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Am Wochenende zog ein Gewitter über Berlin. Foto: dpaJörg Carstensen/dpa
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Update Keine großen Schäden Schweres Gewitter zieht über Berlin – eindrucksvolle Bilder

Anima Müller

Extremer Starkregen und Hagel – Berlin war von der ersten Unwetterlage in diesem Jahr besonders betroffen. Doch zu größeren Schäden kam es nicht.

Nach einem bisher sehr gewitterarmen Frühling gab es am Samstag die erste Unwetterlage in diesem Jahr. "Besonders betroffen war dabei Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt", sagt Richard Fellner vom Wetterdienst nowcast. Hagelkörner, Starkregen, Blitzeinschlag – am Samstag zog eine Gewitterfront über die Stadt, die es in sich hatte. 

Am Sonntagmorgen hatte sich die Wetterlage in Berlin wieder beruhigt. Das Gewitter verursachte in Berlin keine größeren Schäden. Vollgelaufene Keller und vereinzelt umgestürzte Bäume führten bis in die späten Abendstunden zu mehreren Einsätzen der Feuerwehr, wie ein Sprecher berichtete. "Es gab rund 40 kleinere Einsätze, was bei Gewitter nichts Ungewöhnliches ist", sagte der Sprecher am Sonntagmorgen. Auch die Polizei hatte keine Einsätze wegen des Gewitters.

Am stärksten war der Südosten der Hauptstadt rund um Köpenick betroffen. In diesem Bereich wurde mit 25 bis 40 Litern pro Stunde je Quadratmeter der meiste Niederschlag gemessen, sagte ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Sonntag. In Mitte und im Südwesten der Stadt in Richtung Potsdam wurden rund 15 Liter je Quadratmeter gemessen.

Hagelkörner mit bis zu drei Zentimetern Durchmesser

Die Gewitter brachten enorme Regenmengen mit stellenweise über 100 l/m2, Hagel von bis zu 3 cm Durchmesser und Sturmböen. Insgesamt gab es 449.324 Blitze, davon allein rund 133.000 in Brandenburg. „Auf der vergleichsweise kleinen Fläche von Berlin gab es alleine 3320 Blitze“, sagte Fellner.

Die schweren Gewitter mit Starkregen und Hagel haben in Brandenburg zu mehr als 500 Einsätzen der Feuerwehren bis zum Sonntagmorgen geführt. Nach Angaben der fünf Regionalleitstellen für Notrufe stürzten Bäume auf Straßen und fielen teils auf Autos, Wasser lief in Keller und überflutete Straßen, Blitze schlugen ein. Auch in Fahrstühlen stand Wasser. In Wernsdorf bei Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) brannte ein Dachstuhl.

Der starke Regen führte zu Unfällen. Auf der überfluteten Autobahn 19 wurde eine schwangere Frau bei einem Auffahrunfall verletzt. Das Wasser habe nahe der Anschlussstelle Wittstock/Dosse am Samstag zum Teil bis zu 40 Zentimeter hoch gestanden, berichtete die Polizei.

Schwangere Frau verletzt bei Unfall auf überfluteter A19

Ein Fahrer sei in Richtung Berlin zu schnell gewesen und mit seinem Auto auf einen bremsenden Wagen aufgefahren. Das Auto habe sich überschlagen. Das stehende Fahrzeug sei in die rechte Schutzplanke gedrückt worden. Die schwangere Beifahrerin aus diesem Auto und zwei Mitfahrerinnen aus dem auffahrenden Auto wurden leicht verletzt.
In Wittstock/Dosse (Kreis Ostprignitz-Ruppin) stürzte ein Baum auf ein Auto, in dem noch die Fahrerin saß. Die 60-Jährige kam nach Angaben der Polizei aber mit dem Schrecken davon. Bei Linow nahe Rheinsberg stürzten mehrere Bäume auf eine Landesstraße, die deshalb zeitweise gesperrt war. Eine Autofahrerin regte sich so darüber auf, dass sie einfach durch die Absperrung fuhr. Zwei Feuerwehrleute konnten sich laut Polizei noch retten, indem sie zur Seite sprangen.

