So viel Polizei ist auch im Görlitzer Park nicht normal - das Bild stammt vom 1. Mai 2020. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
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Kriminalität im Görlitzer Park Die Revierkämpfe zwischen Dealern werden offenbar gewalttätiger

Die Berliner Polizei registriert im Görlitzer Park mehr gefährliche Körperverletzungen, aber weniger Raub und Taschendiebstahl. Verstärkt sie nun ihre Präsenz?

Der Görlitzer Park ist die umstrittenste Grünanlage Berlins. Während er einerseits gern und viel zur Erholung genutzt wird, gibt es andererseits seit Jahren ein Problem mit Gewalt und Drogenhandel. Trotz vielfacher Versuche scheint sich daran nichts wesentlich geändert zu haben. Darauf deuten interne Lagebilder der Polizei hin, aus denen die „Berliner Morgenpost" zitiert.

Demnach hat die Zahl schwerer Gewalttaten im „Görli" und dem benachbarten Wrangelkiez wieder zugenommen. Bis Ende August habe die Polizei zehn Prozent mehr gefährliche Körperverletzungen registriert als bis zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres (107 zu 97 Taten). Den stärksten Anstieg habe es bei Drogendelikten gegeben, schreibt die „Morgenpost" weiter – um 41 Prozent von 968 auf 1364 Fälle.

Letzteres werde behördenintern auf eine gestiegene Polizeipräsenz im Görlitzer Park und im Wrangelkiez zurückgeführt, heißt es in dem Bericht. Ähnlich hatte bereits Innensenator Andreas Geisel (SPD) argumentiert, als er im März die Polizeiliche Kriminalstatistik für Berlin präsentierte. Stadtweit hatte die Polizei im Jahr 2019 zehn Prozent mehr Drogendelikte festgestellt. Das zeige, dass die Polizei stärker kontrolliere und Drogenhändler fasse, wie etwa im Görlitzer Park, sagte Geisel seinerzeit.

Im vergangenen Jahr hatte die Polizei ihre Präsenz im Görlitzer Park zwar wieder von 21.600 auf 31.500 Dienststunden verstärkt. Zuvor jedoch hatte Geisel den Personalaufwand deutlich verringert, nachdem sein Vorgänger Frank Henkel (CDU) mit einer Null-Toleranz-Strategie viele Kräfte in den Kreuzberger Park geschickt hatte – in seinem letzten Amtsjahr 2016 waren Berliner Polizisten 33.600 Dienststunden lang im „Görli" im Einsatz.

Bürgermeisterin fordert Kontaktbereichsbeamte für den Kiez

Den Anstieg bei den gefährlichen Körperverletzungen erklären Insider der „Morgenpost" zufolge mit Revierkämpfen zwischen Dealern. Dafür sprechen auch zwei andere Zahlen aus dem Lagebild der Polizei: ein Rückgang von 40 Prozent bei Raubstraftaten und von 25 Prozent bei Taschendiebstählen, also Delikten, bei denen unbeteiligte Dritte zu Opfern werden, einfache Parknutzer.

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Wie die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann (Grüne), der „Morgenpost" sagte, habe sie Signale aus der Innenverwaltung erhalten, dass die Polizeipräsenz im Görlitzer Park weiter erhöht werden soll. Mobile Wachen reichten allerdings nicht aus, betonte Herrmann auch in Hinblick auf das angrenzende Wohngebiet. Anwohner hatten dort zuletzt eine zunehmende Vermüllung beklagt. Bezirksamt und Stadtreinigung wollen nun häufiger saubermachen, aber auch die Nachbarschaft selbst will auf Spielplätzen aktiv werden.

Die Bürgermeisterin fordere Kontaktbereichsbeamte, die als feste Ansprechpartner im Görlitzer Park und dem Wrangelkiez unterwegs sind, heißt es in der „Morgenpost". Der „Görli" sei nicht mehr nur Kifferpark. Auch harte Drogen wie Heroin würden dort gehandelt. (Tsp)

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