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Kampf auf den letzten Metern: Am Potsdamer Platz haben die Laufenden die Strecke fast geschafft. Foto: Julian Baumeister
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40. Berliner Halbmarathon Gute Stimmung an der Strecke – Neue Bestzeit bei den Frauen

Julian Baumeister

Es ist das größte Laufevent in Europa seit Beginn der Corona-Pandemie: Mehr als 15.000 Menschen gingen beim Berliner Halbmarathon an den Start.

Der Kenianer Felix Kipkoech hat den 40. Berliner Halbmarathon gewonnen. Er kam am Sonntagvormittag nach 58 Minuten und 57 Sekunden ins Ziel. Bei den Frauen war die Kenianerin Joyciline Jepkosgei die Schnellste. Sie lief die Distanz von 21,0975 Kilometern in 65 Minuten und 16 Sekunden, ein neuer Streckenrekord.

Die schnellsten Deutschen waren Philipp Pflieger (01:03:03) und Rabea Schöneborn (01:10:35), die jeweils Rang acht in der Ergebnisliste belegten. Für Schöneborn, die für die LG Nord Berlin läuft, ist es laut dem Portal "Leichtathletik.de" eine neue persönliche Bestzeit.

Die Zweitplatzierte Nancy Meto steht neben der Siegerin Joyciline Jepkosgei und der Dritten Valary Aiyabei. Foto: dpa Vergrößern
Die Zweitplatzierte Nancy Meto steht neben der Siegerin Joyciline Jepkosgei und der Dritten Valary Aiyabei. © dpa

Um 8.25 Uhr hatten sich die ersten Starter:innen mit Inlineskates auf den Weg gemacht. Knapp eine halbe Stunde später starteten Menschen mit Rollstühlen und Handbikes. Ab 9 Uhr ging es schließlich für die Läufer:innen los – in vier Wellen, um größeres Gedränge zu vermeiden.

An der Strecke versammelten sich zahlreiche Zuschauende. Wie bei vergangenen Halbmarathons feuerten auch Drum- und Sambabands die Läufer:innen an. In diesem Jahr waren allerdings nur zehn statt wie beim letzten Halbmarathon 2019 mehr als 20 Bands zugelassen. Damit wollten die Veranstalter die Menge an Zuhörenden reduzieren, die sich früher vor Bands versammelt hatten.

Der Streckenrand war dennoch gut gefüllt. Die Zuschauenden machten mit Rasseln, Trommeln und Trillerpfeifen reichlich Lärm. Viele Familien und Freunde der Läufer:innen warteten mit großen Bannern und Plakaten hinter der Begrenzung auf ihre Liebsten. Für besonderes Aufsehen sorgten die Sportler:innen, die den Halbmarathon in kuriosen Kostümen absolvierten: ein verschwitztes Bierglas kam an der Absperrung vorbei oder auch mal eine Ente.

Viele Teilnehmer:innen zeigten sich sichtlich erfreut über die Unterstützung von außen. Einige bedankten sich noch während des Rennens für das Anfeuern. Die Veranstaltung wirkte wie ein farbenfrohes Fest, bei dem man vielen anmerkte, wie sehr ihnen das Gemeinschaftsgefühl in den vergangenen anderthalb Jahren gefehlt hat.

Teilnehmerin Ulrike Hain war nach dem Lauf begeistert von der guten Stimmung. „Aus dem Ausland waren einige da, man hat gemerkt, dass sie froh waren, dass mal wieder in Berlin etwas los ist.“ Während des Laufes hätten Zuschauer:innen immer wieder die Namen der Läufer:innen auf den Trikots gerufen. „Das ist echt motivierend“, sagte Hain, „manchmal muss man dann erstmal schauen, ob man die Person kennt.“

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Für Nicoletta Mittrach war es am Sonntag der allererste Halbmarathon. „Ich habe es geschafft, ich bin begeistert“, sagte sie im Anschluss an den Lauf, „das ist ein unbeschreibliches Gefühl. Man wird total getragen von den ganzen Läufer:innen und vom Publikum.“ Besonders gut hätten ihr die Streckenabschnitte gefallen, an denen die Bands spielten. „Das hat einen echten Push gegeben“, sagte sie.

Teilnehmer Stefan Müller, der schon elf Marathons und rund 20 Halbmarathons gelaufen ist, war mit seiner Zeit von 1:37 sehr zufrieden. „Ich wollte unter 1:40 laufen“, sagt er. Der 55-jährige Sozialarbeiter hielt sich während der Pandemie fit, indem er dieselbe Distanz ohne Zeitmessung und gemeinsam mit einem Kumpel lief. „Man ist einfach schneller, wenn man sein Rennen mit ungefähr gleich schnellen Leuten macht“, sagte Müller. Er habe den Eindruck, dass beim Halbmarathon coronabedingt weniger Menschen an den Start gegangen seien. Dadurch konnte man die Abstandsregelungen gut einhalten.

Sperrungen und Umleitungen der BVG-Busse

Der Berliner Halbmarathon war nach Angaben der Veranstalter das größte Laufevent in Europa seit Beginn der Corona-Pandemie. Insgesamt 15.096 Teilnehmer:innen, darunter mehr als 500 Skater:innen und auch einige Handbiker:innen und Rollstuhlathlet:innen gaben auf der Strecke ihr Bestes.

Start und Ziel des Halbmarathons lagen wie 2019 zwischen dem Großen Stern und dem Brandenburger Tor auf der Straße des 17. Juni. Bereits am Freitag waren für den Halbmarathon Straßen gesperrt worden, beispielsweise ein Teil der Straße des 17. Juni und der Platz des 18. März. Seit 8 Uhr ist am Sonntag auch um die Rennstrecke herum kein Durchkommen mehr. Sobald die letzten Läufer:innen eine Straße auf der Laufstrecke passiert haben, werden die Sperrungen wieder aufgehoben. Einige Busse der BVG wurden wegen der Sperrungen umgeleitet, dafür sollten auf den Linien U2, U5 und U6 nach Bedarf (und Verfügbarkeit) längere Züge fahren.

Während des Laufes ging Stefan Müller durch den Kopf, wie schön die Stadt sei. „Mal wieder am Kudamm zu sein, am Potsdamer Platz und am Schloss Charlottenburg ...“, sagte Müller. Als er an den Wahlplakaten vorbeilief, seien seine Gedanken zugleich „nicht ganz unpolitisch“ gewesen. „In dem Moment habe ich gedacht, dass es doch schön wäre, wenn die Stadt nicht nur für Touristen und Events übrig bleibt, sondern für Bewohner aller Schichten.“

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