 000 sichere Abstellmöglichkeiten. Mittlerweile haben mit Potsdam, Bernau und Oranienburg drei Städte in Brandenburg Fahrradparkhäuser an Bahnhöfen, in Berlin wird bislang nur diskutiert. Am weitesten gediehen ist wohl das Projekt am S-Bahnhof Zehlendorf.

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