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Gute Zahlen. Stefan Franzke, Chef von „Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie“ stellt mit Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) die Bilanz vor. Foto: Felix Zahn/photothek.net
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Mehr als 4000 neue Jobs Die Digitalwirtschaft stärkt Berlin in der Krise

Trotz Corona siedeln sich weiter Firmen in Berlin an oder entwickeln Neues. Beispiele gibt es viele. Die Wirtschaftsförderer von Berlin Partner ziehen Bilanz.

Die Pandemie hat die Berliner Wirtschaft zwar extrem belastet und tut es teilweise immer noch – doch nicht alle Branchen leiden. Insbesondere Unternehmen aus den Gebieten Biotech, Medizintechnik, Automotive oder der Künstlichen Intelligenz (KI) tragen dazu bei, dass es auch positive Meldungen gibt und der Wirtschaftsstandort weiter gestärkt wird.

Es gebe „ermutigende Signale“ – so nannte es Stefan Franzke, Chef der Wirtschaftsförderungsagentur „Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie “. Zusammen mit Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) präsentierte er am Mittwoch die Halbjahresbilanz der Agentur.

Die fiel positiv aus. Berlin Partner kümmert sich vor allem um Unternehmen, die sich neu in Berlin ansiedeln, die investieren wollen in der Hauptstadt und die Innovationen vorantreiben: Berlin Partner nennt dies Projekte. 149 dieser Projekte, habe die Wirtschaftsförderungsagentur betreut und abgeschlossen. 4430 neue Arbeitsplätze seien dadurch in der Hauptstadt entstanden.

Damit habe man ungefähr die Zahl der abgeschlossenen Projekte vom Vorjahreszeitraum – dem ersten Pandemie-Halbjahr – erreicht, sagte Franzke. Doch es seien zehn Prozent mehr neue Jobs entstanden.

Investiert wurden von diesen Unternehmen im ersten Halbjahr laut Berlin Partner mehr als 445,5 Millionen Euro, was einem Anstieg von mehr als einem Drittel entspricht. 232 Projekte sind außerdem aktuell noch in Betreuung. Konkret heißt das: Bei den Projekten, die Berlin Partner betreut, habe es pandemiebedingt „keine extremen Einbrüche“ gegeben, sagte ein Sprecher. Das Niveau sei nahezu so stabil wie in den Jahren vor der Pandemie.

Die Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft habe zur Stärkung Berlins beigetragen

Vor allem die Berliner Start-ups tragen zu der positiven Bilanz bei. Sie haben 2021 innerhalb eines Halbjahres so viel Geld wie nie zuvor bei Investoren eingesammelt.

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Laut dem Start-up-Barometer der Unternehmensberatung EY sind zwischen Januar und Ende Juni 2021 insgesamt 4,1 Milliarden Euro an 263 Berliner Gründer gegangen. Das Investitionsvolumen habe sich EY zufolge in Berlin von 1,2 auf 4,1 Milliarden Euro mehr als verdreifacht. Vor allem die Digitalwirtschaft sei es, die dazu beitrage, dass Berlin besser durch die Coronakrise kommt als andere Bundesländer, sagte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop.

„Die Berliner Wirtschaftsstruktur hat sich in der Krise resilienter gezeigt als von vielen prophezeit worden ist. Dafür haben wir in den vergangenen Jahren die Grundlagen geschaffen: Die konsequente Stärkung der innovativen Cluster in der Hauptstadtregion hat sich als die richtige Strategie erwiesen“, sagte Pop. Sie meint damit vor allem die Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft, denn die trage dazu bei, dass Berlin als Standort stark sei und die Unternehmen in der Hauptstadt überdurchschnittlich gut auf die Krise reagiert hätten. Das alles zeige, dass man in Berlin – auch in fordernden Zeiten – „Erfolgsgeschichten schreiben kann“, sagte Franzke.

Die Firma LMT aus Charlottenburg setzt neue Standards in der Lichtmesstechnik

Viele dieser Unternehmen sind in der Öffentlichkeit weniger bekannt, bringen den Standort aber durch neue Entwicklungen voran. Eines ist die bereits seit 1974 bestehende Firma LMT – Lichtmesstechnik GmbH Berlin. Das Unternehmen hat seinen Sitz nicht weit von der Technischen Universität in Charlottenburg. Die Firma hat ein System entwickelt und nach China geliefert, mit dem Scheinwerfer eingebaut in das Fahrzeug gemessen werden können.

Die Messung am kompletten Fahrzeug und nicht nur an Einzelteilen, ist eine neuartige Methode. Jedes Licht-Produkt am Fahrzeug muss bestimmte Standards erfüllen. Es könne davon ausgegangen werden, dass diese Methode sich weltweit durchsetzt, hieß es. Ein ganz anderes Beispiel: Das noch junge Unternehmen Venture Leap.

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In der Coronakrise entwickelte es aus dem Charlottenburger Innovations-Center (CHIC) die Software Probatix – sie werde in ganz Deutschland in Städten, Krankenhäusern, Flughäfen, Apotheken, Tourismusunternehmen und vielen privaten Corona-Testzentren eingesetzt. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO wird von Berlin Partner betreut. Sie eröffnet ein „Pandemie-Frühwarnzentrum“ in der Stadt. „Global Hub for Pandemic and Epidemic Intelligence“ heißt das und wird „eine globale Plattform für Pandemie- und Epidemieinformationen sein, die einen gemeinsamen und vernetzten Zugang zu wichtigen Daten schafft und Innovationen in der Datenanalyse vorantreibt“, hieß es bei Berlin Partner.

Insbesondere geht es also um die Vorhersage, Prävention und Erkennung von weltweiten Gesundheitsbedrohungen. Die Eröffnung soll am 1.September mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus stattfinden. Der Ort für das Frühwarnzentrum wurde offiziell bisher nicht bekannt gegeben. Sehr jung ist noch das Kreuzberger Start-up LiveEO.

Ende 2021 soll das Wirtschaftswachstum in Berlin bei 3,2 Prozent liegen

Es bietet das Monitoring von „kritischer Infrastruktur“, wie Bahn- und Stromtrassen sowie Pipelines mittels Satellitendaten an. Hierbei komme eine eigens entwickelte KI zum Einsatz, die selbstständig eine Auswertung vornehme und etwaige Gefahren einstufe. Anfang dieses Jahres seien bereits rund eine Million Kilometer Stromtrassen in den Vereinigten Staaten aus mehr als 150.000 Satellitenbildern analysiert worden.

Bekannter ist das jährliche Greentech Festival – ein Treffpunkt für Menschen, Organisationen und Unternehmen aus der ganzen Welt, die unter dem Motto #celebratechange Wege aus der Klimakrise diskutieren und vorantreiben wollen.

Das Greentech Festival wolle nicht nur „viele Menschen mit grünen Technologien und Ideen für ein nachhaltiges Leben begeistern, sondern sie zum Handeln animieren“. Gründer ist der Ex-Formel-1-Pilot Nico Rosberg. Bis Ende 2021 soll das Wachstum in Berlin bei 3,2 Prozent liegen, sagte Pop. Und im kommenden Jahr könnte man wohl wieder den Stand von 2019 erreicht haben – bevor Corona kam.

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