Seit der Parkranger Cengiz Demirci im Görli für Ordnung sorgt, hat sich die Situation dort merklich verbessert. Foto: Wolfgang Kumm/dpa
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Leitantrag auf Landesparteitag Grüne fordern Parkwächter für ganz Berlin

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Die Grünen wollen mehr Sauberkeit in Grünanlagen und setzen dabei auf Ranger. Im Görlitzer Park ist dieses Modell bereits erfolgreich.

Wilde Partys, verdreckte Wiesen, übervolle Müllcontainer: Schmuddelige Parks und Grünflächen waren auch und gerade im zurückliegenden Rekordsommer ein Ärgernis für viele Berliner. Wo sonst sollten sie bei der Dauerhitze in ihrer Stadt ein schattiges Plätzchen finden, wenn nicht im Park um die Ecke?

Die Grünen wollen dieses Problem nun angehen. In einem Leitantrag, der auf dem heutigen Landesparteitag am Sonnabend zur Abstimmung steht, schlägt allen voran der Landesvorsitzenden Werner Graf vor, in allen größeren Grünanlagen der Stadt künftig Parkwächter einzusetzen. Diese sollen sich, vergleichbar mit einem Hausmeister, um Parks und Seenwälder kümmern, diese kennen- und weiterentwickeln, so der Vorschlag der Grünen. „Für Naturschutzgebiete setzen wir hier parallel auf Natur-Ranger“, heißt es weiter. Diese sollen im direkten Kontakt mit den Besuchern der Parks „wertvolle Vermittlungsarbeit“ leisten.

Ermutigende Beispiele gibt es: Seitdem im Görlitzer Park ein vom grün geführten Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg eingesetzter Parkmanager tätig ist und die BSR anstelle des bezirklichen Grünflächenamtes regelmäßig sauber macht, ist der Aufenthalt merklich angenehmer geworden. Und auch im Gleisdreieckpark, den die landeseigene Grün Berlin ebenso wie das Tempelhofer Feld engagiert beaufsichtigt, sieht es deutlich besser aus als in anderen bezirklich gepflegten Grünanlagen.

Berlin brauche Respektpersonen

Auch im Bezirk Pankow gab es bereits entsprechende Vorstöße. Dort schlug Katrin Koch vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) vor, nach dem Vorbild der Brandenburger Naturschutzwacht auch in Berlin Menschen mit der Aufgabe zu betrauen, sich um Schutz und Erhalt von Natur- und Landschaftsschutzgebieten (LSG) zu kümmern. Berlin brauche „Respektspersonen, die Präsenz ausüben und nicht nur Knöllchen verteilen. Vielleicht sind in besonders sensiblen Gebieten Parkranger wie in Amerika notwendig“, sagte Katrin Koch, zuständig für die Landschaftsschutzgebiete in Pankow und im Bezirk Reinickendorf, damals.

Die Initiative der Grünen nimmt dieses Ansinnen Kochs nun auf. „Vorhandenes Grün besser pflegen“ sei Ziel dieser und weiterer Maßnahmen, wie Graf kurz vor dem Landesparteitag erklärte. Doch auch wenn die Parkwächter wirklich kommen, die Stimme der Anwohner müsse weiter gehört werden. „Für uns ist zentral, dass die Menschen vor Ort bei der Gestaltung, Pflege und und Entwicklung der Parks mitsprechen können“, heißt es dazu.

Offen bleibt, wer die Parkwächter bezahlen soll

Offen bleibt, bei welcher Behörde die zukünftigen Wächter für Parks und Naturschutzgebiete angesiedelt werden, sprich: wer sie bezahlen soll. Zwar wollen die Grünen Straßen- und Grünflächenämter der Bezirke und zuständige städtische Institutionen finanziell besser ausstatten. Woher das Geld dafür kommen soll, bleibt aber im Antrag der Grünen offen. Aus Pankow hieß es zuletzt vom Umweltstadtrat Daniel Krüger (parteilos/für AfD), eine permanente Kontrolle der Schutzgebiete sei mit dem bestehenden Personal unmöglich. Und auch Matthias Tang von der Senatsverwaltung für Umwelt räumte ein, dass „die Möglichkeiten insbesondere der Ordnungsämter begrenzt sind“. Dem Vorschlag von Nabu- Aktivistin Karin Koch, Parkranger könnte man doch bei der Polizei ansiedeln, etwa bei der Umweltkripo, zeigte sich Tang – wenig überraschend – offen gegenüber.

Der Pankower Stadtrat Krüger wiederum, hatte im September Parkwächter für den Mauerpark gefordert. Um die zur Sommerzeit regelmäßigen Partys inklusive Müllberge einzudämmen, müsse es klare Regeln geben. Diese könnten Parkwächter durchsetzen. Finanzielle Mittel dafür solle der Senat wegen der „gesamtstädtischen Bedeutung“ des Mauerparks zur Verfügung stellen. „Man braucht hier dauerhafte Präsenz, auch abends und am Wochenende“, so Krüger. „Diesen Park kann man nicht mehr einfach sich selbst überlassen.“ Das sehen die Grünen offenbar ganz genau so.

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