Ein Twerk-Battle in New York. Foto: Reuters/Eduardo Munoz
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Festsaal Kreuzberg Berlins erstes Twerk-Battle

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Beim Twerking liegt der Fokus auf dem Hinterteil. Sexistisch, finden die einen. Genau richtig, sagen die anderen. In Kreuzberg findet am Freitagabend ein großer Wettkampf statt.

Zuckende Po-Muskeln, ruckartige Bewegungen im unteren Kreuz und viel Hüftkreisen – nein, hierbei handelt es sich nicht um Krankengymnastik-Übungen. Im Gegenteil: Eine junge Frau in Shorts und schwarzen Knieschonern hüpft und springt in einem Video durch einen hellen Tanzraum. Zur Musik von Beyoncé lässt sie dabei immer wieder ihr Gesäß kontrolliert wackeln. Twerking nennt man das, was sie tut – für manche ist das einfach Po-Gewackel. Rebecca Most, die Frau aus dem Video, sieht das ganz anders: „Twerking ist eine spezialisierte Tanzart wie jede andere auch“, sagt sie. Stepptanz, Walzer, Flamenco muss man lernen, Twerking auch.

Mit dem Clip hat sich die 25-Jährige beim ersten großen Berlin-Twerk-Battle beworben, das am Freitagabend in Kreuzberg stattfindet. Bei dem Wettkampf treten zwölf Kandidatinnen in drei Durchgängen gegeneinander an, tanzen je eine Minute zu einem Song ihrer Wahl. Eine fünfköpfige Jury – darunter professionelle Tänzerinnen und der Rapper Bass Sultan Hengzt – bewertet das Ganze. Wer gewinnt, entscheidet das Publikum per Applausometer.

Aber wie erkennt man gekonntes Twerking? „Eine facettenreiche Choreografie“, sagt Most, die neben ihrem Job als kaufmännische Angestellte ab und zu privat Twerking-Unterricht gibt. „Die sieht von außen leicht aus“, sagt sie. „Einfach mit dem Po wackeln. Aber man muss viel üben und unterhalten können. Ein und dieselbe Bewegung funktioniert da nicht.“

Veranstaltet wird das Battle von zwei Männern: Christian Jung und Stefan Schmidt von der Veranstaltungsfirma Hip Hop Open Airs Berlin organisieren sonst Elektro- und Hip Hop-Partys. Sie finden, ein Berliner Twerk-Battle sei längst überfällig: „Ich habe ein halbes Jahr in New York studiert“, erzählt Schmidt, „da gab es montags in einer Bar immer Twerk-Wettkämpfe für 50 Dollar Preisgeld.“ Hierzulande fand der 37-Jährige bisher nichts Vergleichbares. Schmidt, der lange für die Hip-Hop-Künstler der Berliner Plattenfirma Aggro Berlin Konzerte veranstaltete, sei bei Videodrehs immer wieder von Tänzerinnen angesprochen worden, ob er ein solches Twerk-Battle veranstalten könne.

Twerking als Subkultur

Twerking wird oft mit traditionellen Tänzen aus Afrika verglichen, wo der Tanzstil wohl auch seinen Ursprung hat. Woher der Begriff kommt, ist unbekannt. Anfang der neunziger Jahre tauchte Twerking in der US-Hip-Hop-Kultur auf. Vor Goldketten, schnellen Autos und Geldbündeln ließen Frauen ihre Pomuskeln vor allem in Rap-Videos spielen. 2013 war die Tanzart so populär geworden, dass sich auch Pop-Star Miley Cyrus durch die Verleihung der amerikanischen Video Music Awards twerkte.

„Twerking ist eine Subkultur, harter Sport“, meint Stefan Schmidt und zieht Vergleich mit Pole Dancing, dem lasziven Tanz an der Stange, der mittlerweile längst auch in Tanzschulen gelehrt und sogar als Uni-Sportkurs angeboten wird. „Und jetzt ist Twerking dran.“

Dem bisherigen Ticketverkauf zufolge wird das Publikum beim Twerk-Battle durchschnittlich 31 Jahre alt und männlich sein. Auf Facebook stößt das Event aber auch bei vielen Frauen auf Interesse. Trotzdem: Lädt das Battle nicht auch ein, nur zum Glotzen zu kommen? „Die Mädels haben sich bei uns beworben – mit Videos, Fotos und kurzem Anschreiben“, betont Schmidt. Man zwinge ja niemanden auf die Bühne. „Es gibt eben ganz viele Mädels, die keinen Bock haben, nur im kleinen Kämmerlein zu tanzen.“

Ausdruck von Frauenpower?

Auch Most will ihre Choreografie endlich auf einer großen Bühne zeigen. Aktuelle Feminismus-Debatten und erotische Tanzbewegungen schließen sich ihrer Meinung nach nicht aus. Im Gegenteil: „Ich habe mit dem Twerking eine Wandlung durchgemacht. Man lernt, mit seinem Körper umzugehen und zeigt ihn dann auch.“ Gerade Frauen könnten damit ihr Selbstbewusstsein stärken. Die Blicke stören Most nicht. „Es ist natürlich jedem selbst überlassen, aber ich finde es schön, wenn Männer mir dabei zusehen“, sagt die Battle-Teilnehmerin, „weil es mir zeigt, dass ich es auch kann.“

Prominente Vorbilder wie die US-Sängerinnen Nicki Minaj oder Beyoncé verkörpern schon länger ein ähnliches Selbstbild von Frauenpower: Selbstbestimmung heißt für sie, auch die Wahl zu haben, sich sexuell aufreizend zu zeigen – und bei Auftritten auch mal zu twerken.

Auf Facebook erteilen die Organisatoren des Berliner Battles der Diskriminierung von Frauen eine Absage. Das Jury-Mitglied und Aftershow-Gast Bass Sultan Hengzt mit vorrangig sexistischen Texten bekannt wurde, ist für Stefan Schmidt kein Problem. „Am Ende ist das hier eine Show und in jeder Jury gibt es auch einen Bösewicht.“

Ganz so wie Stepptanz und Flamenco ist Twerking eben doch nicht.

Das „Berlin-Twerk-Battle 2018“ mit anschließender Aftershowparty findet Freitagabend ab 22 Uhr im Festsaal Kreuzberg, Am Flutgraben 2, statt. Tickets für die Show gibt es ab 12 Euro.

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