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Im Leben von Anton L.

Die komplette Exklusiv-Recherche Neue Indizien und Widersprüche: Auf der Spur des Maskenmanns

Es gibt viele Fragen an Anton L. Konfrontiert damit vor seinem Haus will er dazu keine Auskünfte geben. Nur auf die Frage, ob er finanzielle Schwierigkeiten habe, grinst er und streitet es ab. „Alles Quatsch.“

Belegt und für die Ermittler ersichtlich ist: Die Handynummer von Anton L. war bei allen drei Taten in der entsprechenden Funkzelle der Tatorte eingeloggt. Und am 5. Oktober 2012, am Tag der dritten Tat, schloss er einen weiteren Vertrag mit einer Telefonfirma ab. Auch diese Nummer wurde am letzten Tatort geortet. Das alles kann etwas heißen, muss es aber nicht. Es kann auch Zufall sein. Aber es gibt viele Indizien, die zumindest polizeilich und gerichtlich weiter zu prüfen wären.

Er hatte vor etwa einem Jahr einen Geschäftsmann entführt, der sich aber nach einem anderthalbtägigen Martyrium aus der Gewalt des Täters befreien konnte. Karte: In Wendisch Rietz gelang es dem Opfer, seinem Entführer zu entkommen. Foto: dapd Vergrößern
Er hatte vor etwa einem Jahr einen Geschäftsmann entführt, der sich aber nach einem anderthalbtägigen Martyrium aus der Gewalt des Täters befreien konnte. Karte: In Wendisch Rietz gelang es dem Opfer, seinem Entführer zu entkommen. © dapd

Der Verteidiger beantragt am 52. Verhandlungstag, die Akten zu Anton L. in den Prozess einzuführen. Staatsanwalt Westphal lehnt das ab, das Gericht ebenso, weil die Polizei sein Alibi überprüft hätte. Schade, hätte die Öffentlichkeit sonst vielleicht erfahren, was Anton L. nach seiner Entlassung aus dem Polizeidienst tat. Zuletzt flog er für eine Hilfsorganisation als Hubschrauberpilot im Ausland. Schulden von rund 6000 Euro, die sich bei seinem Vermieter anhäuften, kann er mit einem Mal zurückzahlen. Auch bei seinem Hubschrauberkollegen begleicht er 10 000 Euro Schulden in bar.

Vor seiner Tür steht ein Oberklasse- Sportwagen – er parkt sichtbar vor der Praxis der Kinderärztin. Er ist auf ihren Namen zugelassen, wahrscheinlich wegen seines Insolvenzverfahrens, das noch bis 2017 läuft. Vor der Anmeldung im April 2015 fuhr die Freundin einen Kleinwagen, der auf ihren Vater zugelassen war.

Es muss passen, sagte Staatsanwalt Westphal zum Angeklagten Mario K. Eigentlich passt manches nicht. Bei Anton L. dagegen passt einiges besser oder zumindest ähnlich. Und: Er hätte ein Motiv. Vielleicht. Es wäre zu prüfen.

Anton L. unterschreibt seine E-Mails zuweilen mit „Bruce“. Auf Nachfrage erzählen diejenigen, die solche Mails von ihm haben, dass er so genannt werde und dass auf dem Anrufbeantworter seines Handys die Stimme von Bruce Willis zu hören ist – mit einem Satz aus dem Film „Stirb langsam“. Darin geht es um Entführungen und einen Polizisten, der der Held ist.

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