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Fast wie in Südostasien: In den Hallen des Dong-Xuan-Center in Berlin-Lichtenberg bieten mehrere Händler Lebensmittel aus Asien an - völlig legal. Anders als die vielen Dienstleister, Friseursalons zum Beispiel. Foto: Jens Kalaene/dpa
© Jens Kalaene/dpa

Dong-Xuan-Center in Lichtenberg Bezirk duldet 48 Friseur- und Kosmetikstudios ohne Betriebserlaubnis

Pauline Faust

Seit 15 Jahren begrüßen südostasiatische Händler und Dienstleister im Dong-Xuan-Center in Berlin-Lichtenberg Kunden. Viele offenbar ohne Rechtsgrundlage

15 Euro für einen Damenhaarschnitt: Im Dong-Xuan-Center in Lichtenberg ist eine neue Frisur sehr günstig. In dem berlinweit einzigartigen Einkaufszentrum befinden sich mittlerweile 48 Friseur- und Kosmetikstudios. Laut Genehmigungsrecht dürfte es aber nicht eines davon geben. Sie gehören nämlich nicht zum Großhandel, für den das Center ursprünglich von den Behörden genehmigt worden ist.

Das Center gibt es seit 2005, seit Jahren aber setzt der Bezirk nicht das geltende Recht um: Es geht nicht nur um Friseure. Auch Privatpersonen dürften eigentlich nicht im Großhandel einkaufen. Trotzdem erledigen ganze Familien hier ihre Wocheneinkäufe, Touristen posten Fotos auf Instagram und kaufen Berlin-T-Shirts.

Der Ort verbindet die Spree mit dem Mekong wie kein zweiter. Er fasziniert viele Einheimische wie Touristen. 2019 ließen gleichwohl zwei Großbrände Zweifel an der Sicherheit aufkommen. Und auch wurden einzelne Händler vor Ort in Zusammenhang mit kriminellen Aktivitäten wie zum Beispiel Menschenhandel gebracht.

Das Bezirksamt Lichtenberg steht vor einem Dilemma: Die Läden zu schließen und so das geltende Recht umzusetzen oder Arbeitsplätze und ein Stück Kultur erhalten. „Hier haben Menschen sich eine Existenz aufgebaut“, sagt der Bezirksstadtrat für Wirtschaft, Kevin Hönicke (SPD). „Wir müssen das sozialverträglich gestalten.“

Der Bezirk sieht sich vor einem Dilemma

Hönicke und der für das Ordnungsamt zuständige Bezirksstadtrat Martin Schaefer (CDU) suchen noch nach Lösungen: „Den Wildwuchs wollen wir künftig unterbinden, aber für die, die hier sind, eine Perspektive entwickeln. Das wird schwierig, denn das Gelände des ehemaligen VEB Elektrokohle an der Herzbergstraße ist ein Gewerbegebiet und dort ist Einzelhandel grundsätzlich nicht erlaubt.

Ein paar wenige Friseure könnten man als Betriebsfriseure wohl tolerieren, auch dürfen Großhändler sicher eine Betriebskantine betreiben. Sollte das Konzept aber zu locker gefasst sein, würde es zum dauerhaften Regelverstoß einladen und Privatpersonen weiter im Center einkaufen.

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Etablierte Großhändler wie die Kette Metro setzten das Gesetz um, indem sie Kunden erst nach Nachweis der Selbstständigkeit eine entsprechende Karte ausstellen, die zum Einkauf berechtigt. Ein ähnliches Modell diskutiert der Bezirk auch mit der Geschäftsführung des Dong-Xuan-Centers. Diese, so Hönicke, sei „bemüht“, doch leider würden die Anmerkungen des Bezirksamtes nicht sehr nachhaltig umgesetzt. „Wir können nicht jeden Monat kontrollieren“, kapituliert Hönicke. Er setzt auf Eigenverantwortung, die Betreiber sollten wissen, an wen sie verkaufen dürfen.

Das Dong-Xuan-Center in Lichtenberg existiert seit 2005 und ist ein Fixpunkt vor allem für Berliner mit Wurzeln in Vietnam. Foto: Kitty Kleist-Heinrich Vergrößern
Das Dong-Xuan-Center in Lichtenberg existiert seit 2005 und ist ein Fixpunkt vor allem für Berliner mit Wurzeln in Vietnam. © Kitty Kleist-Heinrich

„Nach meinen Recherchen haben Bezirk und Center wenig Interesse etwas zu ändern“, behauptet Joe Ritter, ein Berater in der Friseurbranche. Er hat sich bei der Verwaltung beschwert. „Es ist unfair, andere Läden müssen bei so etwas harte Strafen zahlen.“ Es gehe um fairen Wettbewerb, so Ritter. Ein Großhandel genieße Vorteile gegenüber dem Einzelhandel, zum Beispiel die Erlaubnis zum Verkauf am Sonntag. Hier haben auch die Friseur- und Kosmetikstudios am Sonntag geöffnet. Zu mindestens das will das Bezirksamt nun anders regeln, kündigt Hönicke an. Die Center-Geschäftsführung war für eine Stellungnahme in der Sache nicht erreichbar.

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