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Soll bald durch einen Neubau ersetzt werden. Das Stadion im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark. Foto: Oliver Mehlis / dpa
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Koalition einigt sich auf Kompromiss Neubau des Jahn-Stadions soll bald beginnen

Caspar Schwietering

Das marode Jahn-Stadion soll ab dem Sommer 2020 durch einen Neubau ersetzt werden. Doch Rot-Rot-Grün stritt über das Verfahren. Jetzt gibt es einen Kompromiss.

Im Streit um den Neubau des Stadions im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark hat sich die rot-rot-grüne Koalition auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt. Das Stadion soll nun im Sommer 2020 abgerissen und anschließend bis 2024 in derselben Größe (20.000 Zuschauer) neu errichtet werden.

Für das marode alte Jahn-Stadion läuft derzeit die letzte Saison, dann erlischt die Betriebserlaubnis. Seit Langem ist deshalb ein Neubau an derselben Stelle geplant. Bereits seit 2015 gibt es einen Masterplan für den gesamten Jahn-Sportpark, nach dem der Park zu einem behindertengerechten, inklusiven Sportareal umgebaut werden soll.

Im Senat wurde in den vergangenen Monaten dennoch über den Stadionneubau gestritten. Die von Katrin Lompscher (Linke) geführte Stadtentwicklungsverwaltung wollte das Stadion im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens für den gesamten Jahn-Sportpark errichten. Auch Pankows Baustadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) sprach sich dafür aus, um unter anderen Fragen des Lärmschutzes und der Verkehrsführung zu klären.

Die Sportverwaltung wehrte sich vehement gegen einen Bebauungsplan. Ein derart großes Stadion werde mitten im dicht besiedelten Prenzlauer Berg sonst nie genehmigt, lautete die Befürchtung. Sportsenator Andreas Geisel (SPD) drang daher darauf, das neue Jahn-Stadion nach Paragraph 34 Baugesetzbuch als bloßen Ersatzbau für das bestehende, mit einer Betriebsgenehmigung ausgestattete Stadion zu bauen, um das aufwändige Genehmigungsverfahren zu umgehen.

Die sportpolitischen Sprecher der Regierungsfraktionen im Abgeordnetenhaus waren von dem Gezerre zuletzt derart genervt, dass sie drohten, die bereits bewilligten Gelder für Abriss und Neubau zu sperren.

Seit Mittwochabend steht ein Kompromiss

Am Mittwochabend einigte sich die Koalition nun auf einen Kompromiss. Das Stadion soll demnach Teil des Bebauungsplanverfahrens für den ganzen Jahn-Sportpark sein, aber bereits vorab nach Paragraph 34 Baugesetzbuch neu gebaut werden.

Bei dem informellen Treffen kamen Sportsenator Geisel, Senatsbaudirektorin Regula Lüscher, Vertreter der Finanzverwaltung und der Senatskanzlei, Pankows Sportstadtrat Torsten Kühne (CDU) sowie die sportpolitischen Sprecher der Regierungsfraktionen zusammen. Die Gespräche hätten in einer guten  Atmosphäre stattgefunden, hieß es aus Koalitionskreisen. Man sei nun zuversichtlich, dass der Stadionneubau bald beginnen könne. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher habe zudem noch einmal deutlich gemacht, dass ein vorgezogener Bau des Stadions nach Paragraph 34 auch rechtssicher sei.

105 Millionen Euro sind für den Neubau vorgesehen. Außerdem stehen 15 Millionen Euro für den Abriss des alten Stadions zur Verfügung. Für den Ausbau des gesamten Jahn-Sportpark sind insgesamt 195 Millionen eingeplant. Weil das neue Stadion anders als ursprünglich einmal geplant nur 20.000 statt 30.000 Zuschauer haben wird, gibt es aber einen kleinen finanziellen Puffer. Nach der Ansicht aller Beteiligten stehen damit genügend Gelder für den Jahn-Sportpark zur Verfügung.

Anwohnerbelange sollen berücksichtigt werden

Die Belange der Anwohner wolle man trotz des vorgezogenen Baus des Stadions auf jeden Fall berücksichtigen, sagten Teilnehmer des Treffens. So solle es vor Baubeginn Regelungen zum Lärmschutz geben. Und die Verkehrssituation rund um das Stadion solle im abschließenden Bebauungsplanverfahren genauer geregelt werden.

Offen ist bisher noch, ob das gesamte Bezirksamt Pankow das nun vereinbarte Vorgehen unterstützt. Baustadtrat Vollrad Kuhn, der einen Neubau ohne Bebauungsplan stets kritisch gesehen hatte, fehlte bei dem Treffen am Mittwochabend. Kuhn hatte in der Vergangenheit mehrmals davor gewarnt, dass ein neues modernes Stadion in der ohnehin belasteten Gegend rund um den Mauerpark und der Max-Schmeling-Halle zu noch mehr Verkehr führen könnte, weshalb er sich ein umfassendes Verkehrskonzept für das Stadion wünschte.

In der vergangenen Woche sagte Kuhn dem Tagesspiegel zudem, dass er sich ein Bebauungsplanverfahren wünsche, um die Rechtssicherheit zu erhöhen. Anwohner könnten sonst gegen einen Neubau nach Paragraph 34 klagen, wenn das Stadion auch nur um fünf Meter versetzt werde. Für die Baugenehmigung ist allerdings die Stadtentwicklungsverwaltung und nicht der Bezirk Pankow zuständig.

Für die Special Olympics im Jahr 2023 kommt der Neubau in jedem Fall zu spät. Bei den Weltspielen für geistig behinderte Sportler sollten im Jahn-Stadion ursprünglich die Leichtathletikwettbewerbe stattfinden.

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