Während eines Einsatzes in der Oranienstraße, wo am 1. Mai eine Demo stattfand, kam es zu einem Übergriff auf eine Journalistin. Foto: Michael Kappeler/dpa
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Update Ermittlungen gegen Polizist Fernsehjournalistin bei Einsatz am 1. Mai in Berlin mit Faust ins Gesicht geschlagen

Eine 22-Jährige soll in der Oranienstraße von einer Einsatzkraft geschlagen und verletzt worden sein. Der Schlag sei "gezielt" gewesen.

Bei einem Polizeieinsatz am 1. Mai in Kreuzberg soll eine Journalistin durch einen Polizisten mit einem Faustschlag im Gesicht verletzt worden sein. Das teilte die Berliner Polizei am Montag mit. 

Dem Tagesspiegel sagte die 22-jährige Fernsehjournalistin Lea R., dass sie und ihr Team gerade Dreharbeiten am Rande der Demonstrationen in der Oranienstraße beendet hätten. Ihr vollständiger Name ist dem Tagesspiegel bekannt. R. war demnach Teil des Produktionsteams einer Nachrichtenagentur für Fernsehbilder. 

Gegen 23 Uhr soll ein Polizist auf sie zu gekommen sein und ihr direkt mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. "Das war überhaupt nicht absehbar", sagte sie dem Tagesspiegel. Der Schlag war aus ihrer Sicht "gezielt". In der "RBB-Abendschau" am Montagabend sagte die 22-Jährige, dass der Polizist dabei einen nicht zugelassenen, plastikverstärkten Handschuh getragen habe. Der Polizist soll Teil der 15. Einsatzhundertschaft der Berliner Polizei gewesen sein.

Das Fernsehteam hatte Festnahmen gefilmt

Sie sei unter anderem mit einer Tonangel und weiterer Tontechnik ausgestattet und damit klar als Teil des Filmteams erkennbar gewesen sein, sagte sie. Kurz zuvor soll das Fernsehteam vor Ort Aufnahmen gemacht haben und unter anderem eine Festnahme gefilmt haben.

In einem Video, das dem Tagesspiegel vorliegt, sieht man eine Rangelei und R. nach dem Schlag am Boden liegen. Ihre Kollegen rufen im Hintergrund "Presse! Presse!". 

Durch den Schlag brachen zwei Zähne ab

Eine ärztliche Untersuchung am folgenden Tag ergab, dass ihr zwei Zähne abgebrochen waren. Außerdem erlitt sie Prellungen im Gesicht. Am selben Tag zeigte die Journalistin den Angriff auf sie an. Der „taz“ sagte die Journalistin, dass sie die Berliner Polizei auf Schadenersatz und Schmerzensgeld verklagen wolle.

Christian Mihr, Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen in Deutschland, verurteilte den Angriff auf Twitter als "inakzeptabel". 

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Ein Fachkommissariat der Polizei für Beamtendelikte, das beim Landeskriminalamt angesiedelt ist, führt nun Ermittlungen wegen Körperverletzung im Amt. 

Thilo Cablitz, Sprecher der Berliner Polizei, bestätigte gegenüber dem Tagesspiegel, dass R. ihm den Vorfall am Montag geschildert habe. Er habe ihr das weitere Verfahren erläutert und dass es jetzt darum ginge, die Hintergründe der im Raum stehenden Körperverletzung aufzuklären. Er habe Hilfsangebote für Opfer von Gewalterfahrungen aufgezeigt und erklärt, dass es ihm aufrichtig leid täte, wenn sich der Verdacht bestätigt, sagte Cablitz. 

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in Verdi Berlin-Brandenburg forderte eine rasche Aufklärung des Falles sowie disziplinarische Konsequenzen. „Die Polizei hat die Presse, die eine öffentliche Aufgabe erfüllt, zu unterstützen und vor Übergriffen zu schützen und nicht niederzuschlagen“, sagte Landesvorsitzende Renate Gensch einer Mitteilung zufolge. (mit dpa)

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