Mit Schläuchen pumpt die Feuerwehr nach einem Unwetter mit Starkregen Wasser von einer Straße. Julian Stähle/dpa-Zentralbild/dpa Vergrößern
© Julian Stähle/dpa-Zentralbild/dpa

In der Notruf-Leitstelle in Eberswalde für die Kreise Barnim, Oberhavel und Uckermark musste wegen eines Wasserschadens ein Server ausgetauscht werden. Gewitter teils mit Starkregen sind nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes noch bis Sonntagmittag vor allem zwischen der Prignitz und dem Elbe-Elster-Land möglich.

Die Unwetterwarnung galt am Samstagnachmittag für Berlin, für die Kreise Oberhavel, Märkisch-Oderland, Barnim, Uckermark, die Stadt Potsdam und den Kreis Potsdam-Mittelmark sowie die Kreise Teltow-Fläming, Dahme-Spreewald, Oder-Spree und Ostprignitz-Ruppin.

Gegen 14 Uhr gab der Deutsche Wetterdienst eine erste Unwetterwarnung aus. Bald darauf setzte er die Warnstufe von 3 auf die höchste Stufe 4. Gegen 16 Uhr setzte er die Warnung dann wieder auf Stufe 3 herab. Gegen 18 Uhr wurde sie schließlich aufgehoben.

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Am Nachmittag warnte der Dienst vor „extrem heftigen Starkregen“ mit Niederschlagsmengen von bis zu 60 Liter pro Quadratmeter, Hagelkörnern von 3 Zentimetern Größe und Sturmböen.

Zumindest 1,5 Zentimeter große Hagelkörner konnten in Berlin bereits bestaunt werden. In Prenzlauer Berg maß ein Meteorologie-Student der Freien Universität Berlin die beachtlichen Hagelkörner aus.

Auf Twitter veröffentlichte er ein Foto:



Bereits am Nachmittag kam es am Himmel zu eindrucksvollen Szenen. So berichteten die Wetterbeobachter des Wetterturms Dahlem davon, eine sogenannte Roll Cloud (zu Deutsch: Rollwolke) beobachtet zu haben.

Sie teilten ein Video davon auf Twitter:


Bei einer Roll Cloud handelt es sich um ein seltenes Wetterphänomen. Die walzenförmige Wolke ist tief ausgerichtet und verläuft horizontal. Meist tritt sie in Verbindung mit Gewittern oder Kaltfronten auf.


Auch andernorts lieferte der Berliner Himmel besonders schöne Bilder:


Nur leichte Unfälle, keine Verletzten

In Berlin kam es nur zu leichten Unfällen, bei denen niemand verletzt wurde. Am Nachmittag schlug in der Cunistraße in Französisch Buchholz ein Blitz ein, berichtete die Berliner Feuerwehr. Zu Schäden sei es jedoch nicht gekommen.

Wegen eines Blitzeinschlags in Griebnitzsee gab es Einschränkungen bei der S-Bahn-Linie S7. Zwischen Berlin-Wannsee und Potsdam Hauptbahnhof verkehrte die S-Bahn zeitweise nur im 20-Minuten-Takt. Am Sonntagmorgen fuhren die Züge wieder planmäßig alle zehn Minuten. 

An einer Grundschule in Kreuzberg sei der Putz an der Fassade abgebrochen, berichtete die Feuerwehr. Die Einsatzkräfte seien am Nachmittag zu einem überschwemmten Keller ausgerückt und vereinzelt wegen umgestürzter Bäume gerufen worden, so in Prenzlauer Berg.

Trotz der verhältnismäßig geringen Zahl an Einsätzen, war die Feuerwehr vorsorglich mit unterstützenden Kräften der freiwilligen Feuerwehr unterwegs.

Die Natur freut der viele Regen allerdings:

Münchehofe: 30 Liter pro Quadratmeter in einer Stunde

„Es ist ein sehr großer Gewitterkomplex“, sagte ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes. „Es ist davon auszugehen, dass punktuell um die 40 Liter pro Quadratmeter in der Stunde gefallen sind.“ Dazu könne auch kleinkörniger Hagel kommen. In Münchehofe in Brandenburg (Kreis Dahme-Spreewald) seien am Samstagnachmittag 30 Liter auf den Quadratmeter innerhalb von einer Stunde heruntergekommen, in Wittstock/Dosse seien es 27 Liter pro Quadratmeter gewesen.

Beeindruckende Bilder des Gewitters gibt es auch aus Ludwigsfelde:

(mit dpa)

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