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Am Donnerstag wird das Stück „Solo Sunny & Me“ auf der Freilichtbühne Weißensee aufgeführt. Foto: imago/Scherf
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Hommage an DEFA-Film in Berlin „Solo Sunny & Me“ feiert Premiere auf der Freilichtbühne Weißensee

Im Vorfeld der Berlinale wird auf der Freilichtbühne Weißensee das Ein-Personen-Theaterstück „Solo Sunny & Me“ aufgeführt - eine Hommage an den DEFA-Kultfilm "Solo Sunny".

Eine einzige Schauspielerin steht auf der ansonsten leeren Bühne vor einer weißen Leinwand. Bevor hier, auf der Freilichtbühne Weißensee, die Berlinale-Filme laufen, feiert am Donnerstag das Theaterstück „Solo Sunny & Me“ Premiere, inszeniert von der Schauspielerin und Regisseurin Tilla Kratochwil und mit der Berliner Schauspielerin Rike Schuberty als Sunny - eine Hommage an den 1980er DEFA-Film „Solo Sunny“ von Konrad Wolf und Wolfgang Kohlhaase.

Die Geschichte von der unangepassten jungen Künstlerin, die in einer Hinterhofwohnung im grauen Prenzlauer Berg lebt und als Schlagersängerin mit der Band Die Tornados durch die DDR tingelt, gilt bis heute als Kultfilm. Wenn Rike Schuberty im mühelosen Berlinerisch einzelne Film-Dialoge nachspricht, kann man die Figur der Sunny fast vor sich sehen, damals gespielt von Renate Krößner, die für ihre Leistung den Silbernen Bären erhielt.

Während des Spiels bleibt die Darstellerin nicht auf der Bühne, sie läuft hinter die Kulissen, schleppt einen Verstärker und Kisten mit Instrumenten herbei und baut nach und nach das Set der Tornados auf. Begleitet wird sie von Musik- und O-Ton-Einspielungen aus dem Film. Während sie die Instrumente spielt, springt sie wechselnd in die Rollen der jeweiligen Band-Musiker und geht deren fiktiven Lebensentwürfen nach, mal urkomisch, mal tieftraurig.

Stück für Stück klopft sie deren, Sunnys und auch ihr eigenes Leben auf (verpasste) Chancen, Enttäuschungen und Kompromisse ab.

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Beruf, Liebe, Musik - hätte es auch anders verlaufen können? Die Erinnerungen verbindet sie mit nachgespielten Szenen des Films, führt so durch dessen Handlung und steigt dabei auch hinter die Story von „Solo Sunny“ - etwa durch den Bezug auf die in Beelitz geborene Sängerin Sanije Torka, das reale Vorbild für die Titelfigur.

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Immer wieder klingelt das Handy - Harry ist dran. Das ist der Taxifahrer, der die schnelle Mark macht und Sunny, die eigentlich Ingrid heißt, endlich für sich gewinnen will. Aber Sunny will nicht. Sie ist unfähig zu Kompromissen wie einem festen Partner oder einem festen Job, obwohl diese ihr Leben vielleicht angenehmer machen würden. Sie will und muss auf der Bühne stehen.

Dafür übersteht sie Tiefpunkte und findet wieder neu zu sich als Sängerin. Auch in „Solo Sunny & Me“ sucht die Hauptfigur nach einem Weg aus der „Solo-Falle“. Als selbstständige Künstlerin kennt Rike Schuberty diese Frage: Warum macht man es sich eigentlich so schwer? Das „Aber“ fügt sie gleich hinzu: „Es gibt ja keine Alternative.“

Tilla Kratochwil findet die starke Frauenfigur bewundernswert

Für Tilla Kratochwil ist die starke Frauenfigur und wie sie erhobenen Hauptes aus ihren Krisen herausfindet, bewundernswert. Auf den Umgang mit der Corona-Krise würde sie ihre Inszenierung jedoch nicht beziehen. „Sunnys Umgang mit den Höhen und Tiefen des Lebens hat eher was mit uns zu tun als mit der allgemeinen Situation“, sagt sie.

Etwa seit März arbeiten Tilla Kratochwil und Rike Schuberty an dem Stück, zusätzlich zu anderen Projekten. Die beiden Künstlerinnen kennen sich seit ihrer Kindheit und arbeiten seit Jahren zusammen, wie bei „Paul und Paula - eine Legende“, das seit über zehn Jahren bundesweit aufgeführt wird, oder „Bremer Stadtmusikanten“, wo Schuberty ebenfalls allein auf der Bühne spielt. An „Solo Sunny & Me“ arbeiteten sie ausschließlich zu zweit und ohne Budget.

Das Freilufttheater Weißensee bietet derzeit Corona bedingt etwa 100 Plätze, die Tickets sind bevorzugt im digitalen Vorverkauf erhältlich. Bis Redaktionsschluss gab es noch wenige freie Plätze für die Premiere und die zweite Vorstellung am 11. Juni.

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