Christian Stäblein beim Festgottesdienst in der Berliner Marienkirche. Foto: Christian Ditsch/epd-Pool/dpa
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Erste Predigt von Christian Stäblein Berlins neuer Bischof ruft zum Kampf gegen Antisemitismus auf

Hebräisch und Gebärdensprache: Der neue Landesbischof Christian Stäblein predigt zum Amtsantritt über Frieden, Gerechtigkeit – und biblische Küsse.

Christian Stäblein hat in seiner ersten Predigt als Bischof der evangelischen Landeskirche Berlin-Brandenburg zum Kampf gegen Antisemitismus aufgerufen. „Wir wollen an eurer Seite stehen gegen den Antisemitismus an jedem Ort, besonders in diesem Land“, verkündete Stäblein in der St. Marienkirche in Mitte zunächst auf Hebräisch und dann auf Deutsch. Vor seiner Predigt hatte der Rabbiner Andreas Nachama gemeinsam mit der Pfarrerin der Marienkirche, Corinna Zisselsberger, einen Psalm gebetet.

Stäblein, der bisher Propst war, wurde im April zum neuen Bischof der Evangelischen Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) gewählt. Er löst Markus Dröge ab, der nach zehn Jahren aus Altersgründen aus dem Amt scheidet. In der Marienkirche fand am Sonnabendnachmittag ein Festgottesdienst zur feierlichen Amtsübergabe statt.

Neben hohen Geistlichen waren auch Politiker wie der Regierende Bürgermeister Michael Müller und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (beide SPD) anwesend.

Gemeinsam mit Rabbinern und Imamen wolle er für Frieden und Gerechtigkeit beten, sagte Stäblein in seiner Predigt. Er forderte die Mitglieder seiner Gemeinde auf, selbst aktiv zu werden. Wie die Brandenburgerin, die für Geflüchtete im Fläming Ausbildungsplätze findet, oder der Nachbar, der seit 20 Jahren im Hospiz im Potsdam vorliest.

Die Predigt begann mit einer Geste

Gegen Angriffe auf Juden gelte es, laut zu werden und zu kämpfen, sagte der Theologe, der 2002 mit einer Arbeit über „Predigen nach dem Holocaust“ promoviert wurde. „Müde dürfen wir nicht werden, dagegen zu stehen“, sagte Stäblein.

Seine Predigt begann der neue Landesbischof mit einer Geste: Die Fingerspitzen aufeinandergelegt, die Hände leicht gekrümmt. Es ist die Geste für „Küssen“ in Gebärdensprache. Damit ging er ein auf die Zeile aus Psalm 85, den Nachama und Zisselsberger zuvor gemeinsam gebetet hatten, in dem „Gerechtigkeit und Friede sich küssen“. Auch das letzte Wort seiner Predigt überließ er einem Gebärdendolmetscher. „Mit den Augen hören“, sollten die 700 geladenen Gäste des Gottesdienstes.

[Hier können Sie eine schriftliche Vorabfassung der Predigt lesen]

Stäblein spricht auch über Missbrauch

Stäblein sprach vom Küssen als Glück, ganz gleich, ob es um „die frisch Verliebten auf dem Adventsmarkt“ oder dem, „der sich mit 59 endlich sein Coming-out getraut hat“ geht – ein klares Bekenntnis für die Akzeptanz der LGBTI-Gemeinde in der Kirche. Auch an die Küsse derer, die sich 1989 nach dem Fall der Mauer in den Armen lagen, erinnerte Stäblein.

Der 52-Jährige nahm in seiner Predigt aber auch explizit auf die dunklen Seiten der Kirche Bezug, den Missbrauch von Kindern durch Geistliche. Das Reden vom Küssen sei oft pervertiert worden „von uns, Menschen der Kirche“, sagte Stäblein. „Küsse, unerträglich, unendlicher Verrat, Verbrechen.“ Niemals wieder dürfe dies passieren.

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