Diese Aufnahme von der Bühne der Komödie am Kurfürstendamm entstand nach der letzten Vorstellung vor dem Abriss. Foto: Anna Lehmann-Brauns
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Ausstellung über die Ku'damm Bühnen Grandezza mit Goldflitter

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Die Fotografin Anna Lehmann-Brauns widmet den beiden Theatern in der Kommunalen Galerie Berlin eine Hommage.

Der Beifall ist verrauscht, er war lang und anhaltend, ein rhythmisches Klatschen, und selbstverständlich erfolgte er im Stehen. Ein Regen aus Goldflitter war zuletzt herniedergegangen, glitzernder Abschluss des langen Lebens eines legendären Theaterbaus. Aber nun ist es vorbei, die Schauspieler, die Zuschauer sind gegangen, vielleicht schlendern einige gerade noch durchs Foyer, nippen an einem letzten Glas der hier traditionellen Himbeerbowle, und nur die Fotografin, so scheint es, befindet sich noch im Bühnenraum, allein mit ihrer Kamera, vor sich auf dem Boden den Goldflitter, dahinter die leeren Sitzreihen, die in magischem Rot schimmernden Logen, darüber das riesige Oval des Kronleuchters.

„Letzter Vorhang“ hat die Fotografin Anna Lehmann-Brauns die am 27. Mai, nach der allerletzten Vorstellung in den alten Ku’damm-Bühnen entstandene Aufnahme genannt. So heißt auch ihre Ausstellung, die am Sonntag in der Kommunalen Galerie Berlin am Wilmersdorfer Hohenzollerndamm eröffnet wurde: „Eine Hommage in fotografischen Bildern“, wie es im Untertitel heißt, gewidmet dem Theater und der Komödie am Kurfürstendamm, die, wie berichtet, Neubauplänen weichen mussten, ein Ausweichquartier im Schillertheater gefunden haben und erst nach Abschluss des Neubauprojekts wieder an den Kurfürstendamm zurückkehren.

„Hommage“ – das Wort ist gut gewählt, denn es ist nicht eine Dokumentation des Theaterlebens auf den beiden eng verbundenen Bühnen, man sieht keine Aufführungsszenen – oder allenfalls auf Fotos, die in den von Anna Lehmann-Brauns fotografierten Räumen hingen und an frühere Sternstunden der Ku’damm-Bühnen erinnerten. So an eine mit dem jungen Harald Juhnke, wie er gerade mit einer ihn anstrahlenden Kollegin im Dienste der Schauspielkunst turtelt – eine Schwarzweiß-Aufnahme an einer Wand im Foyer, darunter zur Rechten wie zur Linken ein Polsterstuhl, wie arrangiert, während die Fotografin versichert, alles so vorgefunden zu haben.

Die Fotografin Anna Lehmann-Brauns widmet den Ku'damm-Bühnen in der Kommunalen Galerie Berlin eine Hommage. Foto: Andreas Conrad
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Raum für Besonderes

Als strenge Kompositionen sieht sie ihre Fotos gleichwohl, doch meint dies kein Arrangieren der im Bild gezeigten Gegenstände, vielmehr das Komponieren mit der Kamera mittels Bildausschnitt, Perspektive, Farbe, Licht – wobei sie nie ein Sortiment von Lampen mit sich herumschleppt, vielmehr stets auf das vorhandene Licht setzt. Menschen, seien es Schauspieler oder Zuschauer, kommen bei ihr nicht vor, es sei denn, wie beschrieben, auf mitfotografierten Fotos. Räume sind ohnehin das große Thema von Anna Lehmann-Brauns, besondere Räume, die, wie sie sagt, „eine eigene Magie entfalten“, was in der Ruhe, also ohne Menschen, eben besser zur Geltung komme.

Zu den beiden Bühnen hat die Fotografin eine besondere Beziehung: In ihrer Geburtsurkunde steht als Adresse Kurfürstendamm 37, das ist gleich gegenüber. Zum Schmelz das alten Kurfürstendamms gehörten für sie Theater und Komödie ebenso wie das Bristol Café, die Diskothek „Big Eden“, ja selbst die früher dort noch präsenten Prostituierten. Das alles habe zur besonderen Stimmung des alten West-Berlin gehört.

Auf die beiden Bühnen mit ihren fantastischen Räumen habe sie Lutz Gajewski, Manager von Gayle Tufts, dazu selbst Künstler und Fotospezialist, aufmerksam gemacht, erzählt sie. Und da Gayle Tufts dem Haus durch Auftritte selbst sehr verbunden war, erhielt Anna Lehmann-Brauns über diese Verbindung die Gelegenheit, das Haus in allen, der Öffentlichkeit verborgenen Winkeln mit der Kamera zu erforschen. Über sechs Monate war sie einmal pro Woche dort, fotografierte Kulissenmodelle, die nun wie große Räume wirken, drang bis in Teeküchen und Werkstätten vor, ausgestattet mit analoger Mittelformat-Kamera und Stativ, bemüht, die Grandezza des von Goldflitter geschmückten Bühnenraums ebenso darzustellen wie die dunklen Winkel etwa in der Schlosserei, mit einem in dieser Umgebung etwas überraschenden Pin-up an der Wand.

Sie ist eben mehr interessiert an der Lichtstimmung als an einer klaren Identifizierbarkeit jedes Gegenstandes: „Es muss nicht immer alles zu sehen sein.“ Und sie freut sich, wenn ihre Fotografien ab einer bestimmten Größe, wie sie sagt, „etwas Malerisches bekommen“ – eben keine fotografischen Dokumente, vielmehr „fotografische Bilder“, von denen Lehmann-Brauns vier eigens vor einer dunklen Wand arrangiert hat – für sie der Teil der Ausstellung, mit dem sie besonders zufrieden ist.

All das hat Folgen für die Titel: Die Aufnahme einer halb verdeckten, durch den Spalt zwischen zwei roten Vorhängen fotografierten Tür erhält da konsequent keinen den Ort lokalisierbaren Namen, sondern heißt schlicht „Durchsicht“. Und ein wie hin- und hergerückt wirkendes, aber wohl ebenfalls zufälliges, so vorgefundenes Arrangement aus Tisch, Stuhl und Vorhang wird nur ein schlichtes „Stuhl“ zugestanden. Als Dokumentation trubeligen Theaterlebens ist das wenig brauchbar, als ein Stillleben, von dessen nahem, mittlerweile vollzogenem Ende man weiß, besitzt es aber hohen ästhetischen Reiz.

Anna Lehmann-Brauns – Letzter Vorhang. Kommunale Galerie Berlin, Hohenzollerndamm 176. Bis 2. Dezember, Di-Fr 10-17 Uhr, Mi 10-19 Uhr, So 11-17 Uhr. Eintritt frei. Anna Lehmann-Brauns kooperiert mit der Galerie Springer, Fasanenstraße 13

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