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Der künftige Jüdische Garten soll auf einer Anhöhe in der Sichtachse des Christlichen Gartens entstehen. Simulation: Atelier Le balto
© Simulation: Atelier Le balto

Berlin-Marzahn Gärten der Welt: Hier blüht bald auch ein jüdischer Garten

Ella Simon

Die religiöse Vielfalt ist in den Gärten der Welt bald komplett. Ein jüdischer Garten entsteht mit Pflanzen, die in der Tradition von Berlins Juden verwurzelt sind.

Bunt sind schon die Wälder, gelb die Stoppelfelder und wie sieht’s in den Gärten der Welt in Marzahn aus? Obwohl es diesen Sommer sehr trocken und heiß war, fallen die Temperaturen nun langsam unter Minus und die Pflanzen müssen ins Gewächshaus oder für den Winter fit gemacht werden. Doch auch fürs kommende Jahr wird in den Gärten schon engagiert geplant.

Das neueste große Projekt ist ein Jüdische Garten. Wie dieser aussehen soll, steht seit Ende Oktober in etwa fest. Im Jüdischen Garten sollen künftig Info- und Festveranstaltungen zum Judentum und nach dem jüdischen Jahreskalender stattfinden. Bis dahin suchen die Planer aber noch weiter nach Pflanzen, die mit der Geschichte der Berliner Juden verwurzelt sind und folglich in den jüdischen Vorzeige-Garten Eden in den Gärten der Welt gehören.

Grüne Oasen für verschiedenste Religionen

Bislang kann man auf dem rund 43 Hektar großen Gelände durch Gärten verschiedenster Religionen spazieren. Es gibt einen islamisch/orientalischen, einen hinduistischen, einen zen- und klassisch buddhistischen sowie einen christlichen Garten. Auch dem Schamanismus und dem Konfuzianismus sind grüne Oasen gewidmet. Der einzige, der noch fehlt, ist ein Jüdische Garten.

Bis Ende Juni 2018 konnten Bewerber im Rahmen eines Wettbewerbes Entwürfe einsenden. Gewonnen haben den mit 10.000 Euro dotierten ersten Preis die Landschaftsarchitekten des Berliner Ateliers „Le balto“ in Zusammenarbeit mit den Künstlern Manfred Pernice und Wilfried Kuehn, wie die Betreiber der Gärten der Welt von „Grün Berlin“ mitteilten. Das Büro „Le balto“ hat in der Sache Erfahrung: Vor sechs Jahren gestaltete sein Team bereits den „Garten der Diaspora“ des Jüdischen Museums, dieser dient als „Raum des Austausches und der Reflexion“ für Teilnehmer der Bildungsprogramme. „Für uns war es besonders spannend, nun auch eine Außenanlage auf der Grundlage des Judentums zu gestalten“, sagt Marc Pouzol vom Büro Le balto.

Keine dokumentierte jüdische Gartentradition

Das Problem des Wettbewerbes war: Es gibt keine dokumentierten jüdischen Traditionen zur Gartengestaltung. Als Vorgabe sollten sich die Bewerber deshalb mit dem spezifisch jüdischen Naturverständnis auseinandersetzen. Wie soll der jüdische Garten nun also aussehen? Die auserwählten Landschaftsarchitekten gingen davon aus, dass die jüdische Kultur zur Stadt Berlin gehört und das Judentum primär eine Kultur der Haltung und der Handlung ist – also keine Kultur des fertigen Bildes.

Ihr Entwurf sieht auf der 1000 Quadratmeter großen Fläche auf einer Anhöhe in Sichtweite des Christlichen Gartens ein Netz aus Wegen, Plätzen und Feldern verschiedener Größen und Formen vor – mit reichhaltigen Bepflanzungen. Das Paradies heißt auf Hebräisch "gan Eden". Das bedeutet Garten der Fülle. Auch kleine Pavillons zum Ausruhen soll es geben. Die Arbeiten sollen im Herbst 2019 beginnen. Bis zu eine Million Euro stehen bereit.

