Der Jahn-Sportpark in Prenzlauer Berg soll für knapp 200 Millionen Euro zum "Inklusionssportpark" umgestaltet werden Foto: imago/Steinach
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"Nicht brachial umgestalten" Architektenverbände fordern Abriss-Stopp im Jahn-Sportpark

"Historisch einmalig": Nach Anwohnern und Bezirksamt kritisieren nun auch Architektenverbände den geplanten Umbau des Jahn-Sportparks - besonders den Stadionabriss.

Nun stellen sich auch Architekten gegen die Umbaupläne im Jahn-Sportpark von Prenzlauer Berg. „Die Abrissplanungen zum Stadion im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark sind sofort zu stoppen“, fordern der Bund Deutscher Architekten (BDA/Landesverband Berlin) und der Bund Deutscher Landschaftsarchitekten (bdla/Landesgruppe Berlin-Brandenburg) in einer gemeinsamen Erklärung.

Der Sportpark und der angrenzende Mauerpark seien "eine Deutschland-, wenn nicht weltweit einmalige Sport- und Freizeitlandschaft", erklärte Eike Richter, Landesvorsitzender des bdla. Der wertvolle Baumbestand und die historisch einmalige Anlage von Stadion, denkmalgeschützter Hinterland-Mauer und Tribüne für Karaoke-Events im Mauerpark, "dies alles muss behutsam saniert und nicht brachial umgestaltet werden".

Der Jahn-Sportpark in Prenzlauer Berg soll für knapp 200 Millionen Euro zum "Inklusionssportpark" umgestaltet werden. Kritik gibt es von Anwohnern und dem Bezirksamt Pankow insbesondere am geplanten Abriss des Großen Stadions und des anvisierten Neubaus für 120 Millionen Euro.

Ihre Forderung haben die Verbände in dem gemeinsamen Schreiben auch direkt an den Senat gerichtet. Sie vertreten die Auffassung, dass insbesondere der vom Senat geplante Abriss des Stadions "nicht stichhaltig begründet" werde: "Allein die nicht optimale Orientierung der Haupttribüne nach Westen kann den Eingriff nicht rechtfertigen." Die Ausrichtung der Haupttribüne ist insbesondere für die Fernsehübertragungen von Fußballspielen relevant.

"Dieser Umgang mit dem identitätsstiftenden Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion ist nicht angemessen", so die Erklärung weiter. Die städtebaulichen, funktionalen, räumlichen, baukulturellen und ökologischen Aspekte wie auch die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung müssten "besser berücksichtigt werden". Insbesondere vor dem Hintergrund von Klimaschutz, Abfallvermeidung und Ressourcenschonung sei der Abriss zu hinterfragen. Die Möglichkeiten eines Umbaus des Stadions seien hingegen "vertieft planerisch zu prüfen".


[Der Autor dieses Textes, Christian Hönicke, schreibt den Tagesspiegel-Newsletter für Berlin-Pankow. Den gibt es hier: leute.tagesspiegel.de]


Julia Dahlhaus, Landesvorsitzende des BDA, fordert: „Der Senat ist gut beraten, eine ernsthafte, vorgezogene Bürgerbeteiligung unter Einbeziehung der Stadion-Thematik durchzuführen." Es müssten in einem "ergebnisoffenen Wettbewerbsverfahren" Konzepte für diesen "einmaligen Ort" entworfen werden: "Berlin hat Besseres verdient!“

Auch und gerade die beabsichtigte Nutzung des Stadions solle "auf ein stadt- und geländeverträgliches Maß" reduziert werden. Dahlhaus: "Bis die Ergebnisse vorliegen, ist der Geltungsbereich des vorgesehenen Bebauungsplans mit einer Veränderungssperre zu belegen."


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