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Am Wochenende wird der Sicherheitsabstand für viele in Berlin kaum einzuhalten sein. Foto: Imago Images/Jens Schicke
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Gebt die Straßen frei! Autos sollten jetzt Platz machen für Fußgänger, Läufer und Radfahrer

Zu Ostern wird der Verkehr zum Erliegen kommen. Gleichzeitig werden Parks und Plätze brechend voll sein. Es gäbe eine einfache Lösung. Ein Kommentar.

Ostern steht vor der Tür und pünktlich hat der Frühling Einzug gehalten. An Ostersonntag werden fast 25 Grad erwartet. In normalen Zeit ein Grund zur Freude, in Corona-Zeiten ein Grund zur Sorge. Denn ein Plätzchen mit den vorgeschriebenen fünf Meter Sicherheitsabstand in Berlins Parks zu finden, dürfte schwerer werden als die Ostereiersuche.

Noch schwerer ist es, die von Sportmedizinern empfohlenen 15 Meter Abstand beim Joggen zum Vorderläufer einzuhalten. Beim Radfahrern empfehlen Forscher aus den Belgien und den Niederlanden immerhin noch 10 Meter Abstand.

[Alle aktuellen Entwicklungen in Folge der Coronavirus-Pandemie finden Sie hier in unserem Newsblog. Über die Entwicklungen speziell in Berlin halten wir Sie an dieser Stelle auf dem Laufenden.]

Schon in den vergangenen Tagen waren viele Grünanlagen voll. So voll, dass sich Sportler, Spaziergänger und Radfahrer gefährlich nahe kamen. Doch wo sollen sie auch hin? In den Innenstadtbezirken Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte, Neukölln, Tempelhof-Schöneberg liegt der Anteil von Grünflächen im Schnitt bei nicht einmal fünf Prozent.

Es ist illusorisch zu glauben, dass die Menschen in den kommenden vier Tagen der sonnigen Versuchung widerstehen und komplett zu Hause bleiben werden. Schon jetzt schwindet einer Studie zufolge in Deutschland die Zustimmung für strenge Corona-Einschränkungen. Ein harter Bußgeldkatalog und restriktive Polizeimaßnahmen werden nicht ewig abschrecken.

[Wie läufts bei Ihnen so? Und wo läuft es sich am besten? In unseren Leute-Newslettern berichten wir über das Kiezleben in den zwölf Berliner Bezirken. Hier kostenlos bestellen: leute.tagesspiegel.de]

Regeln können auf Dauer nur durchsetzbar sein, wenn sie vom überwiegenden Teil der Gesellschaft getragen werden. Hier ist die Politik gefragt. Sie sollte jetzt Platz für Abstand schaffen. Das ist auch in einer Metropole wie Berlin möglich.

Geisterstraßen, aber volle Parks und Plätze?

15 Prozent der Stadtflächen gehen für Verkehrswege drauf. Doch zu Corona-Ostern wird der Verkehr nahezu zum Erliegen kommen. Geisterstraßen, aber volle Parks und Plätze? Das muss nicht sein! Macht die Straßen frei, für die, die sie jetzt brauchen: Radfahrer, Läufer, Spaziergänger, Kinder.

Es muss ja nicht gleich der Avus sein. Unter den Linden als autofreien Boulevard hat sich Rot-Rot-Grün explizit in den Koalitionsvertrag geschrieben – das könnte eine grüne Verkehrssenatorin jetzt umsetzen.

Auch die Straße des 17. Juni würde bis zur Siegessäule niemandem fehlen, ist sie normalerweise doch das halbe Jahr für Großveranstaltungen gesperrt. Wer einmal Marathon durch Berlin gelaufen ist, weiß um die tolle Perspektive auf die Stadt, die ansonsten exklusiv den Autofahrern gehört.

Die größte Entspannung würde aber eine Verkehrs-Entschleunigung vor der Haustür bringen. Spiel- und Sportplätze sind geschlossen, aber auf den Kiez und Anliegerstraßen ist jetzt Platz. Nutzen wir ihn und geben den Menschen ein Stück Berliner Freiheit zurück. Für vier Tage. Es wäre ein schönes, es wäre ein sinnvolles Ostergeschenk.

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