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In keiner anderen deutschen Stadt gibt es so viele öffentlich zugängliche Ladepunkte für Elektro-Autos wie in Berlin. Foto: dpa
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Boom der Elektromobilität Berlin hat die meisten E-Ladesäulen – und trotzdem zu wenige

In keiner anderen deutschen Stadt gibt es so viele E-Ladesäulen wie in Berlin. Doch mit der Zunahme der Elektroautos hält die Entwicklung nicht mit.

In keiner anderen deutschen Stadt können Autofahrer auf so viele öffentlich zugängliche Ladepunkte für Elektro-Autos zugreifen wie in Berlin. Zu Ende Februar waren es 1694. Das geht aus einer neuen Erhebung hervor, die der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDWE) am Freitag vorgelegt hat.

Seit Dezember 2019 sind in Berlin demnach insgesamt 720 Ladepunkte hinzugekommen. Ein Wachstum von knapp 74 Prozent in 14 Monaten. Je Quadratkilometer stünden nun 1,9 Stationen zur Verfügung. Der Großteil der neuen Anlagen wurde im Auftrag des Landes vom Unternehmen Allego eingerichtet. Die Firma installierte im vergangenen Jahr insgesamt 283 neue Standorte in Berlin. Ihre Zahl verdoppelte sich dadurch auf 560 mit insgesamt 1058 einzelnen Ladepunkten.

In den ersten zwei Monaten dieses Jahres sind insgesamt weitere 44 öffentlich zugängliche Möglichkeiten zum Aufladen von Elektroautos hinzugekommen, wie ein Abgleich mit Senatsdaten zeigt.

Zum Vergleich: München, der bisherige Spitzenreiter in der Wertung, kommt aktuell auf 1310 Ladepunkte. In Hamburg sind es 1226 Steckdosen für Batterie-Fahrzeuge. Bundesweit können E-Autos derzeit an rund 40.000 öffentlich zugänglichen Punkten geladen werden, das sind rund 24.000 mehr als im Dezember 2019.

Die Aufstellung des BDEW basiert vor allem auf Meldungen von Energieunternehmen, Parkhausbetreibern, Supermärkten und Hotels. Sie listet keine rein privaten Lademöglichkeiten auf.

Zahl der Elektroautos in Berlin hat sich 2020 mehr als verdoppelt

Der BDEW zeigt sich mit der bundesweiten Entwicklung zufrieden, übt aber auch Kritik an der Politik. „Für den massiven Ausbau der Ladeinfrastruktur brauchen die Betreiber Planungssicherheit. Ständige neue Vorgaben für technische, aber nicht notwendige Nachrüstungen - wie aktuell bei der Ladesäulenverordnung diskutiert - machen den Betrieb der Ladesäule unwirtschaftlich“, sagte Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. Der Verband fordert unter anderem eine schnellere und unbürokratischere Bereitstellung von Flächen für neue Ladestationsstandorte.

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Trotz des starken Wachstums gilt auch in Berlin: Mit der enormen Zunahme an Elektro-Pkw hält die Zahl der Ladepunkte nicht mit. In der Hauptstadt wurden allein im vergangenen Jahr 4951 reine Elektroautos neu angemeldet. Ihre Gesamtzahl hat sich dadurch mehr als verdoppelt. Auch 2021 hält der starke Absatz an. Bis Ende März sind bereits 1263 E-Pkw neu zum Bestand hinzugekommen. Insgesamt sind derzeit 8920 E-Autos registriert. Hinzu kommen weitere Fahrzeuge aus Carsharing-Flotten. Allein von der VW-Tochter Weshare fahren rund 1500 vollelektrische Wagen durch Berlin. Zusätzlich gibt es in der Stadt mehr als 10.000 Plugin-Hybride, die ebenfalls die Ladepunkte nutzen.

Bis 2040 könnten 700.000 öffentliche Ladepunkte nötig sein

Wie stark die Ladeinfrastruktur noch wachsen muss, macht Verkehrsstaatssekretär Ingmar Streese (Grüne) in einem aktuellen Bericht an den Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses deutlich. Berlin bräuchte demnach bis zum Jahr 2040 400.000 bis 700.000 Ladepunkte in der Stadt, hat das Reiner Lemoine Institut im Auftrag der Verkehrsverwaltung ermittelt. Der Löwenanteil davon soll im privaten Bereich entstehen. Je nach Szenario müssten dennoch zwischen 20.000 und 80.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte installiert werden, teilt Streese mit.

Über das Projekt „ElMobileBerlin“ will der Senat diesem Ziel zumindest etwas näherkommen. Bis Ende 2022 sollen auf diesem Weg bis zu tausend Ladepunkte an Straßenlaternen eingerichtet werden. Bislang geht es auch bei diesem Projekt nicht voran. Ursprünglich war der Start bereits für Herbst 2019 geplant. Bislang allerdings ist von den neuen Anschlüssen kein einziger eingebaut.

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