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Endstation Rathaus Spandau. Hier reicht der Tunnel bereits 600 Meter nach Süden. Foto: Peters/Imago
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Wird Berlins U-Bahnlinie U7 verlängert? Die Details zum 580-Mio-Projekt für Spandau

U-Bahnhof Pichelsdorfer Straße: Wo soll das denn sein? Hier die genauen Orte in Spandau, Statements, Kosten und Folgen - bis Kladow und Potsdam.

Die U7-Überraschung: 580 Millionen könnte die Verlängerung der U-Bahn im Berliner Westen kosten - und es gibt Fragen ohne Ende: Sind andere Tunnel durch Spandau billiger? Wo entstehen denn nun genau die fünf U-Bahnhöfe in Spandau? Wie könnte die Baustelle aussehen? Warum könnten Potsdamer und Kladower profitieren?

Hier eine Übersicht mit ersten Details für das große Bauprojekt - aus dem aktuellen Spandau-Newsletter vom Tagesspiegel, wo der Verkehr jede Woche das Top-Thema ist. Denn der Bezirk im Westen Berlins ist am Limit mit seinem Busnetz.

Hier erst mal die abgefahrene Nachricht aus Berlin-Spandau: Die U-Bahnlinie U7 rutscht in den Millionen-Plänen weit nach vorn und ist aktuell Thema im politischen Berlin. Berlins Verkehrschefin Regine Günther, Grüne, befasst sich mit den Ergebnissen von „Machbarkeitsstudien“ zu vier neuen U-Bahn-Strecken in der ganzen Stadt – darunter auch die U7 nach Staaken. Die einzelnen Studien liegen seit Herbst vor. Und jetzt ist endlich auch das Ergebnis da: Die U-Bahnverlängerung in Spandau schneidet im Vergleich dieser vier Strecken überraschend gut ab.

„Als Spandauer freue ich mich sehr“, sagte daraufhin Berlins SPD-Chef Raed Saleh dem Tagesspiegel-Newsletter in Spandau. . „Ich kenne mich in diesem Gebiet gut aus“, sagt Saleh.

Er meint die Altbaukieze der Wilhelmstadt, die Neubausiedlung in Staaken, aber auch den möglichen Umsteigeknoten für die Kladower und Gatower an der Heerstraße. In der Tat: Saleh ist in Spandau aufgewachsen, hat die Lily-Braun-Schule besucht, führte zwölf Jahre die „Burger King“-Filiale in der Altstadt und wohnt in Kladow. Saleh hatte im Herbst massiv für die U-Bahn-Verlängerung nach Staaken geworben.

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BVG-Busnoten Nr 1 in Berlin: In Spandau könnte die U-Bahn den Busverkehr entlasten. Foto: André Görke Vergrößern
BVG-Busnoten Nr 1 in Berlin: In Spandau könnte die U-Bahn den Busverkehr entlasten. © André Görke

Mit 40.000 Fahrgästen wird auf diesem U7-Abschnitt kalkuliert – und damit mehr als auf den anderen untersuchten U-Bahnrouten in Spandau, dazu gleich mehr hier im Newsletter-Text

Die U-Bahn könnte so viele Busse wie sonst nirgends in der Stadt ersetzen: Das verhedderte Rathaus Spandau ist längst Berlins Busknoten No.1 – dort halten mehr Fahrzeuge als am Bahnhof Zoo. Der Bedarf ist im Westen hoch: Die Heerstraße ist chronisch verstopft. Dort werden zudem Busspuren und Radwege geprüft – dafür würde eine Autospur wegfallen.

