Freund der klaren Worte: Boris Palmer. Foto: Christoph Schmidt/dpa
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Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek Berliner Grüne nennt Parteifreund Palmer „einen Irren“

Tübingens Oberbürgermeister hat Böses über Berlin gesagt. Nun ist er am Mittwoch hier zu Gast - bei der CDU. Seine eigene Partei hat ihn nicht eingeladen.

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) besucht am Mittwoch Berlin. Genauer: Er besucht Berlin auf Einladung des CDU-Fraktionschefs Burkard Dregger. Eine Einladung von den grünen Berliner Parteifreunden hat Palmer nicht erhalten. „Mich regt Boris Palmer nicht auf“, sagte Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek. Palmer heische regelmäßig nach Aufmerksamkeit. Burkard Dregger betreibe Berlin-Bashing und lade dann „so einen Irren wie Palmer“ ein. „Aber Berlin ist so tolerant, dass es sowohl Dregger als auch Palmer erträgt“, sagte Kapek dem Tagesspiegel.

Ein offizieller Besuch in der Grünen-Bundestagsfraktion ist nach Aussage der Pressestelle auch nicht geplant. Palmer sagte dem Tagesspiegel, er habe die Einladung der CDU mit „einem Dutzend anderer Termine“ verbunden. Treffen werde er den Grünen-Bundestagsabgeordneten Cem Özdemir.

„Sie verlassen den funktionierenden Teil Deutschlands“

Die Berliner CDU bindet das Treffen öffentlichkeitswirksam mit Rundgängen an Orten ein, die viel politischen Dissens mit Rot-Rot-Grün ausweisen. Darunter sind die Messstationen in der Tempo-30-Zone an der Leipziger Straße und der Görlitzer Park, wo es sicherlich ein kritisches Statement von Dregger geben wird über die von Rot-Rot-Grün beendete Null-Toleranz-Strategie.

Und von Palmer werden natürlich auch klare Worte erwartet. Der 46-jährige Grünen-Politiker, seit 2007 Oberbürgermeister der 88 579 Einwohner zählenden Stadt Tübingen im Schwäbischen, klagte noch im Dezember über Berlin: „Wenn ich dort ankomme, denke ich immer: Vorsicht, Sie verlassen den funktionierenden Teil Deutschlands.“ Diese Worte stießen bei den Grünen in Berlin übel auf.

Im November wollte Boris Palmer in Tübingen als oberster Chef des kommunalen Ordnungsdienstes nach einem Streit mit einem Studenten dessen Personalien feststellen. Der weigerte sich und erstattete Anzeige wegen Nötigung. Nach seiner Klage über Berlin spotteten Parteikollegen über ihn. Er solle woanders die Kehrwoche zelebrieren und sich als Hilfssheriff blamieren, grollte Palmers Parteifreundin, die Berliner Wirtschaftssenatorin Ramona Pop. Jürgen Trittin sprach vom „schwäbischen Wutbürgermeister“.

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