Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland

Motive und das Alibi

Die komplette Exklusiv-Recherche Neue Indizien und Widersprüche: Auf der Spur des Maskenmanns

Der Abschlussbericht der Polizeiermittlungen vom November 2012 zu der Spur von Anton L. ist kurz. „Die Ermittlungen zur Person (...) ergaben, dass dieser am 6.10.2012 im Rahmen der Rufbereitschaft in der Polizeihubschrauberstaffel gegen 4.00 Uhr wegen der BAO Imker zum Einsatz gebracht worden ist. Herr ... übernahm dann auf der Dienststelle die Funktion eines Flugkoordinators. Um 10 Uhr wurde er noch am gleichen Tag aus dem Einsatz entlassen. Insofern verfügt Herr ... über ein plausibles Alibi und scheidet als möglicher Täter für die Entführung von Stefan T. und weiter dann auch für die Angriffe gegen Familie P. aus.“

Ein riesiges Aufgebot der Polizei suchte nach dem Tatverdächtigen. Zwar waren zahlreiche Hinweise eingegangen, die Ermittlungsarbeit war aber mühsam. Foto: Thomas Schröder Vergrößern
Ein riesiges Aufgebot der Polizei suchte nach dem Tatverdächtigen. Zwar waren zahlreiche Hinweise eingegangen, die Ermittlungsarbeit war aber mühsam. © Thomas Schröder

Anton L. war als Polizist in die Ermittlungen einbezogen – mittelbar. Niemand prüfte, was er als „Flugkoordinator“ genau zu tun hatte, was er vorher und später tat. Tatsache ist: Am 5. 10. 2012 hatte er bis 19 Uhr Dienst, aber nicht zum Entführungszeitpunkt um 21.30 Uhr. Was er tat, daran kann sich seine Frau nicht mehr erinnern. Ein Vergleich ihres Familienkalenders von 2012 mit dem Dienstplan zeigt, dass seine ihr angegebenen Arbeitszeiten nicht immer mit den Schichten übereinstimmen. Zudem hatte er an Tagen, die im Dienstplan als Urlaub, medizinische Untersuchung oder Bereitschaft eingetragen waren, schwarz bei der privaten Hubschrauberfirma gearbeitet.

Anton L. fuhr nicht gleich nach Hause

In der Nacht vom 5. auf den 6.10. 2012 – so das Opfer – hätte er voll gefesselt am Ablageort gelegen und erst wieder morgens um 11 Uhr Kontakt zum Entführer gehabt.

Tatsache ist, dass Anton L. in der Nacht keinen Flug koordinieren musste, weil bis zum Morgen kein Hubschrauber in die Luft ging. Obwohl er laut Abschlussbericht um 10 Uhr früh aus dem Dienst entlassen wurde, fuhr er nach Aussagen seiner Frau nicht gleich nach Hause. Sie sagt auf Nachfrage: „Ich kann mich noch gut an diese Nacht vom 6. Oktober erinnern, weil er zum Dienst rausgeklingelt wurde, so gegen 3 oder 4 Uhr. Das war doch eher selten der Fall.“ Ihr Mann hätte beim Abschied von einer Entführung gesprochen, wegen der er losmüsste. „Er kam dann an diesem Samstag erst gegen frühen Abend nach Hause, also dem 6. Oktober 2012 so gegen 18 Uhr. Ich habe ihn noch gefragt, was los war. So eine Entführung war doch spektakulär, auch noch bei uns in der Nähe.“ Er habe geantwortet, dass es eher langweilig gewesen sei oder er die ganze Zeit rumgesessen habe. Sie seien nicht mit dem Hubschrauber geflogen, berichtet die Frau. Und das stimmt. Der Hubschrauber, der dann von seinem Kollegen geführt wird, fliegt erst gegen 17 Uhr. All das hätte die Ehefrau der Polizei erzählt, wenn sie gefragt worden wäre.

Laut Dienstplan hat er kein Alibi

Als Stefan T. nach der Entführung wieder Kontakt mit dem Entführer gehabt haben soll, gegen 11 Uhr an diesem Samstag, war Anton L. außer Dienst, aber nicht zu Hause. Folgt man den Schilderungen des Opfers, hat der Täter ihn erst um diese Zeit von den Fesseln befreit; dann musste er die Erpresserbriefe schreiben. Gegen 17 Uhr wäre er wieder „voll gefesselt“ worden, mit Klebeband und auch Ohrstöpseln. In einer Rekonstruktion demonstriert er das den Polizisten und erklärt, dass er nach dieser Zeit keinen Kontakt mehr zum Täter hatte. Anton L. wäre – falls seine verlassene Frau recht hat – erst gegen 18 Uhr zuhause. Der Ablageort liegt nur wenige Minuten entfernt.

Für die ersten beiden Taten ergibt sich, zumindest aus seinem Dienstplan, kein Alibi für Anton L.

Zur Startseite