Die gute, alte Pichelsdorfer Straße. Einst Spandaus stolze Einkaufsmeile. Hier im Januar 2021. Foto: André Görke Vergrößern
Die gute, alte Pichelsdorfer Straße. Einst Spandaus stolze Einkaufsmeile. Hier im Januar 2021. © André Görke

„Es würde zehntausenden Menschen das Leben erleichtern und sie zum Umstieg vom Auto auf den ÖPNV motivieren“, sagte Saleh dem Spandau-Newsletter mit Blick auf die Senatssitzung von Verkehrssenatorin Regine Günther, Grüne. „Für die Verlängerung der U7 hat die Berliner SPD seit Jahren gekämpft. Die Entscheidung von Frau Günther begrüße ich. Sie beweist großen Respekt gegenüber den Außenbezirken und den Menschen dort.“

Bei so viel Nettigkeit aus Spandau ist Frau Günther bestimmt ganz perplex - in Spandau wird sie oft kritisiert. Doch hier hat sie die Hausaufgaben gemacht. Das zeigt ein Blick in die Senatsakten und in die Machbarkeitstudie, die dem Spandau-Newsletter vorliegt. Es geht um diese 5 U-Bahnhöfe.

  • Ziegelhof
  • Pichelsdorfer Straße
  • Gatower Straße
  • Sandstraße
  • Magistratsweg

ZIEGELHOF
Der erste neue U-Bahnhof soll südlich der Seeburger Straße entstehen, quasi vor dem Supermarkt „Bolu“. Und ein langer Tunnelabschnitt ist bereits fast fertig. 

Der U-Bahntunnel reicht heute 600 Meter weit bis zu „Florida Eis“ an der Klosterstraße: Dort unten parken die U-Bahnzüge und fahren zurück in die Stadt. Hier am Ziegelhof beginnt aber die Überraschung. Geprüft wurden demnach drei Tunnel-Varianten.

  • 1.) Westroute: Geradeaus unter der Wilhelmstraße mit einem U-Bahnhof am Melanchthonplatz (Wasserballarena) und weiter nach Westen. Kosten: 480 Mio.
  • 2.) Mittelroute: Im leichten Bogen mit einem Halt am U-Bahnhof unter dem Földerichplatz. Kosten: 555 Mio.
  • 3.) Ostroute: Im weiten Bogen über die Pichelsdorfer Straße. Kosten: 578 Mio.

PICHELSDORFER STRASSE
U-Bahnhof an der wichtigsten Kreuzung. Überraschend liegt die teuerste „Variante 3“ im Senatsranking vorn – so werden aber auch am meisten Menschen erreicht (70.000 Spandauer). Überraschend ist auch der bislang unbekannte U-Bahnhof Pichelsdorfer Straße, den die „Morgenpost“ nun als erste nannte. Aber wo denn konkret?

Spandaus einst so stolze Einkaufsmeile ist schließlich lang. Nach Informationen des Spandau-Newsletters ist die Kreuzung Adamstraße Ecke Pichelsdorfer Straße gemeint, also der Mittelpunkt der Wilhelmstadt. Dort kreuzen sich die zwei wichtigsten Kiez- und Einkaufsstraßen. Der U-Bahnhof ist in den Senatsakten südlich der Adamstraße eingezeichnet und reicht fast bis zur Pichelsdorfer Ecke Weverstraße.

Heerstraße Ecke Gatower. Rechts könnte der neue U-Bahnhof entstehen. Foto: André Görke Vergrößern
Heerstraße Ecke Gatower. Rechts könnte der neue U-Bahnhof entstehen. © André Görke

GATOWER STRASSE
U-Bahnhof statt Autohaus und Hühner-Braterei? Die Tunnelbohrmaschine würde sich von der Pichelsdorfer im Bogen zur Heerstraße graben, wo ein Umsteigeknoten für die Kladower und Gatower entstehen könnte. Wo genau? Einige an den BVG-Hof grenzenden Flächen sind zwar verpachtet (Autohaus, Hühner-Braterei ff.), es könne aber „Eigenbedarf“ auf diesem BVG-Gelände angemeldet werden.

Das ging im Frühjahr 2020 aus einer Studie hervor, die hier im Spandau-Newsletter Thema war. Der neue U-Bahnhof würde genau an der Ecke entstehen. Wo eine U-Bahn entsteht, wird oben drüber Busverkehr eingespart – die fahren ja nicht parallel: Das wird als großer Pluspunkt in der Senatsstudie gesehen. Also müssten hier an der Gatower Straße Wendeschleifen für BVG-Busse aus Kladow und Potsdam entstehen sowie Fahrradparkhäuser und Carsharing-Systeme.

