Gehört in den Datschen dazu: Der Gartenzwerg. Foto: Lino Marcel Mirgeler/dpa
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Kleingärten in Berlin In Tempelhof-Schöneberg sollen zehn Kolonien verschwinden

15 Berliner Kleingartenkolonien sollen ab 2020 geräumt werden, drei weitere in Teilen verschwinden. Nun steht fest, welche Anlagen betroffen sind.

Tempelhof-Schöneberg ist Spitzenreiter: Hier sollen im nächsten Jahr zehn Kleingartenkolonien geräumt werden und für den Bau von Schulen, Kitas und Krankenhäusern genutzt werden. Darunter die Kolonien "Borussia", "Eschenallee" und "Feldschlösschen". Das geht aus einem Bericht des RBB hervor, der sich auf einen Entwurf für den "Kleingartenentwicklungsplan 2030" der Senatsverwaltung für Umwelt und Verkehr bezieht.

Enthalten sind 15 Kolonien, die ganz verschwinden sollen (wir berichteten), drei weitere nur in Teilen. Drei betroffene Kolonien befinden sich in Mitte, zwei in Pankow, je eine in Steglitz-Zehlendorf, Treptow-Köpenick und Marzahn-Hellersdorf. Betroffen seien insgesamt 429 Parzellen.

Laut RBB sollen 787 neue Parzellen als Ausgleich zur Verfügung gestellt werden, dafür müssten die betroffenen 429 Kleingärtner sich diese laut dem Entwurf mit "grob geschätzt [...] 420" weiteren teilen. Wegen anstehender Verkehrsprojekte müssten diese ihre Parzellen in den Jahren bis 2030 verlassen müssen.

Betroffene Kleingärtner sollen Ersatzflächen angeboten bekommen

Wie der Tagesspiegel bereits vor knapp zwei Wochen berichtete, ist unter den bis 2020 von einer Bebauung betroffenen Anlagen etwa die Kolonie "Bornholm II" in Prenzlauer Berg, wo eine Schulturnhalle gebaut werden soll. Die Anlage „Hamburg“ in Weißensee soll sogar komplett der Campus-Erweiterung der angrenzenden Kunsthochschule weichen.

Die Anlage "Nordkap" im Bezirk Mitte ist laut Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) wegen der Erweiterung des Jüdischen Krankenhauses betroffen. Deren Pächter sollen jedoch Ausgleichsflächen auf dem ehemaligen Friedhof Rehberge bekommen. Die von einer Bebauung betroffenen Kleingärtner sollen Ersatzflächen angeboten bekommen, sagten die Baustadträte von Mitte und Pankow übereinstimmend.

26 Anlagen stehen als "Potenzial" im Stadtentwicklungsplan Wohnen. Diese sind jedoch noch nicht öffentlich. Dort könnten ab 2030 die Bagger anrollen, um 7000 neue Wohnungen entstehen zu lassen. „Die rot-rot-grüne Koalition hat sich verständigt, dass von den 160 Kolonien auf Landesflächen, die als Bauland ausgewiesen sind, 26 für den Bau von 7000 Wohnungen im Mengengerüst des Stadtentwicklungsplan Wohnen enthalten sind“, teilte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung dem Tagesspiegel im Februar mit. Entschieden sei aber noch nichts. Nur eine „Verabredung“ gebe es.

26 Anlagen als "Potenzial" ausgemacht

Rund 160 Kleingartenkolonien sind im Flächennutzungsplan der Stadt auf landeseigenen Grundstücken als „Bauflächen“ festgesetzt. Die meisten Anlagen sind bis 2030 ohnehin vom Senat geschützt. Die bisherige Planung im zurzeit noch gültigen „Stadtentwicklungsplan Wohnen 2025“ sah 48 Kolonien „prioritär für eine Inanspruchnahme für Wohnungsbau“ vor.

Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek sagte dem Tagesspiegel im Februar: „Unser Ziel ist es, den Flächennutzungsplan so anzupassen, dass die heute noch vorhandenen Gartenkolonien nicht für den Wohnungsbau wegfallen.“ Das sei „final abgestimmt mit den Staatssekretären“. Von fest vereinbarten Plänen für die Bebauung der 26 Kolonien wollte sie nichts wissen. Im Gegenteil, fest geplant sei es, stadtweit „Liegenschaften für die Grün-Entwicklung anzukaufen.“

Ein Totalverbot der Bebauung von Flächen wollen die Grünen aber auch nicht: Bei „übergeordnetem Nutzen für die Allgemeinheit“ wie dem Bau von Schulen, Krankenhäusern oder Verkehrswegen soll es Ausnahmen geben - das sind eben jene 15 Anlagen, die ab 2020 bebaut werden sollen. (Tsp)

- Den kompletten Bericht über die geplante Bebauung von Kleingartenkolonien lesen Sie hier.

- Welche Kleingärten sind in Pankow betroffen? Lesen Sie hier den Bericht von Christian Hönicke aus dem Leute-Newsletter.

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