Die Brache am Bahnhof Zoo (der ist hinten im Bild). Der Busbahnhof soll näher an die Bahn ran und überbaut werden. Foto: Kai-Uwe Heinrich
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Update Berlin-Charlottenburg Neues Zoo-Viertel: Hochhaus statt Riesenrad

Für das Grundstück des gescheiterten "Aussichtsrad"-Projekts gibt es neue Pläne. Auch an einen 100 Meter hohen Turm wird gedacht. Hier sind die ersten Details.

Zwölf Jahre ist es schon her, dass der Zoologische Garten seinen Wirtschaftshof hinter dem Bahnhof Zoo auf ein Nachbargelände verlagerte, damit an der alten Stelle ein Riesenrad entstehen kann. Dann aber scheiterte das „Aussichtsrad“-Projekt – und seitdem gastieren nur Zwischennutzer wie das „Palazzo“-Spiegelzelt auf der 13 000 Quadratmeter großen Brache in bester Citylage. Nun endlich bringen der Senat, ein Investor und die Technische Universität (TU) neuen Schwung ins Viertel um die Hertzallee.

Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) attestiert dem Gebiet an der Grenze zwischen Charlottenburg-Wilmersdorf und Mitte eine „außergewöhnliche stadtpolitische Bedeutung“. Der Senat hat ihrer Verwaltung die Federführung übertragen. Noch in diesem Quartal starte das Bebauungsplanverfahren mit einem Aufstellungsbeschluss, sagte Lompscher am Mittwochabend bei der „Standortkonferenz Hertzallee Nord“ vor rund 200 Gästen im Palazzo-Zelt.

Rechts die Bahntrasse, daneben die geplanten Neubauten im unteren mittleren bis rechten Teil des Bildes. Links oben: das künftige TU-Mathematikgebäude. Simu: Senat Vergrößern
Rechts die Bahntrasse, daneben die geplanten Neubauten im unteren mittleren bis rechten Teil des Bildes. Links oben: das künftige TU-Mathematikgebäude. © Simu: Senat

Auf dem Riesenradgelände plant dessen heutiger Eigentümer Oliver Reiß aus München ein etwa 100 Meter großes Hochhaus sowie kleinere Bauten mit Büros, Studentenwohnungen und Gästezimmern für Dozenten der TU oder der Universität der Künste. Reiß verspricht den Nachbarn eine „kooperative“ Bebauung. „Wir sind kein Spekulant, sondern entwickeln und bauen selbst.“ Bereits 2011 hatte das Landschaftsplanungsbüro Yellow Z Berlin einen Wettbewerb gewonnen. Der zuständige Architekt Oliver Bormann will das Areal nach allen Seiten öffnen und es in einen Campus zwischen der Hertzallee, dem Landwehrkanal und der TU integrieren.

Blick vom Kanal aufs Grundstück. Simu: Senat Vergrößern
Blick vom Kanal aufs Grundstück. © Simu: Senat

Der BVG-Busbetriebshof an der Hertzallee soll per Grundstückstausch an die Bahnbögen verlagert werden. Vielleicht wird er sogar überbaut. In diesen Etagen kämen wegen des Lärms jedoch keine Wohnungen und nur wenige andere Nutzungen infrage, hieß es.

Die TU will schon Anfang 2019 anfangen zu bauen

Der Einladung waren Vertreter der zwei beteiligten Bezirke, der TU und der UdK sowie Zoodirektor Andreas Knieriem gefolgt – aber niemand von den Verkehrsbetrieben. „Das geht gar nicht“, ärgerte sich der Charlottenburg-Wilmersdorfer Bürgermeister Reinhard Naumann (SPD). Auch Lompscher war irritiert. BVG-Sprecherin Petra Reetz reagierte auf Nachfrage „verwundert“: Man habe „schon vor Wochen freundlich mit dem Hinweis, dass wir hier erst noch Expertenmeinungen einholen müssen, abgesagt“. Auf der „Arbeitsebene“ gebe es laufend Gespräche mit dem Senat, das nächste Mal an diesem Freitag. Zu klären bleibe, ob und wie ein mehrstöckiger Busbahnhof funktionieren könne.

Unterdessen will die TU schon Anfang 2019 an der Fasanenstraße mit dem Bau ihres neuen Mathematikgebäudes und eines „Interdisziplinären Zentrums für Modellierung und Simulation“ beginnen.

Bürger aus dem Publikum wünschten sich eine Belebung der Bahnbögen, etwa mit Läden und Lokalen. Außerdem wandten sich Redner gegen eine „soziale Verdrängung“ der vielen Obdachlosen in der Umgebung der Bahnhofmission am Zoo. Lompscher kündigte weitere öffentliche Standortkonferenzen an. Dann soll es um den Hardenbergplatz und um den Süden der Hertzallee mit Gebäuden der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben gehen.

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