Besser rechnen können, lautet eines der wichtigsten Ziel, das die Expertenkommission vorgibt. Foto: picture alliance / Patrick Pleul
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Auf die Grundlagen kommt es an Berlin weiß nun, wie es seine Schulen verbessern kann

Geld ausgeben ist keine Königsdisziplin: Experten empfehlen ein Ende der Gießkannenpolitik und stattdessen die Konzentration aufs Wesentliche. Ein Kommentar.

Im zehnten Jahr hat Berliner Bildungssenatorin hat Sandra Scheeres die Reißleine gezogen und ihre Arbeit in die Hände der Wissenschaft gelegt. „Risikoreich“ sei das gewesen, bescheinigte ihr jetzt der angesehene Kieler Schulforscher Olaf Köller, den sie vor einem Jahr mit der Evaluation des gesamten Berliner Bildungswesens betraut hatte.

Das Risiko hat sich gelohnt: Für die Sozialdemokratin, die für das letzte Jahr ihrer Amtszeit eine klare Agenda bekommen hat, und für die Berliner Schule, die statt eines Schlingerkurses aufgezeigt bekommt, wohin der Weg gehen könnte. Am Ende soll eine besser strukturierte Verwaltung ebenso stehen wie eine Lehrerausbildung, die sich auf das Kerngeschäft der Schule ausrichtet: auf das Unterrichten.

Denn über allem steht das Ziel, die Berliner Schüler fit zu machen für einen Broterwerb aus eigener Kraft – ohne Grundkenntnisse in Mathematik und Deutsch sind sie chancenlos.

Diese Erkenntnis ist zwar nicht neu, neu ist aber das Bekenntnis, dieses Ziel aus eigener Kraft nicht erreichen zu können: Denn nach Dutzenden von Reformen und Unsummen für die Förderung von Kindern mit sozialer und sprachlicher Benachteiligung steht das Berliner Bildungswesen nicht besser da als vor 20 Jahren. Das jedenfalls ist die Botschaft aller Lernstandserhebungen und Vergleichsarbeiten der vergangenen Jahre.

Hamburg zeigt, dass Erfolg machbar ist

Falls sich jetzt – infolge des Expertenrates – die Berliner Lehrerausbildung verbessert und zusammen mit der Fortbildung in einem neuen Landesinstitut zusammengefasst wird, falls sich die Schulinspektion tatsächlich endlich auf die schwachen Schulen konzentrieren und die Unterrichtsqualität anspruchsvoller wird, könnte es eine Aufbruchsstimmung geben. Denn dass Erfolg machbar ist – selbst in einem so schwerfälligen Bereich wie dem Schulwesen –, haben etliche Bundesländer bewiesen. Darunter der Stadtstaat Hamburg, der vergleichbare Bedingungen hat.

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Allerdings waren Hamburgs Baustellen überschaubar, als dort zuletzt Bildungsreformen griffen: Hamburg hat seine berufliche Bildung im Griff, seinen Schulbau und ist hervorragend mit Lehrern ausgestattet, die – wegen der Verbeamtung – scharenweise aus Berlin in die attraktive Hansestadt abwandern. In Berlin hingegen gibt es kaum ein Problem, das es nicht gibt. Wo also anfangen?

Und schon kommt da nächste Millionenprogramm um die Ecke

Kiels Schulforscher Olaf Köller, der auch Hamburg schon beriet, hat sich für den einzig möglichen Weg entschieden: am Kind entlang von der Kita bis zum Abitur aufzuzeigen, was nötig ist, um die basalen Fähigkeiten zu entwickeln. Er hatte allerdings noch eine weitere Botschaft parat, und die lautet: Weg mit der Gießkanne! Weg mit dem Impuls, jeder schulischen Hiobsbotschaft mit einem millionenschweren x-beliebigen Programm etwas entgegensetzen zu können.

Der Hobbysenator: Dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Raed Saleh (Mitte) gefällt es, Millionenprogramme für Schulen aufzustellen. Foto: picture alliance /Gregor Fischer/dpa Vergrößern
Der Hobbysenator: Dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Raed Saleh (Mitte) gefällt es, Millionenprogramme für Schulen aufzustellen. © picture alliance /Gregor Fischer/dpa

Dieser Impuls allerdings kommt nicht von der Senatorin, sondern von ihrem Parteifreund, dem SPD-Fraktionschef Raed Saleh, der sich seit Jahren damit brüstet „alles kostenlos“ zu machen: Er hat mit dieser fixen Idee Hunderte Millionen Euro an Elternbeiträgen aus dem Kita- und Schulhaushalt herausgezogen und gleichzeitig mit zweifelhaften „Bonus- und Challenge-Programme“ wahllos Millionen in die Schulen hineingepumpt.

Man möchte der Senatorin wünschen, dass zumindest ihre eigene Partei damit aufhört, Schule als Profilierungsfeld zu missbrauchen. Dann könnten Reformen greifen.

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