Avitall Gerstetter, die erste deutsche jüdische Kantorin; fotografiert in der Synagoge Oranienburger Straße in Berlin-Mitte für das Thema "Juden in Berlin" für Mehr Berlin. Foto: Thilo Rückeis Foto: Bild ohne Text
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Jüdisches Leben in Berlin-Köpenick Kantorin will jüdischen Kultursalon eröffnen

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Die Kantorin der Jüdischen Gemeinde plant einen Salon in den Reinbeckhalle. Erreichen möchte sie damit viele.

Jüdisches Kulturleben in Treptow-Köpenick? Das ist schnell aufgezählt. Seit einigen Jahren gastiert das Louis-Lewandowski-Festival jüdischer Chormusik im Bezirk, im vergangenen Herbst wurde mit Konzerten an den 80. Jahrestag der Zerstörung der Köpenicker Synagoge erinnert. Ein fester Ort für jüdische Kultur existiert nicht, auffällig ist der Bezirk eher durch antisemitische Pöbeleien und rechtsextremistische Propaganda. Im vergangenen Jahr nahmen die Aktivitäten von Neonazis wieder zu, nachdem die Szene jahrelang auf dem Rückzug war.

Auf der Suche nach einem festen Ort

Um dem etwas entgegenzusetzen, will die Kantorin der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Avitall Gerstetter, einen jüdischen Kultursalon eröffnen – zuerst hat die „Berliner Morgenpost“ darüber berichtet. Mitten im neuen Kunstzentrum von Oberschöneweide, in den Reinbeckhallen, soll der Salon einen festen Ort erhalten. Der Eigentümer der Hallen, Sven Herrmann, sei von der Idee begeistert, sagte Gerstetter dem Tagesspiegel. In den nächsten Tagen solle geklärt werden, welche Halle dafür infrage kommt.

Eigentlich sollte der Salon in Charlottenburg entstehen, aber das Projekt, an dem auch der Architekt Daniel Libeskind beteiligt war, kam nicht zustande. Unklar ist auch diesmal die Finanzierung. Die Jüdische Gemeinde ist nicht beteiligt, Gerstetter hofft für ihr Projekt auf Spenden. Aus der Kunstszene gebe es schon bekannte Unterstützer wie den Fotografen Andreas Mühe. Ausstellungen und Lesungen, aber auch Seminare und Workshops für Schüler sind geplant. Am 23. Februar soll der Salon mit einem Shabbat-Dinner eröffnet werden.

Mittlerin zwischen den Religionen

Die Kantorin, die selber Konzerte gibt, sieht sich als Mittlerin zwischen den Religionen. Sie möchte die Menschen erreichen, die bislang wenig mit dem Judentum in Berührung gekommen sind. Avitall Gerstetter wohnt selbst in Schöneweide und weiß, wovon sie spricht. Der Schwerpunkt der Jüdischen Gemeinde und auch ihrer Arbeit lag bisher im Zentrum der Stadt. In den Räumen der KPM-Porzellanmanufaktur in Charlottenburg fand zuletzt auch das Shabbat-Dinner statt.

Ein Projekt soll aber nicht nach Schöneweide umziehen: Auf dem Mittelstreifen des Ku’damms an der Ecke Knesebeckstraße soll ein vier mal vier Meter großer Leuchter des Pariser Künstlers Arik Levy aufgestellt werden, der einem Davidstern ähnelt. Die Genehmigungen dafür lägen bereits vor.

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