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Gemeinsam mit anderen Hobbyastronomen hat Stefan Gotthold die „Lange Nacht der Astronomie“ ins Leben gerufen. Foto: Mike Wolff
© Mike Wolff

„Lange Nacht der Astronomie“ Sternegucken im Gleisdreieckpark

Kopf in den Nacken. Am Sonnabend können bei der „Langen Nacht der Astronomie“ Besucher weit ins All hinausschauen.

90 Minuten, die zur Ewigkeit wurden. Stefan Gotthold erinnert sich genau, wie er den doppelten Vorbeiflug der Internationalen Raumstation vor der Sonne auf ein Bild bannen wollte: Binnen weniger als einer Sekunde flog die Station über die Sonnenscheibe hinweg, die Kamera ratterte im Serienbildmodus; anderthalb Stunden später, als die Station nach einer Erdumrundung zurück war, zeichnet sie eine weitere Linie, die sich mit der ersten kreuzt.

Dumm nur, dass diese Perspektive lediglich von einem kleinen Gebiet aus möglich ist. „Eine Waldlichtung irgendwo in Brandenburg, über 30 Grad, die Insekten haben mich bald aufgefressen, aber das Foto gelang“, erzählt er. Geduld muss man als Astronom schon haben, aber man wird reich beschenkt: Mit überwältigenden Ausblicken, mit Entdeckungen, mit Gedanken, die sich buchstäblich um das große Ganze drehen – das Universum – und unseren Platz darin.

Und mit anregenden Gesprächen mit Gleichgesinnten. Findet zumindest Gotthold und möchte seine Begeisterung weitergeben. Er hat daher gemeinsam mit weiteren Hobbyastronomen die „Lange Nacht der Astronomie“ initiiert, die an diesem Sonnabend bereits zum sechsten Mal stattfindet. Von 17 bis 24 Uhr werden im Park am Gleisdreieck verschiedene Teleskope und historische Instrumente aufgebaut.

Die Macher wollen an die Tradition der Straßenastronomie anknüpfen, die es nach Kriegsende in Berlin gab. Damals fanden sich auf vielen öffentlichen Plätzen der Stadt Astronomen mit selbstgebauten oder geretteten Fernrohren ein, um Passanten den Himmel näherzubringen.

Zunächst wird auf die Sonne geschaut

„Das funktioniert immer“, sagt Gotthold. Sobald er sein Teleskop aufbaue, um etwa die Sonne oder Planeten zu beobachten, kämen Interessierte. Eine Frage, einmal durchs Teleskop schauen – schon ist man mitten im Gespräch. So soll es auch am Sonnabend sein. Neben Gotthold werden noch weitere Fachleute da sein, um zu erklären, Fragen zu beantworten und ihre Begeisterung für den Himmel zu teilen.

Die Beobachtungen gelten zunächst der Sonne mit ihren Flecken, später dann dem Mond sowie den Planeten Jupiter und Saturn. „Mit etwas Glück werden wir auch Sternschnuppen sehen, denn es ist Zeit der Perseiden.“ So wird ein jährlich wiederkehrender Meteorstrom bezeichnet, der scheinbar aus dem Sternbild Perseus kommt. Tatsächlich fliegt die Erde jedes Jahr um diese Zeit durch die Reste des Kometen „109P/Swift-Tuttle“, die nur zwischen sandkorn- und kieselgroß sind, aber wegen ihres hohen Tempos beim Eintritt in die Atmosphäre weithin sichtbar verglühen.

Während Sternschnuppen mit bloßem Auge am besten zu beobachten sind, ist bei anderen Himmelsobjekten ein Fernrohr hilfreich. Damit erschließt sich eine neue, unbekannte Welt. „Im vergangenen Jahr“, erzählt Gotthold, „war ein älterer Herr dabei, der mir mit einer Träne im Auge sagte, er habe zum ersten Mal den Saturn mit seinen Ringen gesehen.“ Vielleicht ist er auch noch zum Astronom geworden.

„Solche Dinge für sich zu entdecken, das ist ein ganz besonderes Gefühl“

Gotthold hat die Weltraum-Begeisterung bereits im Kindesalter gepackt. Die beiden Voyager-Sonden der Nasa waren häufiges Thema am Frühstückstisch, erzählt er. „Wir haben dann überlegt, wo sie wohl sein mögen, wie viel Weg sie schon zurückgelegt haben.“ Mit 16 Jahren kaufte er das erste Teleskop, vor Kurzem das siebte. „Das letzte, versprochen!“ Wer mit ihm über die Sterne und Sternguckerei spricht, kann das allerdings nicht so recht glauben.

Wie er davon berichtet, das „Mond-X“ gesehen zu haben: zwei Bergketten auf unserem himmlischen Nachbarn, die nur bei einem bestimmten Lichteinfall an den Gipfeln leuchten, während der Fuß der Berge noch in der Dunkelheit liegt. Oder die Galileischen Monde des Planeten Jupiter, die italienische Naturforscher bereits vor vier Jahrhunderten beobachtet hat. „Solche Dinge für sich zu entdecken, das ist ein ganz besonderes Gefühl“, sagt er.

Gotthold ist einer, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat. Vor zwei Jahren wurde er pädagogischer Mitarbeiter bei der Stiftung Planetarium Berlin, wo er auch für die Archenhold-Sternwarte im Treptower Park verantwortlich ist. Die Teleskope hier, darunter das mit 21 Metern längste Linsenfernrohr der Welt, ermöglichen sehr genaue Beobachtungen.

„In Berlin ist das Licht ein echtes Problem

Doch der Astronom nutzt ebenso gern seine transportablen Geräte und fährt beispielsweise ins Westhavelland. Dort gibt es so wenig störendes Licht, dass der Nachthimmel so „sauber“ ist wie in Namibia. „In Berlin ist das Licht ein echtes Problem“, sagt Gotthold. Zu glauben, hier sei sowieso nichts mehr zu sehen, sei jedoch falsch.

Parks mit wenig Laternen oder Sternwarten seien gute Plätze, um zu beobachten. Und Insektenattacken wie auf einer Lichtung fern der Stadt sind auch eher unwahrscheinlich. „Sonne, Mond, Planeten, Galaxienhaufen – man kann allerhand entdecken“, sagt Gotthold. Man muss nur in den Himmel hinausschauen.

Lange Nacht der Astronomie, Sonnabend von 17 bis 24 Uhr, Park am Gleisdreieck. Beobachtungen mit Teleskopen, Ausstellung „50 Jahre Mondlandung“, Experimentier- und Bastelstationen für junge Forscherinnen und Forscher. Je nach Wetter kann das Programm geändert werden. www.planetarium.berlin/veranstaltungen/lnda

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