Günter Kunz ist wohl der älteste Ordner in einem Berliner Fußballsstadion - am 1. Februar wurde er 86 Jahre alt. Foto: Kerstin Kellner
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Der vermutlich älteste Fußball-Ordner Berlins kommt aus Zehlendorf Vom Hochseefischer zum Stadionsprecher

Eberhard Schwartz
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Bei jedem Heimspiel von Hertha 03 zieht Günter Kunz seine gelbe Ordner-Weste an - schon seit seiner Kindheit ist Fußball seine große Leidenschaft. Am 1. Februar wird er 86 Jahre alt. Ein Gastportrait

Am Ende der Saison 2013/14 stand der F.C. Hertha 03 Zehlendorf als Berliner Fußball-Meister in der Berlin-Liga fest und stieg eine Klasse höher auf, in die NOFV-Oberliga Nord. Die Heimspiele von Hertha Zehlendorf in der Berlin-Liga begleitete ein älterer, aber noch sehr rüstiger und aktiver Mann als Stadionsprecher: Günter Kunz, damals bereits 82 Jahre alt. Nach dem Aufstieg in die Oberliga gab es für den Verein einige Auflagen, unter anderem musste er bei den Heimspielen Ordner stellen.

Günter Kunz gab nun das Mikro zu Beginn der Oberliga-Saison 2014/15 an einen jüngeren Stadionsprecher weiter, setzte sich aber bei seiner aktiven Unterstützung des Vereins keinesfalls zur Ruhe: Statt ins Mikro zu sprechen, Mannschaftsaufstellungen, Tore und Einwechselungen anzusagen, zog er ich sich ab jetzt zu jedem Heimspiel die offizielle gelbe, grell leuchtende Ordnerweste über. Seit vier Jahren fungiert er nun als Ordner. Er lässt die Spieler der Gastmannschaft, die Schiedsrichter und andere Offizielle ins Stadion und passt mit Argusaugen darauf auf, dass niemand unberechtigt und vor allem ohne zuvor gekaufte Eintrittskarte ins Stadion gelangt. Schon über eine Stunde vor Spielbeginn nimmt er seine Position ein und streift erst lange nach Spielende seine Ordnerweste wieder ab. Bei seiner Ordner-Tätigkeit, die er mehrere Stunden ohne Pause stehend verrichtet, ist er stets höflich und zuvorkommend, begrüßt alle mit einem freundlichen Lächeln, kann aber auch, wenn es sein muss, sehr bestimmt auftreten.

Er ist bei jedem Auswärtsspiel dabei

Bei keinem Auswärtsspiel – ob in Rostock, Frankfurt/O. oder in Rathenow – fehlt Günter Kunz, er hat die Ehre, meistens im PKW des Präsidenten mitzureisen.

In seiner übrigen Freizeit ist Günter Kunz auch sehr aktiv: Er spielt noch ab und zu Fußball, geht regelmäßig zum Schwimmen und jeden Dienstagnachmittag ist er beim Tischtennis in der Zehlendorfer Onkel-Tom-Sporthalle nur selten zu schlagen. Auch Karikaturen zu malen, gehört zu seinen Hobbys.

Günter Kunz wurde am 1. Februar 1932 als Sohn des Zahntechnikers Willi und der Hausfrau Frieda Kunz in Berlin-Wilmersdorf geboren und wuchs mit vier Brüdern und zwei Schwestern auf. Als 10-Jähriger kam er während des Krieges mit der Kinderverschickung nach Kärnten, wo er vier Jahre lang bis 1946 lebte. Dort war eine seiner Freizeitbeschäftigungen das Fußballspielen, allerdings immer barfuß. Er wurde von Otto Wiese, dem späteren Bürgermeister von Rüdersdorf, als Lehrer unterrichtet und auch beim Fußballspielen gefördert. Wiese war in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ein berühmter Stürmer bei Tennis Borussia.

1987 wurde seine Mannschaft Berliner Meister

Zurück in Berlin lernte Günter Kunz ab 1947 den Beruf des Dekorateurs. In seinem langen Berufsleben arbeitete er dann in verschiedenen Tätigkeiten unter anderem als Polstermöbelhersteller, als Zimmermann und kurzzeitig auch einmal in der Hochseefischerei.

Seit fast vierzig Jahren lebt er nun mit seiner Frau in Zehlendorf. Damals war er noch beim TuS Makkabi aktiv, spielte dort in der zweiten und dritten Herrenmannschaft Fußball und coachte die Ü40, mit der er 1987 sogar Berliner Meister wurde.

Am Siebenendenweg beim F.C. Hertha 03 Zehlendorf hat er seit nunmehr dreißig Jahren sein zweites Zuhause gefunden. Man sieht ihn dort als Zuschauer bei den Fußballspielen der verschiedenen Mannschaften der Herren, Damen oder Jugend, egal ob bei Meisterschafts-, Pokal- oder Testspielen und egal auch bei welchem Wetter. Und auf alle Fälle sieht man ihn immer bei den Heimspielen der 1. Herren in der NOFV-Oberliga Nord im Ernst-Reuter-Stadion in seiner Funktion als wohl ältester Ordner in einem Berliner Fußball-Stadion.

Dieser Gastbeitrag ist auf tagesspiegel.de auf den Bezirksseiten Steglitz-Zehlendorf erschienen. Eberhard Schwartz ist Vereinsmitglied bei Hertha 03.

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