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Driving Home for Christmas? Fünf Zahlen, die zeigen, ob die Berliner Weihnachten zu Hause bleiben

Weihnachten gehört die Stadt traditionell den Ur-Berlinern. Doch bleiben in Corona-Zeiten jetzt auch die Zugezogenen zu Hause? Fünf Zahlen geben Antwort.

Jedes Jahr startet in Berlin zur Weihnachtszeit der traditionelle Exodus. Die Neuberliner, egal wie lange sie schon in der Stadt leben, machen sich auf den Weg in ihre Heimatdörfer und Städte.

Die Ur-Berliner freuen sich über freie Parkplätze vor dem Haus, auf leere Parks für Winterspaziergänge und Fahrten mit dem Öffentlichen Nahverkehr ohne unerwünschten Knuffelkontakt.

Normalerweise. Denn wegen der weiter steigenden Infektionszahlen, soll ja eigentlich niemand verreisen. Ist dieses Jahr also alles anders? Fünf Zahlen zeigen, wie das Virus das Fest verändert.

Tief verwurzelt

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Wer nicht verreist und sich in normalen Jahren an fremden oder elterlichen Weihnachtsbäumen erfreut, braucht diesmal einen eigenen. Logisch. Weihnachtsbaum-Erzeuger und Verkäufer rechnen daher damit, dieses Jahr zehn Prozent mehr Bäume zu verkaufen. Wie viele es wirklich waren, kann der Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger derzeit noch nicht sagen. „Klar ist aber, dass dieses Jahr die Weihnachtsbäume schon deutlich früher gekauft werden“, sagt Sprecherin Saskia Blümel. 29,8 Millionen Weihnachtsbäume wurden 2019 deutschlandweit verkauft. Dieses Jahr könnten also zwei, drei Millionen dazu kommen. Einzelne Verkäufer berichten lokal sogar von einem Umsatzplus von mehr als 40 Prozent. Eine Garantie, dass die Berliner sich wirklich über die Feiertage nur mit ihrer Kernfamilie versammeln, ist das natürlich noch nicht.

Gans oder gar nicht

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Bester Grund, Weihnachten nicht zu Hause zu verbringen: Man muss nicht selber kochen. Auch logisch. Daher Stichprobe beim Biohof am Jakobsweg, einem der größten Lieferanten für Weihnachtsgänse in Berlin. 2019 haben sie dort vor den Festtagen 650 Weihnachtsgänse allein nach Berlin geliefert, berichtet Biohof-Chef Michael Chickowsky. Am Montag vor dem ersten Lockdown-Weihnachten waren die Vorbestellungen auf weit über 1000 Gänse angestiegen. Ein Plus von deutlich mehr als 50 Prozent. Und sicherer Indikator dafür, dass der Verwandtenbesuch bei diesen Berlinern dieses Jahr ausfällt.

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Allerdings: eine ganze Gans dürfte für mehr als einen Haushalt reichen. Die Infektionszahlen im Januar werden zeigen, wer zum Essen kommt.

Sie haben ihr Ziel erreicht

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Ein Großteil der Berliner scheint aber vernünftig zu sein. Das zumindest legen Mobilitätsdaten nahe, die Google seit Beginn der Pandemie aufgeschlüsselt nach Regionen veröffentlicht. Dafür wertet das Unternehmen die Daten von Google-Maps aus. Für Berliner hieß das mit Stand 15. Dezember: 31 Prozent weniger Menschen halten sich an Haltestellen und Bahnhöfen auf. Und wer nicht am Bahnhof ist, kann nicht in den Zug in die Heimat steigen. Logisch.

Dafür halten sich zehn Prozent mehr Berliner an ihren Wohnorten auf und sieben Prozent mehr in Läden des täglichen Bedarfs. Allerdings beginnt der Exodus in Berlin längst nicht für alle schon Mitte Dezember.

In vollen Zügen genießen

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Die Bahn rechnet nicht damit, dass die Leute das Verreisen sein lassen und hat über die Feiertage bundesweit 100 Sonderzüge im Einsatz. Doppelt so viele wie im vergangenen Jahr. Logisch, weil ja wegen der Corona-Beschränkungen auch nur jeder zweite Sitzplatz reserviert werden kann.

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Wie viele Sitzplätze über die Feiertage für Reisen aus Berlin heraus reserviert wurden, konnte ein Bahnsprecher auf Nachfrage nicht sagen. Insgesamt stelle man aber durch engere Taktung und mehr Verbindungen insgesamt 13.000 zusätzliche Sitzplätze bereit. Es hilft, aber nicht viel. Im Buchungssystem der Deutschen Bahn für Verbindungen von Berlin in den Süden leuchtet verlässlich die Anzeige „Hohe Auslastung“ auf.

Ab in den Weihnachtstruck

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Bleibt für Berlin-Flüchtlinge also eigentlich nur das Auto, epidemio-logisch. Ist allerdings gar nicht so einfach noch spontan ein Auto zu kriegen. Das Vergleichsportal Check24.de warnt seit Tagen: „In Berlin werden vom 23.12.2020 bis 28.12.2020 viele Mietwagen gebucht.“ Wer überhaupt noch einen Mietwagen bekommt, kann sich anschnallen. Denn die Preise richten sich nach der Nachfrage: 213 Euro pro Tag kostete kurz vor Weihnachten ein Kleinwagen von Skoda. Und auch die waren zwischenzeitlich komplett ausgebucht.

Bis zuletzt blieben nur Luxusautos wie ein Porsche Cayenne oder ein Tesla für mehrere hundert Euro Miete pro Tag verfügbar. Auch die sind jetzt ausgebucht. Wer sich beim Heimatbesuch zusätzlich zur Gesundheit nicht auch noch das Konto ruinieren will, muss deshalb auf Lieferwagen umschwenken. Die gibt es in Hülle und Fülle noch zu normalen Preisen. Genau so hatte man sich ja Chris Rea auch immer vorgestellt, wenn er Weihnachten singend nach Hause fuhr.

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