Nachteil: Die Kreuzung - Nadelöhr für den Ost-West- und (!) Nord-Süd-Verkehr in Spandau - müsste während der Bauphase zu großen Teilen gesperrt werden.

Armenviertel. Viele Menschen im Viertel Heerstraße Nord leben von Sozialleistungen. Foto: Kai-Uwe Heinrich Vergrößern
Armenviertel. Viele Menschen im Viertel Heerstraße Nord leben von Sozialleistungen. © Kai-Uwe Heinrich

SANDSTRASSE
Unter dem breiten Grünstreifen neben der Heerstraße rollt die U-Bahn nach Westen. Bis zur Gatower Straße ging es drei Kilometer mit dem Tunnelbohrer voran, von dort wird in einer Baugrube gebuddelt, auf die später ein Deckel kommt. Der nächste Bahnhof ist eingezeichnet an der „Sandstraße“ – östlich davon, auf Höhe der Laurentiuskirche.

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1984 wurde der U-Bahnhof am Rathaus Spandau eröffnet. Sogar Kanzler Helmut Kohl kam. Screenshot: Spandau-Newsletter Vergrößern
1984 wurde der U-Bahnhof am Rathaus Spandau eröffnet. Sogar Kanzler Helmut Kohl kam. © Screenshot: Spandau-Newsletter

MAGISTRATSWEG
Der Endbahnhof wäre nach 8 Minuten Fahrzeit vom Rathaus erreicht. Entstehen soll er östlich der Kreuzung, ebenfalls im Grünstreifen neben der Heerstraße. Die Kosten pro Fahrgast liegen umgerechnet unter denen für die U6 zum TXL oder die U7 zum BER. Baukosten pro Kilometer: 135 Millionen. Auch dieser Wert liegt auf Platz 2 im Berlin-Vergleich.

Die Reaktionen. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop ist dafür, Regine Günther ist mittlerweile offenbar nicht mehr dagegen, Bürgermeisterkandidatin Bettina Jarasch äußert sich nicht klar. Die Linke setzt traditionell auf die billigere Straßenbahn, doch die kommt auch erst 2029 (was in Spandau allerdings bezweifelt wird). CDU und FDP waren immer für den U-Bahnbau, deshalb ist Stadtrat Frank Bewig, CDU, auch leicht verstimmt. Er zweifele so kurz vor der Wahl „an der Ernsthaftigkeit“ der Senatsstudie und fürchtet ein „wahltaktisches Manöver“. Die AfD findet U-Bahn gut.

Der Ausblick. Regine Günther informierte heute die Berliner Politik, dass aufgrund des hohen Fahrgastpotentials und der vielen Einsparungen im Busverkehr eine Nutzen-Kosten-Untersuchung prioritär zu beauftragen ist. Andere U-Bahnpläne sind erst einmal zurückzustellen, weil alles zusammen nicht machbar ist. Es gibt schließlich noch andere Projekte bei der S-Bahn, die auch Spandau betreffen: zum Beispiel die Verlängerung der S-Bahn nach Falkensee oder die S-Bahnverlängerung in die Wasserstadt. Angeschoben wurde viel – jetzt darf kein Projekt auf der Strecke bleiben.

„Der Ausbau von S- und U-Bahn passen bestens zusammen“, sagte Daniel Buchholz dem Tagesspiegel-Newsletter für Berlin-Spandau. Er ist seit Jahren Verkehrsexperte der Berliner SPD im Abgeordnetenhaus. „Sowohl S- als auch U-Bahn sind für die Anbindung der vorhandenen und neuen Quartiere in Spandau dringend notwendig. Die Baustellen wären an verschiedenen Stellen des Bezirks und damit kompatibel.“ Falls Sie jetzt die Daumen drücken – halten Sie durch. „Wenn alle es wirklich wollen“, sagt Buchholz, „kann eine U-Bahn in 15 Jahren fahren.“

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