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"Stop Homophobia" steht in Berlin auf einem Plakat (Symbolbild). Florian Schuh/dpa
© Florian Schuh/dpa

„Adbusting“-Vorfälle in Berlin Anti-Homophobie-Plakate mit rechtsextremen Botschaften überklebt

Werbeplakate einer Anti-Homophobie-Kampagne wurden mit falschen Inhalten verfremdet. Einiges deutet auf eine Aktion der rechten Identitären Bewegung hin.

Im Mai 2020 präsentierte die Wall GmbH auf ihrem Twitter-Account stolz ihre neueste Kampagne. Seitdem rufen 3000 Werbeflächen des Unternehmens im Berliner Stadtgebiet dazu auf, sich gegen trans- und homophobe Gewalt stark zu machen. Unter dem Motto „Nicht schweigen – Reden ist Gold” wird an Betroffene appelliert, homophobe Straftaten zu melden und anzuzeigen.

Ausgerechnet einzelne Plakate dieser Anti-Homophobie-Kampagne des Werbeunternehmens sind am vergangenen Wochenende einer sogenannten „Adbusting“-Aktion zum Opfer gefallen. Der Begriff kommt aus dem Englischen und bezeichnet das Überkleben oder Verfremden von Werbung im öffentlichen Raum, um den Reklame-Inhalt ins Lächerliche zu ziehen und eigene politische Botschaften zu setzen.

Statt des ursprünglichen Aufrufs, homophobe Gewalt anzuzeigen, war auf einem Plakat am U-Bahnhof Breitenbachplatz am Sonnabend der Appell „Zeig Migrantengewalt an“ zu lesen. Das Design und die Aufmachung des veränderten Posters sind dabei nahezu identisch mit der Originalversion. Lediglich das Hashtag „Hauptstadtrevolte“ ist bei der ausgewechselten Reklame hinzugefügt worden.

Das selbe Motiv ist nach Tagesspiegel-Informationen am Samstag auf dem S-Bahnhof Nikolassee aufgetaucht. Hier war eine Werbefläche des Unternehmens „Ströer“ betroffen. Das Unternehmen wollte sich auf Tagesspiegel-Anfrage zunächst nicht zu den Vorfällen äußern.

Auch an der Neuköllner Hermannstraße soll es am Wochenende zu „Adbusting“-Vorfällen gekommen sein. Auf einem weiteren Motiv werden die rechtsextremen Narrative der „Islamisierung“ und des angeblichen „Bevölkerungsaustausches“ bedient.

Kampagne „schändlich missbraucht“

Frauke Bank, Pressesprecherin der Wall GmbH, zeigte sich dem Tagesspiegel gegenüber empört darüber, dass die Kampagne des Berliner Bündnisses gegen Homophobie „so schändlich missbraucht wurde“. Hinweise über „Adbusting“-Vorfälle würden vonseiten des Unternehmens schnellstmöglich geprüft und illegale Plakate durch ein Service-Team entfernt sowie zur Anzeige gebracht, sagte Bank.

Einiges deutet daraufhin, dass die rechte, vom Verfassungsschutz beobachtete Identitäre Bewegung hinter der Aktion stecken könnte. Zwar verweisen die veränderten Werbeplakate auf die Social-Media-Kanäle einer Gruppierung, die sich „Gegenkultur Berlin“ nennt, aber Parallelen zu den Identitären sind eindeutig.

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Nicht nur die verbreitete völkische Ideologie eines „Ethnopluralismus“ ist identisch mit dem Hauptziel der Identitären Bewegung, auch eine von „Gegenkultur Berlin“ aufgeführte E-Mail-Adresse führt geradewegs zu den Identitären. Es ist nicht das erste Mal, dass die Rechtsextremen durch eine „Adbusting“-Aktion in Berlin auffallen.

Bereits 2019 war unter anderem auf einer „Ströer“-Werbefläche am S-Bahnhof Jannowitzbrücke ein Plakat der Identitären aufgetaucht, auf dem syrische Geflüchtete mit dem Slogan „Der Krieg ist vorbei – Syrien braucht Dich“ dazu aufgefordert wurden, die Bundesrepublik zu verlassen.

Nachdem es um die rechtsextreme Gruppierung lange Zeit relativ still blieb, scheinen die Identitären aktuell wieder aktiver zu versuchen Anhänger:innen zu gewinnen. So fanden Hunderte Einwohner:innen Potsdams am Montagmorgen Flyer des rechten, den Identitären nahestehenden Vereins „Ein Prozent“ in ihren Briefkästen. Auch in Berlin kam es offenbar zu Flyer-Verteilungen durch „Gegenkultur Berlin“, wie ein Telegram-Post der Gruppe zeigt.

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