Das Herrenhaus Kleist von Bornstedt in Hohennauen, um 1860 (Lithografie). Foto: Wikiipedia gemeinfrei
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Herrenhäuser in Brandenburg Schloss Hohennauen im Havelland wird versteigert

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Viele Brandenburger Herrenhäuser verfallen seit dem Ende der DDR. Das macht den Unterhalt eines "Märchenschlosses" für Investoren schwierig.

Ein spätbarockes Schloss mit drei Flügeln, die sich hufeisenförmig um einen fast quadratischen Innenhof mit Brunnen schließen. Fachwerkfassade. Südflügel mit Terrasse und einer großartigen Treppenanlage zu einem verwilderten Park. Westflügel mit gemauertem Vorbau, wo noch immer die Reste einer mittelalterlichen Burg zu erahnen sind – es hört sich wahrlich märchenhaft an, was im Prospekt von Schloss Hohennauen im Havelland steht. Das alles könnte man günstigstenfalls für 29.000 Euro bekommen. So lautet das Mindestgebot vom Auktionshaus Plettner und Brecht, das am kommenden Freitag das Schloss versteigert.

Der geringe Kaufpreis kommt – man ahnt es – natürlich nur zustande, weil das Märchenschloss eine Ruine ist und der künftige Besitzer mindestens mehrere Millionen Euro investieren muss, um es nutzen zu können.

Damit teilt die Anlage in Hohennauen das Schicksal vieler früherer Herrenhäuser in Brandenburg, die im Volksmund Schlösser genannt werden, sagt Jürgen Klemisch von der Brandenburger Schlösser GmbH: „Dabei ist die Sanierung oft noch nicht mal der Knackpunkt. Viel schwieriger ist die spätere Unterhaltung. In früheren Jahrhunderten wurde das durch die Einnahmen aus den umliegenden Ländereien bestritten, die zu den Herrenhäusern gehörten. Die gibt es leider nicht mehr und alleine tragen sich die Schlösser in den seltensten Fällen.“

Funktionierendes Nutzungskonzept notwendig

Das aber merken manche Investoren erst zu spät. Deshalb sei ein funktionierendes Nutzungskonzept für die Zeit nach der Sanierung fast noch wichtiger als das notwendige Kapital, so Klemisch.
Generell sei es heute aufgrund geringer Zinsen lukrativer als vor 20, 25 Jahren, in Immobilien zu investieren, konstatiert Markus Krause vom Auktionshaus Plettner und Brecht. Zu mehreren Interessenten für das Hohennauer Schloss habe er Kontakt: „Es wird sicher weggehen.“

Die etwa 800 Einwohner von Hohennauen dürften also wieder mal neue Hoffnung schöpfen. Seit vielen Jahren müssen sie dem Verfall ihres Schlosses und seiner Parkanlage tatenlos zusehen. Dabei gehört es schon seit mehr als 300 Jahren zum Ort: 1662 kaufte Johann Gottfried von Rauchhaupt das Land und ließ um 1700 auf den Grundmauern einer alten slawischen Burg das Herrenhaus errichten.

Zu DDR-Zeiten wurde es als Schule genutzt. „Ich hab’ als ganz junge Lehrerin noch darin unterrichtet“, erzählt Petra Rechcygier. Sie leitet den Hohennauener Heimat- und Dorfentwicklungsverein und ist wie viele Einwohner entsetzt, wie es mit dem Schloss abwärts ging, nachdem es 1991 an einen Berater aus Berlin verkauft worden war. „Der hatte zwar angefangen das Dach zu sanieren“, sagt sie, „aber dann sind ihm wohl die Gelder ausgegangen und damit hat der Verfall erst richtig begonnen.“

Interessenten akzeptierten Kaufpreis nicht

Kein Einzelfall, meint der Dezernatsleiter für praktische Denkmalpflege beim Brandenburger Landesamt für Denkmalpflege, Georg Frank. Nach dem Krieg habe man die Herrenhäuser von den Flächen getrennt. Im Zuge der Bodenreform und nach dem Motto „Junkerland in Bauernhand“ gingen die Felder, Wiesen und Äcker zunächst in den Besitz der Neubauern über. Zwar habe man die alten Herrenhäuser später in der DDR nicht adäquat genutzt, aber aus der Not heraus oft als Krankenhäuser, Kinderheime, Schulen oder Verwaltungsgebäude eingesetzt, sagt Frank: „So hielt man sie instand und gab sie nicht dem Verfall preis. Das geschah erst in der Zeit danach, wenn neue Besitzer mit ihren Plänen aus welchen Gründen auch immer scheiterten.“

So erging es auch dem neuen Eigentümer von Schloss Hohennauen, der daraus eine touristische Bildungsstätte machen wollte. Nach seinem Tod erbte sein Bruder das Haus. Der will es nun verkaufen.
„Zuerst hieß es, dass er direkt mit einem Interessenten verhandelt“, sagt Jens Aasmann, der Direktor des Amtes Rhinow, zu dem die Gemeide Seeblick mit Hohennauen gehört. Das sei aber wohl gescheitert.

„Ich hatte sogar drei Interessenten“, sagt der Erbe: „Sie wollten aber den Preis nicht akzeptieren, obwohl der sehr gering war. Deshalb habe ich es jetzt an einen Makler gegeben.“

Nun sind im Dorf alle gespannt, wer neuer Eigentümer wird und was dieser aus dem alten Herrenhaus machen will. Märchenhaft gut, so erzählt man, laufen derzeit (nicht nur) in Brandenburg jene Schlösser, die für eine ganz besondere Nutzung saniert wurden: als besonders exklusive, geheimnisvolle Swingerclubs.

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