Wahlkampf in Brandenburg Foto: dpa
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Exklusiv Landtagswahl in Brandenburg Die AfD liegt deutlich vor SPD, Grünen und CDU

Zweieinhalb Wochen vor der Landtagswahl in Brandenburg liegt die AfD in einer Civey-Umfrage vorn. Sie profitiert auch vom Anti-AfD-Kurs der anderen Parteien.

Vor der entscheidenden Phase des Landtagswahlkampfes in Brandenburg liegt die AfD weiterhin in der Wählergunst vorn. Bei der Wahl am 1. September läuft alles auf einen Sieg der Partei hinaus – und auf eine komplette Neujustierung der politischen Kräfteverhältnisse.

Einer aktuellen Befragung des Umfrageinstituts Civey für den Tagesspiegel und Spiegel Online zufolge würde die AfD derzeit auf einen Stimmenanteil von 21 Prozent kommen, wenn am Sonntag gewählt würde. Deutlich dahinter liegt die seit 1990 regierende SPD. Um den zweiten Platz liefern sich die Sozialdemokraten nach ihrem historischen Absturz von der 30-Prozent-Marke in Brandenburg nun ein Kopf-an-Kopf-Rennen – mit Grünen und CDU.

SPD, CDU und Grüne liegen so dicht beieinander, dass keine belastbare Aussage möglich ist, wer von diesen drei Parteien tatsächlich nach der AfD vorn liegt. Die SPD kam in der Befragung auf einen Stimmenanteil von 18 Prozent, die Grünen und die CDU auf 17 Prozent. Die Linke, die seit 2009 mit der SPD in Brandenburg in einem rot-roten Bündnis regiert, erreichte knapp 15 Prozent. Die FDP würde mit 5,5 Prozent nach fünf Jahren ohne Mandat wieder den Einzug in den Landtag schaffen.

Im Vergleich zur Juli-Umfrage sind das minimale Verschiebungen. Am deutlichsten sind sie aber bei Grünen und Linken. Die Grünen konnten zwei Prozentpunkte zulegen, die Linke büßte zwei Prozentpunkte ein.

Civey hat auch abgefragt, was die Wählerinnen und Wähler vom Umgang der Parteien mit der AfD halten. CDU, SPD, Grüne und Linke lehnen bekanntlich eine Zusammenarbeit mit den Rechtspopulisten ab.

Deutschlandweit begrüßt es eine deutliche Mehrheit der Befragten, dass „alle größeren Parteien vor der Landtagswahl in Brandenburg eine Koalition mit der AfD ausschließen“. Zwei Drittel der Befragten bewerten dieses Vorgehen als positiv, 58 Prozent sogar als sehr positiv.  Ein Viertel der Befragten sieht es dagegen negativ, dass eine Zusammenarbeit mit der AfD schon im Vorfeld kategorisch abgelehnt wird.

In Brandenburg sehen die Wähler das offenbar ganz anders. Dort bewertet nur die Hälfte der Befragten den Ablehnungskurs der anderen Parteien gegenüber der AfD positiv. Zudem sehen es mehr Wähler kritisch, wie die anderen Parteien mit der AfD umgehen. 41,5 Prozent der Befragten bewerten diesen Kurs negativ.

Noch deutlicher zeigt sich diese Sicht der Wähler bei der Frage, ob es der AfD eher nützt oder schadet, dass die anderen Parteien eine Koalition mit ihr ausschließen. 46,5 Prozent der Befragten gegen davon aus, dass der Abgrenzungskurs der anderen Parteien der AfD nützt. Nur 20,1 Prozent glauben, dass es der AfD schadet, wenn die anderen Parteien nicht mit ihr zusammenarbeiten wollen.

Am 1. September wird nicht nur in Brandenburg der Landtag neu gewählt, sondern auch in Sachsen. Am 27. Oktober folgt Thüringen. Das Erstarken der AfD vor allem im Osten wird nicht ohne Folgen für die Bundespolitik sein. Auch in der deutschlandweiten Civey-Umfrage rechnen die Befragten damit. Mehr als zwei Drittel gehen davon aus, dass es bundesweite Auswirkungen haben wird, wenn die AfD bei der Landtagswahl in Brandenburg stärkste Kraft wird. Weniger als ein Viertel der Befragten rechnet mit Folgen für die Bundespolitik.


Die aktuellen Civey-Daten zur Sonntagsfrage wurden in der Zeit vom 16. Juli bis zum 13. August erhoben, es wurden die Antworten von 2966 Befragten aus Brandenburg ausgewertet. Die Daten zur Bewertung der Zusammenarbeit mit der AfD wurden vom 3. August bis 13. August erhoben. Hier die Ergebnisse der vorherigen Civey-Umfrahe vom 17. Juli.

Der Tagesspiegel kooperiert mit dem Umfrageinstitut Civey. Wenn Sie sich registrieren, tragen Sie zu besseren Ergebnissen bei. Mehr Informationen hier. Hier können Sie an der Umfrage weiter teilnehmen:

Bereits im Juli lag die AfD deutlich vor der SPD. ( Hier die Ergebnisse der vorherigen Civey-Umfrahe vom 17. Juli.) Es zeichnet sich also ein knappes Rennen ab, was später auch zu einer schwierigen Koalitionsbildung führen kann, da mindestens ein Dreier-Bündnis notwendig werden dürfte.

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