Das KitKat ist bekannt für Fetisch- und Sex-Partys. Foto: REUTERS/Hannibal Hanschke
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Update Clubkultur in Berlin KitKat kann wohl doch in alten Räumen bleiben

Bleibt das KitKat doch? Der Eigentümer des Gebäudes stehe in Verhandlungen mit dem KitKat. Sage-Club-Betreiber Disselkamp reagiert überrascht.

Der bekannte Fetisch-Club KitKat kann wohl doch in seinen alten Räumen bleiben. Der Eigentümer des Gebäudes befinde sich in Verhandlungen mit den Betreibern des KitKat-Clubs, um einen Mietvertrag abzuschließen, sagt Henry Neil Howe. Er ist der Hausverwalter des Grundstücks Köpenicker Straße 17 und Brückenstraße 1, auf dem sich das KitKat und der Sage-Club befinden. „Das Hauptanliegen ist, die Szene zu schützen“, sagt Howe.

Zuvor berichtete der Betreiber des Sage-Clubs Sascha Disselkamp, dass ihm seit einem dreiviertel Jahr die Kündigung auf dem Tisch liege. Die Räume sollten im Juni 2020 besenrein übergeben werden. Die Betreiber des Sage-Clubs vermieten ihre Räume an den KitKat-Club unter. Donnerstags steigt eine Rock-Party des Sage-Clubs, am Wochenende veranstaltet das KitKat dort seine berühmten Fetisch-Partys.  

Neuer Mietvertrag mit KitKat

Howe, der auch selbst sein Büro auf dem Gelände hat, bestreitet die Darstellung Disselkamps und der Clubcommission, dass die Clubs vor dem Aus stehen. „Ich sehe keine Bedrohung“, sagt Howe. Seit Jahren führe man eine friedliche Ko-Existenz auf dem Areal, das solle sich jetzt nicht ändern. Es sei aber sinnvoll, direkt einen Vertrag mit den Eigentümern des KitKat abzuschließen, da die Räume öfter vom KitKat als vom Sage Club selbst genutzt werden. Deshalb habe man den Mietvertag des Sage-Clubs auslaufen lassen.

Howe ist zuversichtlich, dass es zu einem Mietervertrag zwischen dem Eigentümer, einem Münchner Investor, und den Betreibern des Fetisch-Clubs kommt. „Wir werden mit dem Kitty (Szenename des Clubs, Anm. d. Red.) eine Einigung erzielen“, sagt Howe.

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Angeblich doch kein Hotel auf dem Areal

Howe bestreitet auch die Darstellung der Clubcommission, dass das gesamte Areal verkauft werden und dort etwa ein Hotel errichtet werden soll. „Es gibt keinen Verkauf“, sagt er. Der Plan Sascha Disselkamps, das Areal selbst zu erwerben und dort ein sozial-kulturelles Projekt mit Proberäumen, Ateliers und einem Hospiz zu errichten, sei ihm neu.

Disselkamp selbst ist von den Aussagen des Hausverwalters überrascht. Er wisse nichts von Verhandlungen zwischen Eigentümer und KitKat-Betreibern, obwohl er mit beiden regelmäßig Gespräche führe. Er wisse nicht, ob es sich um eine PR-Strategie von Seiten des Eigentümers handle oder ob es wirklich Verhandlungen gebe. „Warum redet man nicht mit uns?“, fragt Disselkamp.

Grundsätzlich würde er aber eine Einigung zwischen KitKat und dem Eigentümer begrüßen, wenn dies bedeute, dass die Clubs auf dem Gelände bleiben dürfen. Der Tagesspiegel konnte das KitKat selbst bisher nicht zu diesem Fall erreichen.

Derweil ist der Umgang mit der Clubkultur auch Thema der Bundespolitik. Die grüne Bundestagsfraktion hat einen Antrag eingebracht, in dem sie eine Reihe von Maßnahmen fordert, um die Clubszene besser zu unterstützen. Dazu gehört, Clubs und Livemusikspielstätten in der Baunutzungsverordnung künftig als Kultureinrichtungen einzustufen. Bisher gelten Clubs als Vergnügungsstätten. Damit stehen sie auf einer Stufe mit Bordellen oder Spielhallen.

Weiterhin sollten Clubs beim Schallschutz mehr Unterstützung erhalten, etwa über einen Schallschutzfonds des Bundes. Der Antrag wird in den kommenden Wochen in den Ausschüssen für Stadtentwicklung sowie Kultur und Medien diskutiert.
In Berlin gibt es bereits seit einem Jahr einen Schallschutzfonds, der vom Land finanziert wird, und Clubbetreiber bei Umbaumaßnahmen zur Schallisolation unterstützen soll.

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