Tagesspiegel Plus - jetzt gratis testen
Eine Familie mit selbstgemachten Mundschutzmasken im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos. Dort herrschen katastrophale Zustände. Foto: Manolis Lagoutaris/ AFP
© Manolis Lagoutaris/ AFP

Einrichtung einer "Luftbrücke" geplant Verein "Mission Lifeline" will Geflüchtete von Lesbos nach Berlin fliegen

Jana Kamm

Im Lager Moria in Griechenland droht eine humanitäre Katastrophe. Ein Verein will nun Geflüchtete retten und nach Berlin bringen. Zwei Flüge seien schon finanziert. 

Der Verein "Mission Lifeline" will Geflüchtete aus dem völlig überfüllten Flüchtlingslager Moria in Griechenland retten und von Lesbos nach Berlin fliegen. Das teilte der Verein am Dienstag in einer Pressemitteilung mit.

Der Verein aus Dresden reagiere damit auf die Ankündigung des Jusitzsenators Dirk Behrend, bis zu 1500 Menschen aus Lesbos zu evakuieren, sollte die Bundesregierung nicht binnen sehr kurzer Zeit für eine sofortige Aufnahme entscheiden.

„Der herannahenden Katastrophe müssen wir jetzt mit aller Kraft begegnen. Es ist deshalb notwendig, dass Staat und Zivilgesellschaft diese Mammutaufgabe gemeinsam schultern. Berlin zeigt sich wieder einmal als Stadt mit Herz!“, sagte Sprecher und Mitbegründer des Vereins, Axel Steier.

Zwei Flüge sind bereits finanziert

Mission Lifeline habe bereits 55.000 Euro gesammelt, diese Mittel seien Anfang März innerhalb von wenigen Tagen gesammelt worden. Mittlerweile seien bereits zwei Flüge finanziert. Nun wolle man Spenden für weitere Flüge sammeln. 

Mithilfe der Zivilbevölkerung wolle man eine "Luftbrücke" bauen, um die Menschen "aus den Elendslagern" zu retten. "Das ist ein wahres Zeichen gelebter Demokratie und Menschlichkeit", so Steier. 

Man habe bereits mit einem Flugdienstleister Vertragsverhandlungen geführt und sei in der Lage schnell zu handeln.

[Aktuelle Entwicklungen der Coronavirus-Pandemie können Sie hier im Newsblog verfolgen]

Berlins Vizebürgermeister Klaus Lederer (Linke) widersprach am Dienstag nach der Sitzung des Berliner Senats hingegen dem grünen Justizsenator Dirk Behrendt. Lederer hält es für unrealistisch, derzeit 1500 Geflüchtete aus Lesbos nach Berlin zu holen. 

Er sagte: "Es geht nicht um 1500 für Berlin, sondern es geht um 1500 gemeinsam mit anderen Städten." Zur Begründung erklärte der Kultursenator: "Denn wir haben die Verantwortung dafür, dass wir den Menschen, denen wir in dieser Situation helfen, auch hier adäquat gerecht werden können."

[Behalten Sie den Überblick: Corona in Ihrem Kiez. In unseren Tagesspiegel-Bezirksnewslettern berichten wir über die Krise und die Auswirkungen auf Ihren Bezirk. Kostenlos und kompakt: leute.tagesspiegel.de]

Mit Blick auf die Flüchtlingsunterkünfte ergänzte Lederer: "Wenn die eine nach der anderen in Quarantäne gesetzt werden, und man hat noch nicht die ausreichende Ausstattung, dann ergeben sich Folgeprobleme."

Justizsenator Behrendt drängt auf schnelles Handeln bei der Hilfe für unbegleitete Minderjährige auf der griechischen Insel Lesbos.

In einem Interview mit dem "Tagesspiegel" sagte er, wenn auf Bundesebene nicht schnell etwas passiere, sei Berlin bereit, eigene Schritte zu gehen und Menschen aus Lesbos auszufliegen: "Diskutiert wird - was die Rolle Berlins angeht - über Zahlen zwischen 500 und 1500 oder auch noch mehr."

"Eine humanitäre Katastrophe"

Lederer betonte, die Grundhaltung des Senats sei klar: "Die Zustände in den Lagern auf Lesbos beispielsweise sind eine humanitäre Katastrophe." Es sei verantwortungslos zuzulassen, dass die Geflüchteten und insbesondere die unbegleiteten Minderjährigen dort unter nicht akzeptablen Bedingungen untergebracht seien. "Wir hoffen und erwarten, dass auf der Ebene der Bundesregierung der Weg freigemacht wird, dass die Länder und Kommunen, die helfen wollen, auch tatsächlich helfen können."

Behrendt hatte kritisiert: "Es ist schon sehr begründungsbedürftig, warum es dem Bund in der Coronakrise binnen weniger Tage gelingt, mehr als 170.000 Urlauber aus allen Teilen der Welt heimzufliegen und es zugleich nicht gelingt, die Geflüchteten auf Lesbos aus ihrer unerträglichen Situation zu befreien und nach Deutschland zu holen." (mit dpa)

Zur Startseite