"Von der Friedlichen Revolution zur deutschen Einheit" heißt die kleine Ausstellung vor dem Berliner Abgeordnetenhaus. Foto: Paul Zinken/ dpa
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Abgeordnetenhaus feiert den Mauerfall Kino, Workshops und Festakt

Das Berliner Abgeordnetenhaus feiert mit eigenem Blick auf die Geschichte den 30. Jahrestag des Mauerfalls.

30 Jahre Mauerfall, das muss gefeiert werden, auch vom Berliner Parlament. Auf dem Vorplatz des Abgeordnetenhauses in der Niederkirchnerstraße ist schon seit einer Woche die Ausstellung "Von der friedlichen Revolution zur deutschen Einheit" zu sehen. Auf 20 wetterfesten Tafeln wird mit Fotos und Dokumenten ein Schlaglicht auf die dramatischen Jahre 1989/90 geworfen.

"Ein niederschwelliges Angebot", sagt Parlamentspräsident Ralf Wieland (SPD), das offenbar funktioniert. Immer wieder bleiben Passanten stehen, schlendern interessiert durch die kleine Präsentation, die in Kooperation mit der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und dem Beauftragten für die neuen Bundesländer entstand.

Eine weitere Open-Air-Ausstellung folgt, sie wird am 18. September eröffnet. Auch vor dem Abgeordnetenhaus, der Arbeitstitel heißt "Mauerbilder". Das Parlament sucht dafür noch private Aufnahmen der Mauer oder des Mauerfalls, die in der Umgebung des heutigen Abgeordnetenhauses entstanden. Bis zur Wende war dieser Kiez eine "tote Ecke", wie Wieland sagt. Oder positiv gewendet: "Ein markanter Ort des Zusammenwachsens", der Ost und West bis zum 9. November 1989 durch Mauer und Todesstreifen trennte.

Wer Fotos hat, kann sich per Mail (oeffentlichkeitsarbeit@parlament-berlin.de) oder telefonisch (030-23251062) an das Abgeordnetenhaus wenden.

Dienstags-Kino und Workshops für Jugendliche

Abgeordnetenhaus-Präsident Wieland legt Wert darauf, dass das Berliner Landesparlament mit seinem Jubiläumsprogramm, für das im öffentlichen Haushalt 100.000 Euro zur Verfügung stehen, nicht in Konkurrenz zu den Aktivitäten des Senats zur 30-Jahrfeier treten will. Doch ein paar eigene Schwerpunkte wolle man als Volksvertretung schon setzen. So zeigt das Abgeordnetenhaus ab 1. Oktober in seinem Multivisionsraum an sieben Terminen, jeweils Dienstags, abendfüllende Filme aus Ost und West, die das Leben dies- und jenseits der Mauer und das Verschwinden dieser Trennlinie widerspiegeln. Der Eintritt ist frei.

Gezeigt werden Dokumentar- und Spielfilme wie beispielsweise "Bernauer Straße 1-50", "Der Himmel über Berlin", "Polizeiruf 110 – Das Duell" oder "Berlin – Prenzlauer Berg". Es gibt auch eine Kurzfilmstrecke.

Workshops und Führungen, die sich vor allem an Jugendliche wenden, die die Berliner Mauer und deren Fall nicht aus eigener Anschauung kennen, ergänzen das Programm. Geplant sind Sonderführungen rund um das Abgeordnetenhaus, eine fotografische Spurensuche und ein "History Summer Camp".

Am traditionellen Tag der offenen Tür des Landesparlaments, dieses Jahr am 7. September, wird es zwei große Gesprächsrunden geben. Eine mit den früheren Regierenden Bürgermeistern Walter Momper (SPD) und Eberhard Diepgen (CDU) sowie der Direktorin des Märchenland e.V., Silke Fischer. Sie floh im September 1989 über Ungarn in die Bundesrepublik. In der zweiten Talk-Runde berichten Abgeordnete aller Fraktionen über ihre persönliche Sicht auf Teilung und Zusammenwachsen.

Wolfgang Schäuble diskutiert mit Schülerzeitungs-Redakteuren

Schon am 2. September ist Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble zu Gast, um mit Redakteuren prämierter Berliner Schülerzeitungen über die Demokratie- und Freiheitsbewegung von 1989 zu diskutieren. Dabei soll es auch um den Stand der deutschen Einheit 30 Jahre nach dem Mauerfall gehen. Die neue Generation zieht mit einem der Altgedienten ein Résumé.

Im November wird es dann hoch offiziell. Auf einer Festveranstaltung im Plenarsaal des Abgeordnetenhauses erinnern am 4. November die frühere DDR-Bürgerrechtlerin Marianne Birthler, Professor Ronald Freytag von der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft sowie der Schauspieler Tobias Langhoff an die denkwürdige Großdemonstration auf dem Alexanderplatz vor genau 30 Jahren. Alle drei Podiumsteilnehmer hatten an der Demonstration teilgenommen, die in die Geschichte der friedlichen Revolution in der DDR eingegangen ist. Am 8. November folgt der Festakt des Berliner Parlaments mit der Hauptrednerin Sabine Bergmann-Pohl. Sie war Präsidentin der ersten (und auch letzten) frei gewählten Volkskammer der DDR.

Das Abgeordnetenhaus selbst ist ein Symbol der Teilung und des Zusammenwachsens: Seit 1899 beherbergte das Gebäude, das im Stil der italienischen Hochrenaissance entstand, den Preußischen Landtag. 1949 arbeitete dort für vier Jahre die erste DDR-Regierung, anschließend die Plankommission des selbsternannten Arbeiter- und Bauernstaates. 1993 zog dort, nach der Wende, das Berliner Landesparlament ein.

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