Diese Simulation von der fertigen Fabrik twitterte Tesla-Chef Elon Musk nach der Freigabe der Rohbauarbeiten. Simulation: Twitter/Elon Musk
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Update Elon Musks Bild von der „Gigafactory“ Tesla geht ins Risiko – Brandenburg gibt grünes Licht für Rohbau

Das Umweltamt erlaubt dem US-Autobauer, Hallen noch vor der Hauptgenehmigung zu errichten. Ein Video zeigt: Alles ist bereit. Elon Musk kennt schon das Ergebnis.

Der US-Konzern Tesla darf bei der in Grünheide geplanten Europa-Gigafabrik (GF4) für Elektroautos weiter Gas geben. Brandenburgs Landesumweltamt hat Tesla jetzt die Erlaubnis erteilt, noch vor Abschluss des Hauptgenehmigungsverfahrens für die Fabrik nun auch bereits mit den meisten Rohbauarbeiten zu beginnen. Und zwar auf eigenes Risiko. Sollte die GF4 nicht genehmigt werden, müsste Tesla den Ursprungszustand wiederherstellen.

Es ist inzwischen bereits die vierte Zulassung eines vorzeitigen Baubeginns, der nach Paragraf 8a des Bundesimmissionsschutzgesetzes möglich und zulässig ist, wenn nichts grundsätzlich gegen die Genehmigungsfähigkeit spricht und der Investor das Risiko übernimmt.

Auf diesem Weg hatte Tesla bereits 92 Hektar Kiefernwald roden, das Baufeld freimachen und erste Fundamentarbeiten vornehmen dürfen. Zugelassen wurden diesmal, wie das Umweltministerium am Dienstag mitteilte, „unter anderem Gründungs- und Fundamentarbeiten oberhalb des Grundwasserleiters, Erdarbeiten, Rohbaumaßnahmen und die Errichtung der privaten Verkehrsflächen auf dem Gelände.“

Parallel läuft weiter das eigentliche Genehmigungsverfahren für die Fabrik, in der Tesla nach wie vor ab Juli 2021 die ersten Fahrzeuge der Reihe Y vom Band rollen lassen will. In der weltweit vierten Tesla-Gigafactory von Tesla sollen jährlich 500.000 Autos für den europäischen Markt produziert werden.

Das Umweltministerium betont, dass alle am Genehmigungsverfahren beteiligten Behörden der Zulassung für den vorzeitigen Start des Rohbaus zugestimmt hätten.

Auf der Tesla-Baustelle ist alles vorbereitet

Mit dem grünen Licht aus Potsdam können auf der Großbaustelle am östlichen Berliner Ring nahe der Autobahnabfahrt Freienbrink die Arbeiten im bisherigen Rekordtempo weitergehen. Tesla-Chef Elon Musk feierte die Freigabe auf seine Weise: In der Nacht zu Donnerstag twitterte er eine Simulation der fertigen Fabrik.

Alles ist vorbereitet. Das belegen aktuelle Drohnenvideos auf Youtube, mit denen etwa der Brandenburger Tobias Lindh den Baufortschritt dokumentiert: Kräne stehen, auch ein kleines Betonmischwerk, einige Fundamente sind fertig. Betonplatten, in den letzten 14 Tagen angeliefert, liegen bereit.

Mit der neuen Zulassung können etwa zwei Drittel der beiden großen Fabrikhallen und Zwischengebäude der Gigafactory errichtet werden – mit zwei Ausnahmen: Das künftige Presswerk für Karosseriebleche und die Gießerei, die Teil der großen Südhalle (287.000 Quadratmeter Bruttogrundfläche) sind, brauchen dort stabilere, tiefere Fundamente.

Betonpfeiler darf Tesla noch nicht in den Boden rammen

Dafür sind Pfahlgründungen nötig, bei denen mindestens einige Hundert Betonpfeiler in den Boden gerammt werden müssen. Diese Pfahlgründungen darf Tesla, anders als zunächst berichtet, nicht vornehmen. „Alle baulichen Anlagen oberhalb der geplanten Pfahlgründungen sowie Bauteile und Leitungen unterhalb des Grundwasserleiters sind nicht in der Zulassung enthalten“, teilt das Ministerium mit.

Baukräne und Baumaschinen sind auf dem Gelände der künftigen Tesla-Fabrik zu sehen. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa Vergrößern
Baukräne und Baumaschinen sind auf dem Gelände der künftigen Tesla-Fabrik zu sehen. © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Dafür ist ein gesonderter Antrag erforderlich, den Tesla offenbar vorbereitet. In den letzten Wochen hatte der US-Konzern Testpfähle rammen dürfen. Ziel war es, zu ermitteln, wie tief sie in den Boden müssen – es ist Trinkwasserschutzgebiet – und durch genauere Planungen die Zahl der nötigen Pfähle auf ein Minimum zu reduzieren.

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Müsste die gesamte Fabrik auf Pfähle errichtet werden, wie etwa viele Bauten in Berlin, wären 10.000 bis 15.000 Pfähle nötig. Wegen der Pfahlgründungen, aber auch wegen einer inzwischen geplanten Teststrecke hatte Tesla den Hauptantrag für die Fabrik nachgebessert, gegen die es 370 Einwendungen gab und eine Bürgerinitiative mobilisiert.

Die veränderten Unterlagen werden bis Anfang August in Rathäusern und Behörden ausgelegt, sind zudem online veröffentlicht. Für den 23. September ist in der Stadthalle Erkner der Erörterungstermin angesetzt, der wegen der Corona-Pandemie im März geplatzt war – ein Showdown. Da wird die Gigafabrik wohl schon im Rohbau stehen.

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