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Entspannte Grenzer bei der Passkontrolle, vermutlich in Griebnitzsee. Foto: Michael Hughes/Imago
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Berlin nach der Wende Endlich wieder direkt nach Potsdam

Nach dem Mauerfall war das Umland durch die gekappten Bahnverbindungen schwer erreichbar. Vor 30 Jahren startete die erste Direktverbindung nach Potsdam.

Plötzlich war Potsdam wieder um die Ecke, vor 30 Jahren. Am 22. Januar 1990 brachte die erste direkte Zugverbindung seit 1961 beide Städte wieder näher zusammen. Der kleine Mauerfall auf der Schiene begann morgens um 5.29 Uhr, als sich eine Diesellok der Reichsbahn mit Doppelstockwagen vom Potsdamer Bahnhof aus in Bewegung setzte. Um die 40 Minuten brauchte der Zug damals für die vier Stationen bis zum Bahnhof Wannsee, von wo aus ein zweiter Zug in umgekehrte Richtung gestartet war.

Die Hälfte der Fahrzeit ging durch die Grenzkontrollen in Griebnitzsee verloren, wie der Tagesspiegel damals berichtete. Im Stundentakt wurde diese erste Pendlerverbindung bedient, vom frühen Morgen bis nach Mitternacht.

Das große Ziel, die Wiederinbetriebnahme einer Verbindung auf der Stadtbahn, ließ noch mehr als zwei Jahre auf sich warten. Es war viel Arbeit nötig, um die in den Jahrzehnten der Teilung verrosteten oder im Gestrüpp verschwundenen Gleise wieder befahrbar zu machen. Dabei hatte die Strecke eine lange Tradition: Seit 1928 hatte es eine elektrifizierte Verbindung von Potsdam bis nach Erkner gegeben.

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Der Mauerbau stellte die Verkehrsplaner der DDR vor ein großes Problem: Wie sollten die Bewohner des Berliner Ostens mit der Bahn ins westliche Umland, ohne den direkten Weg durch den Westsektor? Die umständliche Lösung war ein Außenring mit langen Fahrzeiten: Die Züge in Richtung Potsdam starteten am Hauptbahnhof, dem heutigen Ostbahnhof, und umfuhren West-Berlin südlich. "Sputniks" nannten DDR-Bürger die Züge, weil sie den Westteil wie ein Satellit umkurvten.

Darauf mussten die Fahrgäste damals noch mehr als zwei Jahre warten: Am 1. April 1992 fuhr die erste S-Bahn vom S-Bahnhof Potsdam bis nach Erkner. Foto: Jürgen Heinrich/Imago Vergrößern
Darauf mussten die Fahrgäste damals noch mehr als zwei Jahre warten: Am 1. April 1992 fuhr die erste S-Bahn vom S-Bahnhof Potsdam bis nach Erkner. © Jürgen Heinrich/Imago
So berichteten damals die PNN über das Ereignis. Reproduktion: Potsdamer Neueste Nachrichten (PNN) Vergrößern
So berichteten damals die PNN über das Ereignis. © Reproduktion: Potsdamer Neueste Nachrichten (PNN)

Ab 1958 hielten die Züge am eigens für die West-Umfahrung gebauten Potsdamer Hauptbahnhof, nahe der Langen Brücke. Heute liegt diese Station fast vergessen im Wald. Güterzüge rauschen an den vergammelten Bahnsteigen vorbei. Nach der Wiedervereinigung kam die Umbenennung in Potsdam Pirschheide und der Abstieg in die Bedeutungslosigkeit.

1980: Versunkene S-Bahngleise zwischen Wannsee und Potsdam Foto: Jürgen Heinrich/Imago Vergrößern
1980: Versunkene S-Bahngleise zwischen Wannsee und Potsdam © Jürgen Heinrich/Imago
Potsdam Pirchheide. Diese Station war zu DDR-Zeiten der Hauptbahnhof der Stadt. Foto: Jan-Philip Schütze Vergrößern
Potsdam Pirchheide. Diese Station war zu DDR-Zeiten der Hauptbahnhof der Stadt. © Jan-Philip Schütze
Nach der Wende wurde die Station in Pirschheide umbenannt - und bald bedeutungslos. Foto: Jan-Philip Schütze Vergrößern
Nach der Wende wurde die Station in Pirschheide umbenannt - und bald bedeutungslos. © Jan-Philip Schütze

Auf den oberen vier Gleisen halten seit 1999 keine Züge mehr, unten verkehrt nur noch die Regionalbahn zwischen Potsdam und Michendorf. Immerhin ist die ehemalige Wartehelle seit 2017 ein Tanzclub. In einigen Jahren soll die fast verwaiste Station wieder stärker genutzt werden. Von dort aus könnte eine Linie Fahrgäste direkt zum Großflughafen BER bringen.

Schritt für Schritt musste damals das einst isolierte Berlin wieder mit seinem Umland verknüpft werden. Die Streckeneröffnung vom Januar 1990 wird auch erheblich zum Wiederaufblühen Potsdams beigetragen haben. Die Verbindung gab auch den Berlinern im Südwesten die Chance, ihr bis dahin unbekanntes Umland leichter zu entdecken. Und sie kann als Auftakt gelten zu den heutigen Pendlerströmen der Metropolenregion. Mit deren stetigem Wachstum haben die Verkehrsplaner bekanntlich bis heute große Probleme.

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