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Die Schlange vor dem Prinzenbad reichte am Nachmittag bis zum U-Bahnhof. Foto: dpa/Jörg Carstensen
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Amtliche Hitzewarnung Stundenlanges Anstehen, volle Becken – Berliner Freibäder und Badeseen überfüllt

Die Berliner zieht es bei der Hitze ans Wasser. Doch statt Badespaß heißt es vielerorts erst mal Schlangestehen und schwitzen.

Bei hochsommerlichen Temperaturen hielten die Berliner Freibäder am Samstag dem Ansturm kaum Stand. Besucher:innen berichten von scheinbar endlosen Schlangen, überforderten Mitarbeiter:innen und technischen Defiziten - denn der digitale Ticketservice der Bäderbetriebe brach am Wochenende zusammen und ist derzeit nicht verfügbar. 

Die Berliner Bäderbetriebe hatten vorab mit Blick auf das heiße Wochenende Badegäste gebeten, ihre Tickets im Online-Shop vorher zu buchen, was den Einlass garantiere. Auf der Seite schrieben die Betriebe am Samstag dann aber: „Leider ist unser Ticketshop derzeit nicht erreichbar, Tickets für die Sommerbäder gibt es bis auf weiteres nur an den Badkassen.“

Sprecher Matthias Oloew hatte schon vor dem Wochenende mitgeteilt, dass man mit viel höheren Besucherzahlen als an durchschnittlichen Tagen rechne. Anders als in den Jahren vor der Pandemie gibt es laut Oloew ab dieser Saison Obergrenzen. „Das heißt: Ist ein Bad voll, also ausverkauft, gibt es auch keine Karten an den Kassen mehr.“ Die Fachkräfte für Sicherheit seien für das Wochenende auf maximale Stärke hochgefahren.

Eine Besucherin berichtete, dass sie ihre Tickets bereits am Dienstag online gebucht habe. Kurz darauf brach dann der Server zusammen - der Online-Kauf war nicht mehr möglich. 

Trotz Ticket stand die Frau am Samstagmittag laut eigenen Angaben eineinhalb Stunden im Freibad Pankow an. Am Eingang konnten die Mitarbeiter:innen das Ticket nicht kontrollieren - und verwiesen auch hier auf das Serverproblem.

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Die Frau kam dann mit ihren Tickets trotzdem rein. Nach ihren Schilderungen war das Freibad völlig überfüllt, an der Rutsche musste man aktuell eine halbe Stunde anstehen. Eine andere Pankowerin wollte am Nachmittag ins Freibad und berichtete, dass sie sofort kehrt gemacht habe, als sie die 300 Meter lange Warteschlang sah. Im Spielzeugladen kaufte sie sich ein Miniplanschbecken zum Aufblasen. Darin kühlen sich die Kinder nun im Garten ab.

Strandbad Wannsee war völlig überfüllt

Auch das Strandbad Wannsee war am Samstag komplett überfüllt, vor dem Sommerbad Mariendorf hatte sich gegen Mittag eine 200 Meter lange Schlange gebildet. Auch in anderen Bädern war der Andrang weit überdurchschnittlich. Beispielsweise im Sommerbad Humboldthain war die Warteschlange einem dpa-Reporter zufolge teils an die Hundert Meter lang - drinnen war es überfüllt.

Am Prinzenbad in Kreuzberg endete die Warteschlange der Badegäste am Nachmittag erst am Eingang des U-Bahnhofs Prinzenstraße. Bis zu den Kassen des Bads waren es mindestens 100 Meter, die Menschen stand dicht an dicht. 

Stefan Laarmann, der mit seinem zehnjährigen Sohn Mio in der Schlange stand, hatte die Kasse schon in Sicht, bis zum Eingang waren es nur noch 15 Meter.

Im Prinzenbad sind nur zwei Kassen geöffnet

Aber es ging nicht voran, er kam nicht vorwärts. Er wartete seit zwei Stunden und ärgerte sich, weil nur zwei Kassen geöffnet waren und die Abfertigung so langsam ablief. Wer kein Ticket hatte, musste sich an der Kasse eines besorgen. 

„Das Problem“, sagte Laarmann, „ist, dass man kein Ticket online mehr kaufen konnte, weil der Server zusammengebrochen ist, und weil der Ticketverkauf so langsam geht. Die sitzen hinter ihrem zentimeterdicken Glas und verstehen kaum, was man sagt.“

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15 Meter hinter Laarmann in der Schlange blieb ein junger Mann mit dunkelblauem T-Shirt dagegen ziemlich gelassen. Auch er wartete schon lange, sagte aber: "Ich ziehe das durch. Es gibt ja auch keine Alternative. in den anderen Bädern ist es bestimmt genauso schlimm.“

Nur mit Online-Ticket kam man direkt durch

Nur wer ein Online-Ticket hatte, konnte durch einen separaten Eingang gleich zu dem Automaten, der die Eintrittskarte scannte. Und die manuelle Abfertigung dauerte wirklich sehr lange.

Für eine junge Mutter aus der Ukraine, die mit drei Kindern in der Schlange stand, schmerzhaft lange. Eines ihrer Kinder war erst zehn Monate alt, lag abgeschirmt durch eine Sonnenschutz im Kinderwagen und wurde gerade mit einer Milchflasche gefüttert. „Für die Kinder ist es schlimm“, sagt sie, „die stehen ja in der prallen Sonne.“

Zwei Frauen überlegen, ob sie umdrehen sollen

Am Eingang der U-Bahnstation Prinzenstraße stand zwei junge Frauen aus Münster, die überlegten, ob sie sich das noch antun sollten. Eine Stunde Wartezeit fanden sie noch okay, aber sie wussten ja nicht, wie lange es in Wirklichkeit dauern würde. „Wir überlegen gerade, ob wir umdrehen sollen“, sagten sie. „Aber wir wissen nicht, was wir sonst tun sollen.“

Ein andere junge Frau am Eingang stöhnte: „Ich bin ja Schlangen gewöhnt, aber so etwas ist zu viel.“ Doch gehen wollte sie noch nicht. Erstmal.

Auch auf und in den Gewässern zwischen Berlin und Potsdam waren am Samstag viele Boote, Stand-Up-Paddler und Kajaks unterwegs, die Oberdecks von Ausflugsbooten waren gut gefüllt.

In Berlin - wie auch in vielen anderen Städten und Regionen - geht der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Samstag und Sonntag von den bislang höchsten Temperaturen des Jahres aus. In der Hauptstadt liegen demnach die Spitzenwerte am Samstag bei 36 Grad, am Sonntag sollen die Temperaturen sogar auf maximal 37 Grad klettern. Der Wetterdienst gab eine amtliche Hitzewarnung für Berlin heraus. (mit Tsp, dpa

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