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Kann keinen Nachwuchs zeugen. Gorilla Ivo muss Berlin verlassen. Foto: Zoo Berlin
© Zoo Berlin

Bedrohte Menschenaffen in Berlin Zeugungsunfähig - Ivo muss den Zoo verlassen

Er ist ein Berliner - oder: Er war es. Gorilla Ivo ist zeugungsunfähig und muss den Zoo verlassen. Es kommt aber ein Nachfolger - für den Arterhalt.

Erstmal klingt es, als würde Berlin mit einem bekannten und beliebten Zootier unwürdig umgehen: Gorilla-Männchen Ivo muss die Stadt verlassen. Doch da es ums Überleben einer Art geht und wertvolle genetische Reserven, erscheint die Entscheidung nachvollziehbar. Dennoch: Mehr als ein Jahrzehnt war Ivo sozusagen Familienoberhaupt in Berlins einziger Gorilla-Gruppe. Nun verlässt das Tier in den kommenden Wochen die Hauptstadt. Nach 14 Jahren im Zoo Berlin zieht "Silberrücken" Ivo, immerhin auch schon dreißig Jahre alt, nach Saarbrücken.

Berliner Gorilla-Weibchen sind genetisch wertvoll

Nach Angaben des Zoos Berlin wurde Ivo am 29. Januar 1988 in München geboren und kam dann 2005 in den Zoo in der deutschen Hauptstadt. Nachdem sich "trotz mehrfachen Damen-Annäherungen jahrelang kein Nachwuchs einstellte", wie der Zoo es formuliert, wurde der Gorilla-Mann 2015 gründlich untersucht. Dabei habe sich herausgestellt, dass Ivo zeugungsunfähig ist.

Damit die genetisch wertvollen Berliner Gorilla-Weibchen dennoch für Nachwuchs sorgen können, entschied der Zoo Berlin auf Empfehlung des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP), das Männchen abzugeben. Mit dem Zoo Saarbrücken fand sich ein ideales neues Zuhause für Ivo. so die Einschätzung der Zoo-Experten. Dort wird der Gorilla mit drei Gorilla-Weibchen zusammen leben, die altersbedingt nicht mehr für Nachwuchs sorgen sollen und können.

Zoo bekommt neues Männchen

In den kommenden Wochen wird aber nun ein anderes Gorilla-Männchen in den Zoo Berlin ziehen. Dort erwarten ihn dann die Westlichen Flachlandgorilla-Weibchen Djambala (17), Bibi (21) und Mpenzi (33). Außerdem lebt mit Fatou (61) noch die älteste Gorilla-Dame der Welt im Zoo Berlin.

Warum Gorillas auf der Roten Liste stehen

„Durch die Zerstörung ihres Lebensraumes und die illegale Jagd sind Gorillas heute vom Aussterben bedroht. Jedes geborene Jungtier trägt somit bedeutend zur Erhaltung der gesamten Art bei“, erklärt Zoo- und Tierparkdirektor Dr. Andreas Knieriem.. Nach Auskunft von Menschenaffen-Schutzorganisationen bedrohen beispielsweise Schmuggler und Wilderer die Tiere, weil diese trotz strengen Verbots in die Nationalparks eindringen. In vielen Regionen komme die Ausbeutung von Bodenschätzen hinzu, so dass der Lebensraum zerstört wird. Wilderer legten Schlingen aus, etwa um kleine Antilopen zu fangen, doch in diese Fallen gerieten dann auch Gorillas.

Eine weitere Gefahr für die vom Aussterben bedrohten Tiere wie Flachlandgorillas, zu denen Ivo gehört, ist die Jagd. Denn sie werden noch immer zum Verzehr getötet, auch wenn dies gesetzlich verboten sei. Außerdem werden die Gorillas von den einheimischen Jägern und Ackerbauern häufig getötet, weil sie Felder plündern. Eine Gorillagruppe könne nämlich die ganze Ernte vernichten, teilt etwa "Berggorilla und Regenwals Direkthilfe e.V." mit. Ein weiteres Problem, das nicht nur die Gorillas betrifft, ist die fortschreitende Zerstörung ihres Lebensraums. Die Abholzung der Regenwälder führt zur Isolation kleiner Waldflächen, die die Tiere nicht mehr verlassen können.

Fehlender Nachwuchs ist immer wieder ein Problem

Zoos und Tierparks geben sich in der Regel große Mühe, Tiere so artgerecht wie möglich zu halten. Unfruchtbarkeit oder mangelnde Zeugungsfähigkeit beziehungsweise der Tod von Jungtieren und mangelndes Aufzuchtverhalten von Tieren ist dennoch immer wieder ein Problem.- auch, weil die Lebensbedingungen eben nicht denen in der Natur entsprechen, kritisieren Tierschützer.

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