Gerald Uhlig im Cafè Einstein Unter den Linden Foto: Doris Spiekermann-Klaas
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Einstein Unter den Linden Café-Einstein-Gründer Gerald Uhlig ist verstorben

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Künstler, Produzent, Gastronom: Gerald Uhlig hat mit dem Café Einstein Unter den Linden ein Gesamtkunstwerk geschaffen. Anfang Juli ist er verstorben. Ein Nachruf.

Eine traurige Nachricht gibt es aus der Berliner Gastronomie: Am 4. Juli ist Gerald Uhlig, der Gründer des Café Einstein Unter den Linden, im 64. Lebensjahr gestorben. Seines Lebens Wechselspiel hatte Höhen und Tiefen. Er war Künstler, Regisseur und Schauspieler. Autor und Produzent. Maler, Fotograf. Und schließlich, seit 1996, Gastronom, als er das Café Einstein Unter den Linden gründete, das mitsamt den im neuen „Haus Pietzsch“ installierten Ausstellungen zum Begriff nicht nur für großformatige Fotokunst, sondern auch für eine kultivierte Gastronomie wurde.

In dem Eckhaus mit seinen kaffeebraunen Ledersitzen füllen nicht nur die Namen von Prominenten aus Kunst und Politik die dickleibigen Vorbestellungsbücher – hier kann, so er noch einen Platz findet, jedermann freundlich begrüßter Gast sein. Udo Lindenberg in der gemütlichen Sitzecke hinten links ebenso wie Joschka Fischer, die alten und neuen Granden der SPD und die Kanzlerin, daneben die vielen „Linden“-Touristen aus dem eigenen Land.

Vererbte Wiener Kaffeehaustradition


Das Einstein war Uhligs Berliner Unikat in der City Ost: Der Gründer, zuvor am Ur-Einstein in der Kurfürstenstraße beteiligt, bezirzte durch seinen Künstlerschal über der Schulter und diesen wunderbaren Wiener Akzent, er hat an der Donau die Schönen Künste studiert und seinem Gesamtkunstwerk Unter den Linden die Wiener Kaffeehaustradition vererbt: Zig Varianten duftenden Kaffees stehen auf der Karte, zuvor sollte sich der Gast das Backhendl oder das berühmte Wiener Schnitzel schmecken lassen.

Eine Oase in dieser Wüste


Vor zwei Jahren hatte Gerald Uhlig-Romero, so sein Künstlername, das Einstein als „Kombination aus Kaffeehaus und Kunstort“ an eine Gastronomiekette verkauft, geblieben ist Uhligs Anspruch, eine Mischung aus Qualität, Philosophie und Ästhetik. „Leider ist der Boulevard Unter den Linden das Gegenteil“, sagte er einst der „Berliner Zeitung“. „Er ist eine Mutation, hässlich, eine ewige Baustelle, ein von der Politik vernachlässigtes Stiefkind. Unter den Linden ist eine weltbekannte Marke, und keiner macht was draus. Das Einstein ist seit 1996 die kleine Oase in dieser Wüste.“
Uhlig litt seit seiner Kindheit an Morbus Fabry, einer seltenen Stoffwechselkrankheit, mit Schmerzen und Krämpfen. Auch Tochter Geraldine (17) hatte das Leiden geerbt. Mutter Mara starb vor sechs Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs. 2006 hatte sie Gerald Uhlig eine Niere gespendet. „Und trotzdem lebe ich! Mein Kampf mit einer rätselhaften Krankheit“ heißt das Buch, das er darüber geschrieben hat.

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