Aber nun müssen die Gärten der Welt erstmal gut über den Winter kommen. Zwischen November und März sind die Eintrittspreise deutlich günstiger, es gibt ja auch weniger Blumen zu sehen und viele Pflanzen sind kältesicher verpackt. Parkleiterin Beate Reuber weiß am besten, was vor dem Frosteinbruch zu tun ist. Rosen und Staudenbeete, sagt sie, werden mit Fichtenreisig abgedeckt, exotische Pflanzen wie Palmen und Citrus-Bäume finden Platz im Baumpflegebereich bei um die 20 Grad oder im Kalthaus bei circa 11 Grad, je nachdem wie kälteempfindlich sie sind.

Dattelpalmen brauchen besonderen Schutz

Die Dattelpalmen aus dem Orientalischen Garten benötigen allerdings besonderen Schutz. „Sie werden komplett ummantelt und sehen später aus wie Riesenpilze" erzählt Reuber. Unter der Abdeckung verläuft ein Stromkabel, dass die empfindlichsten Teile der Pflanze beheizt und frostfrei hält. So schafften es die Exoten meist gut durch den Winter.

Auch viele Wege und Wände würden abgedeckt, um sie vor Kälte und Verschmutzungen zu bewahren. Deshalb sind der Orientalische Garten, der Koreanische „Seouler Garten“, der Japanische Garten und das Gartenkabinett Libanon von November bis Ende März geschlossen. Die Themen- und Wassergärten sowie die internationalen Gartenkabinette bleiben hingegen je nach Wetterlage weiter geöffnet, aber ohne fließendes Wasser. Und der Balinesische Garten in der Tropenhalle hat sogar ganzjährig geöffnet.

Durch den Sommer seien die Pflanzen recht gut gekommen, sagt Park-Chefin Beate Reuber. „Viele sind dank ihrer tiefliegenden Wurzeln sehr hitzeverträglich.“ Natürlich habe man deutlich mehr bewässern müssen, „mit Grundwasser, nicht mit Trinkwasser“. Große Auswirkungen wie Trockenschäden habe es nicht gegeben. Einige Pflanzen hätten allerdings die Blüte verweigert und stattdessen Blattmasse produziert oder im Gegensatz sehr stark geblüht. Dies seien typische Merkmale für gestresste Pflanzen.

Mehr als eine Millionen Besucher jährlich

Die Gärten der Welt locken alljährlich mehr als eine Million Besucher an. Sie erleben dort vielseitige Gartenkunst aus verschiedensten Ländern, Regionen und Epochen. Zur Zeit wachsen in Marzahn Gärten und Gewächse aus Europa, Südamerika, Afrika, Asien und Australien. In allen Kulturen, teilt Grün Berlin mit, stehe der Garten für etwas Friedliches, für Ruhe und Schönheit. In der Hauptsaison kümmern sich 25 bis 30 Gärtner um dieses Konzept, jetzt im Winter sind es zehn.

Vor der Internationalen Gartenschau im Jahr 2017 wurde nur die Hälfte der Fläche genutzt. Hinzu kam der Kienbergpark mit einer Seil- und Bobbahn. Für die Gärten selbst zahlen die Besucher Eintritt, außerdem finanziert sich die Anlage auch durch Spenden. Man kann beispielsweise Blumen- oder Bank-Pate werden. Auf dem Areal der Gärten gibt es ein Besucherzentrum, mehrere Restaurants sowie Irrgärten und Spielplätze. Spannend ist auch der Rosengarten. Auf sechs Flächen, die wie Blütenblätter angeordnet sind, duften rund 6000 Exemplare verschiedenster Unterarten der Königin der Blumen. Und als Highlight kann man seit 2017 in einem neumodernen Amphi-Theater, der „Arena“, Konzerte und Shows genießen. 5000 Besucher haben dort Platz.

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